„Spiele für Teenager“: Kingdom-Come-Mitgründer kritisiert klassische RPG-Formel

Ein auserwählter Protagonist, der im Laufe der Story immer stärker wird und schließlich die Welt rettet. Das ist eine gängige RPG-Formel, die man aus vielen Spielen kennt. Warhouse-Mitgründer Martin Klíma ist dieser Formal aber leid. Machtfantasien können durchaus Spaß machen. Ihn störe aber die ständige Wiederholung, wie der Entwickler gegenüber PC Gamer erklärt. Viele Spiele seien seiner Ansicht nach noch immer auf Teenager zugeschnitten, obwohl das Publikum inzwischen älter geworden sei. Als Beispiel führt Klíma Ubisoft an:
„Ich habe das erste ‚Assassin’s Creed‘, das erste ‚Far Cry‘ und das erste ‚Watch Dogs‘ gespielt – die meisten dieser Spiele in ihrer ersten Version – und es hat Spaß gemacht. Aber wenn man dasselbe Spiel zum zehnten Mal spielt, wird es irgendwie langweilig.“
Abgesehen davon, dass Far Cry und Watch Dogs streng genommen keine Rollenspiele sind, treffen die Beispiele durchaus zu. Klíma lobt die handwerkliche Qualität der Ubisoft-Titel, glaubt aber, dass diese besser zur Geltung kommen würde, wenn der Publisher sie mit innovativeren Konzepten kombinieren würde. Gleichzeitig räumt der Warhouse-Mitgründer ein, dass er durchaus verstehen könne, dass Ubisoft in Abetracht der großen Budgets für AAA-Titel keine Experimente wagt – und gibt zu, dass auch ihm keine schnelle Lösung für dieses Dilemma einfällt.
Mit seinem eigenen Studio ist Klíma aber durchaus in der Lage, andere Wege zu gehen – und mit Kingdom Come: Deliverance, dessen Ansatz aus genau dieser Unzufriedenheit mit gängigen RPG‑Formeln entstanden ist, tat er das auch. In Worhouses Mittelalter-RPG, das auf Steam aktuell übrigens mit 85 Prozent Rabatt für rund 4,50 statt 30 Euro im Sale ist, spielt man nämlich keinen prophezeiten Weltenretter. Stattdessen schlüpfen Spieler in die Stiefel eines Schmiedesohns, der sich seinen Platz in der mittelalterlichen Gesellschaft erst erarbeiten muss – und das kommt bei Spielern durchaus gut an. Mit Blick auf den Metascore von 76 und die zu 80 Prozent positiven Steam-Rezensionen hat der Titel zwar keine überragenden Bewertungen, erfreut sich aber einer treuen Fangemeinde.
Reddit reagiert gemischt
Auf Reddit fallen die Reaktionen gemischt aus. Einige Redditoren wünschen sich ebenfalls kleinere, persönlichere Geschichten. Unterschieden wird zwischen einer Figur, die sich Bedeutung erarbeitet, und einem Helden, um den sich von Anfang an die gesamte Welt dreht. Fallout: New Vegas und Disco Elysium werden als gelungene Alternativen genannt.
Andere halten die Einordnung als Teenager-Unterhaltung für zu pauschal. Auch Erwachsene könnten Machtfantasien genießen – und ein Auserwähltenplot sage wenig über die erzählerische Reife aus. Zudem sei Kingdom Come selbst nicht frei von solchen Elementen: Hauptprotagonist Henry werde im Spielverlauf ausgesprochen mächtig. Andere Reddit-Nutzer halten dagegen, dass seine wachsenden Fähigkeiten ihn noch lange nicht zum Mittelpunkt des gesamten Weltgeschehens machten. Unter dem Strich scheinen die Vorstellungen davon, wie viel Macht und Bedeutung ein RPG-Protagonist erhalten sollte, schlichtweg sehr verschieden zu sein. Eigene Meinungen zum Thema sind in der Kommentarsektion gerne gesehen.













