Strom für 5 USD: Heart Aerospace X1 fliegt erstmals vollelektrisch

Heart Aerospace ist es erstmals gelungen, seinen X1 genannten Prototypen vollelektrisch in die Luft zu bringen. Es ist gleichzeitig der Erstflug der Maschine, die später mal im Regionalverkehr vor allem kerosinelektrisch fliegen soll.
Das Flugzeug flog insgesamt 27 Minuten, inklusive Taxiing sowie der Start- und Landephase. Dafür wurde nur Energie genutzt, die in den Akkus gespeichert wurde, und die soll sehr günstig gewesen sein. Heart Aerospace gibt für den reinen Flug Kosten in Höhe von 5 US-Dollar an. Dazu kommt also noch der Strom für das Rollen auf dem Boden. Wie lang der Flug genau andauerte, gab das Unternehmen nicht an. Es wurde eine Höhe von 1.100 Fuß erreicht bei einem Gewicht von über 11.000 kg. Das ist recht viel, eine Saab 340 mit 30 Sitzen liegt voll beladen etwa bei 13.000 kg Startgewicht (MTOW) inklusive Treibstoff.
Es handelt sich bei der X1 aber noch um einen Demonstrator. Das eigentliche Flugzeug, die ES-30, befindet sich noch in Entwicklung und soll 2028 erstmals fliegen. Man kann also von einer stark reduzierten Ausstattung ausgehen, was man auch am Äußeren erkennen kann, etwa an der Fenster- oder Türenkonfiguration. Die ES-30 soll von beidem mehr bekommen. Auch fehlt der X1 noch alles, was für die Nutzung von Kerosin benötigt wird. Die äußeren Dimensionen dürften aber mit der ES-30 vergleichbar sein.
Konzeptbedingt reichen die Akkus nicht für längere Flüge. Daher sieht das Konzept vor, mit Kerosin Strom zu erzeugen, der die Propeller speist. Das kennt man etwa von dieselelektrischen Lokomotiven, ist in der Luftfahrt bisher aber noch sehr selten anzutreffen. Das gilt allerdings für elektrische Flugzeuge im Allgemeinen. Hier gibt es vor allem in der General Aviation viel Auswahl, aber nicht bei Passagier- oder Frachtmaschinen.
Der Erstflug ist nicht alles
Mit dem Erstflug hat Heart Aerospace erst einmal bewiesen, dass das neue Design fliegen kann. Der Weg zum Erstflug ist aber oft mit hohen finanziellen Aufwendungen verbunden. Für Risikokapitalgeber sind solche Signale manchmal wichtig, aber in der Vergangenheit sind ambitionierte Projekte daran schon gescheitert. Universal Hydrogen hat es beispielsweise sehr früh geschafft, ein bestehendes Flugzeugdesign zu modifizieren und in die Luft zu bringen. Doch nach diesen Aufwendungen ging dem Unternehmen das Geld aus. Es konnte keine weitere Finanzierung gesichert werden.
Die Entwicklung an Eviations Alice wurde ebenfalls gestoppt, nachdem der Erstflug gelang. Nach dem Erstflug wollte man das ungewöhnliche Flugzeug-Design nicht mehr umsetzen und stattdessen auf eine klassische Röhre als Passagierkabine setzen. Die lässt sich leichter in der Länge anpassen, indem einfach Segmente hinzugefügt oder entfernt werden. Der aktuelle Status des Unternehmens ist unbekannt.
Es gibt also noch einige Hürden zu nehmen. Auch Heart Aerospace musste sein Konzept überarbeiten, stellte die Probleme aber vor einem Erstflug fest. Heart Aerospace dürfte mit seinem Erstflug damit weiter sein, als so manch gescheiterter Konkurrent.
Heart Aerospace plant, das Flugzeug für 2031 (Type Certification), dann als ES-30, auf den Markt zu bringen. Es soll 30 Passagiere vollelektrisch über eine Distanz von 200 km bringen und im Hybridmodus 800 km erreichen.





