Notebookcheck

Test Microsoft HD 6000 und Logitech C910 Profi HD Webcam

Bitte lächeln. Webcams gibt es wie Sand am Meer, aktuelle Notebooks haben sie in der Regel bereits integriert. Wenn es um die Bildqualität geht, können diese Billig-Linsen aber nicht überzeugen. Für professionelle User sind seit kurzem HD-Webcams verfügbar, die klassischen Video-Kameras bereits gefährlich nahe kommen.

High-Definition lautet das Gebot der Stunde. Nicht nur Flatscreens und Notebook-Displays, auch Aufnahmegeräte müssen durch entsprechende Ausstattung fit für die Zukunft in HD sein. Hoch auflösende Webcams eigen sich dabei weniger für Videotelefonie, es sei denn sie sind bereits mit entsprechend hohen Bandbreiten an das World-Wide-Web angebunden, aber für Videoclips mit sehenswerter Qualität, man denke nur an youtube oder facebook, stellen sie interessante und vor allem erschwingliche Werkzeuge dar.

Im folgenden Test haben wir uns zwei aktuelle Cams der HD-Liga angesehen. Mit der Logitech C910 schickt der Zubehörspezialist seine aktuelle Top-Lösung ins Rennen. Microsoft versucht mit der LifeCam HD 6000 zu kontern, vor allem durch ihren attraktiven Preis.

Logitech HD Pro C910
Logitech HD Pro C910
Microsoft LifeCam HD 6000
Microsoft LifeCam HD 6000

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Allgemeines

Microsoft LifeCam HD 6000

Systemanforderungen:
HD geht wir bereits des öfteren leidvoll feststellen mussten, auch zu Lasten der Systemleistung. Speziell Vertreter der Netbook-Liga könnten hier schon mal ins trudeln kommen. Während Logitech sehr präsent die Systemanforderungen auf deren Website ausschildert, muss man bei Microsoft schon im Technical Data Sheet kramen, um fündig zu werden.
Als Voraussetzung zum betrieb nennt Microsoft USB 2.0, Win 7/Vista/XP, Dual-Core 1.6 GHz (3.0 GHz empfohlen), 1GB RAM (2 Gig empfohlen), 1.5 GB HDD-Space.

Technische Daten:
- CMOS Sensor
- Videoauflösung: 1280x720, Bildauflösung 1280x800
- bis zu 30 Bilder pro Sekunde
- 66° Sichtbereich
- 4x digital Zoom, Autofokus von 0.14 bis 10m
- int. Mikrofon mit Geräuschunterdrückung

Installation:
bei der Installation über CD werden von Beginn an Installationsdaten aus dem Internet geladen, weshalb der Installationsvorgang etwas länger dauern kann. Der Prozess läuft automatisch ab und die Cam ist nach der Installation sofort verwendbar. Es wird nur eine Komplettinstallation angeboten, d.h. es gibt keine benutzerdefinierte Installation, weil diese Cam den Windows Live Messanger als Kommuikationsprogramm verwendet. Zum Testen der Videoqualität wird die Herstellersoftware verwendet.

Verpackung:
Großes Plus – Microsoft liefert eine Transportschutzhülle für die Webcam mit.

Design & Ausstattung:
Diese Cam überzeugt im Design durch ihre kleine, würfelige Ausführung. Sie ist somit sehr leicht transportierbar, da nur wenig Stauraum benötigt wird. Die Montageklemme erscheint sehr praktisch, weil sie dadurch an sehr vielen flachen oder runden Strukturen festgeklemmt werden kann. Sie ist demnach auch kopfüber selbsthaltend. Das Kugelgelenk bietet eine perfekte Möglichkeit, um eine nicht perfekte horizontale Montage stufenlos auszugleichen. Das USB-Kabel ist bei dieser Cam, wie auch schon bei Vorgängern, mit 0,5m Länge sehr kurz geraten. Es wird also kein großer Bewegungsfreiraum mit der Webcam gewährleistet. Überhaupt scheint nur der Einsatz in Verbindung mit einem Notebook aufgrund der kurzen Kabellänge angedacht.

Software und Technik:
Der max. Zoom ist nur in sehr geringem Ausmaß möglich, wobei keine genaueren Angaben darüber hinaus hinsichtlich eines möglichen otpischen Zoomes gemacht werden. Bei max. Auflösung kein Zoom möglich. Weiters ist nur eine spartanische individuelle Detaileinstellung des aufzunehmenden Bildes möglich. Kleine Positionsveränderung der Regler an Kontrast, Belichtung, etc. bewirken sehr grobe Bildveränderungen. Entsprechend mühsam gestaltet sich das Feintuning. Um ev. Veränderungen vorzunehmen, muss „truecolor“ deaktiviert sein. Unter „truecolor“ kann nur die Helligkeit angepaßt werden. Künstliches Licht läßt dann einen deutlichen „Gelbstich“ am Bild erscheinen.

Logitech C910

Systemanforderungen:
Keinen Hehl hinsichtlich Anforderungen an Ihr System macht Logitech. Für 720p und 1080p Videoaufzeichnung empfiehlt Logitech auf deren Website einen 2.4 GHz Dual-Core Prozessor, 2GB RAM, 200MB Festplattenspeicher, USB 2.0 und ein Windows Betriebssystem ab Win XP.

Technische Daten:
- Carl Zeiss-Optik mit Autofokus
- HD-Videoerfassung bis zu 1080p
- HD-Videogespräche mit bis zu 720p
- Fotoaufnahme mit bis zu 10 Megapixel (interpoliert)
- int. Mikrofon mit "RightSound" Technologie

Installation:
Die Softwareinstallation dauert sogar etwas länger als bei der MS-Cam, es wird allerdings auch eine benutzerdefinierte Installation angeboten. Das Logitech Kommunikationsprogramm "Vid" wird dann nicht installiert. Zum Testen der Videoqualität wird auch bei der C910 die Herstellersoftware verwendet. Updates werden nach Abschluß des Installationsvorganges automatsich gesucht.

Design & Ausstattung:
Logitech legt bei dieser Webcam Wert auf das Design im modernen Stil. Sie überzeugt durch ordentliche und qualitativ hochwertige Verarbeitung, wodurch sie sich bereits bei der schlichten Besichtigung aus der Liga der „Billig-Cams“ abhebt. Der Montagearm wurde weiters mit einem besonders schweren Material versehen, wodurch die Cam mit mehr Gewicht ruhig in der Hand liegt. Dies unterstreicht den hochwertigen haptischen Eindruck.
Der Montagearm eignet sich allerdings lediglich zur Befestigung an horizontalen Ebenen. Demnach wird die Webcam nicht geklemmt, sondern aufgelegt und durch den Arm nur gestützt, wie auch die Pro 9000 von Logitech, was im frei beweglichen Umgang mit der Cam ein Nachteil sein könnte, weil sie nicht selbsthaltend ist.
Das USB-Kabel mit 1m Länge läßt deutlich mehr Bewegungsfreiraum, wurde aber im Vergleich zur Vorgänger-Cam (Pro 9000) um 0,5m gekürzt. Dies bedeutet mehr Flexibilität im Umgang mit der Cam, auch für Aufnahmen in der Umgebung der Cam, ein Verlängerungskabel scheint dazu jedoch trotzdem von Vorteil.

Software & Technik:
Brauchbarer maximaler Zoom (siehe Bild unten), bei max. Auflösung allerdings ebenso kein Zoom möglich. Kontrast, Helligkeit, Farbintensität, Belichtung und Empfindlichkeit in gewohnter Manier bei Logitech frei einstellbar. Künstliches Licht läßt deutlichen „Rotstich“ am Bild erkennen, Bildrauschen jedoch nur sehr gering vorhanden.

Vergleich der Videoqualität

Der Videotest wurde mit der jeweils maximal möglichen Auflösung (702p, 1080p) ausgeführt. Es wurde mit jeder der Webcams im Abstand von genau 1m zur „Szenenebene“ die gleiche Videosequence aufgenommen, bei Tageslicht und ohne künstlichem Licht. Bei allen Cams wurde über das Menü der „Kameraeinstellungen“ die bestmögliche Bildqualität gesucht und voreingestellt.

Logitech C910

Logitech bietet in gewohnter Manier Einstellungsmöglichkeiten für:
- Belichtung (= Dauer der Einzelbildbelichtung)
- Empfindlichkeit
- Kontrast
- Helligkeit
- Farbintensität

Durch die Bedienregler ist das Bild sehr fein abstimmbar auf die jeweilige Umgebung. Kleine Einstellungsanpassungen bewirken geringe Bildveränderungen, ein Feintuning ist so gut möglich.

Videoqualität Logitech C910:
- klarer Konturenkontrast in der Szenenebene: siehe Kontur des Krokodils
- beinahe kein Bildrauschen
- sehr gute Tiefenschärfe in Bezug auf Gegenstände im Hintergrund (0,5m hinter Szenenebene: siehe Pflanze mit deutlichen Konturen und Schriftzug an den seitl. Gegenständen
- reale Farbendarstellung und sehr guter Farbenkontrast
- Bewegung der Figuren nur gering verzerrt – dies ist bei entsprechender zusätzlicher Belichtung durch eine kürzer Belichtungsdauer der Einzelbilder zusätzlich verbesserbar

Microsoft LifeCam HD 6000

Die HD 6000 bietet ähnliche Einstellungsmöglichkeiten und sogar noch mehr:
- Helligkeit
- Kontrast
- Belichtung
- Sättigung
- Weißabgleich
- Schärfe

… aber das Ergebnis ist wesentlich schlechter. Geringfügiges Verändern der Einstellungen bewirkt sehr grobe Veränderungen bei der Bildaufnahme, das letztlich aber zu keiner besseren Bildqualität führt.

Videoqualität MS Life Cam HD 6000:
- unscharfe Konturen in der Szenenebene: siehe Kontur des Krokodils
- intensives Bildrauschen bei künstlichem Licht
- schlechtere Tiefenschärfe in Bezug auf die Gegenstände im Hintergrund: Kontur der Blätter nur erahnbar, Schriftzug der seitl. Gegenstände nicht so deutlich erkennbar wie im Vergleich zur C910 von Logitech
- Farbendarstellung im Vergleich unecht, durch zu viel „gelb“, weiters schlechter Farbenkontrast.
- Bewegung der Figueren zeigt beinahe keine Verzerrung, wobei der Fluss des Videos tw. etwas abgehackt wirkt. Hierbei tut sich die Frage auf, ob tatsächlich mit 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen wird.

Vergleich Videoqualität Logitech Pro 9000

In Summe zeigt diese beinahe 2 Jahre alte Webcam (hier im Test) eine ähnliche Qualität wie die MS Life Cam HD 6000. Mängel zeigen sich hierbei in der Schärfe direkt in der Szenenebene wie auch im Hintergrund, als auch in der Farbendarstellung. Jedoch hat auch diese Cam einen deutlichen Vorteil gegenüber dem MS-Produkt, nämlich die Hersteller-Software die eine Vielfalt an Einstellungsmöglichkeiten zuläßt, wodurch die Videoqualität situationsgerecht erheblich verbessert werden kann.

Vergleich der Bildqualität

Wenn auch nur eine Nebenfunktion, können mit den Webcams natürlich auch Standbilder aufgenommen werden. Die C910 zeigt hier klar die schärfsten Konturen und die bessere Optik, wie am max. Zoom erkennbar. Der Farbstich ist über die Reglersoftware korrigierbar.

C910 ohne Zoom
C910 ohne Zoom (1920x1080)
C910 max. Zoom
C910 max. Zoom (1280x720)
LifeCam HD 6000 ohne Zoom
HD 6000 ohne Zoom (2560x1440)
LifeCam HD 6000 max. Zoom
HD 6000 max. Zoom (960x544)

Vergleicht man die Bilder mit dem Ergebnis günstiger Kompaktkameras, so fällt das Urteil eher vernichtend für die Webcams aus. Für vernünftige Bilder sollte man nach wie vor zu entsprechenden Digi-Cams greifen. Um und auf ist wie so oft die richtige Szenebeleuchtung.

Fazit

Logitech HD Pro C910
Logitech HD Pro C910

Logitech punktet durch die Ausstattung der Webcam hinsichtlich Kabellänge, wobei dieses bereits um 0,5m reduziert wurde, und mit der Linsentechnik der Kamera (Logitech wirbt hierbei mit Zeiss-Optik).
Die fehlende Fixierungsmöglichkeit läßt bei dieser beiden Cam zwar viele Einsatzmöglichkeiten offen, für den Einsatz direkt am Notebook-Display bietet Microsoft hier aber eine gelungene Lösung.

In Bezug auf die Videoqualität ist klar die C910 jene Webcam mit der besten Darstellung, wodurch sich diese Cam für mehr als nur Videokonferenzen eignet. Diese Webcam ermöglicht durchaus standortbezogene Aufnahmen von Videos mit HD-Qualität. Weiters wertet Logitech seine Cams durch die ausgesprochen fein abgestimmten Treiber massiv auf, weil die Webcams so in ihrem vollen Leistungsspektrum aktiv sein können.
Es geht hierbei nicht nur um möglichst natürliche Darstellung, wie in diesem Test gezeigt wurde, sondern es können durch bestimmte Einstellungen auch besondere Effekte erzielt werden – Bsp. Längere Belichtungsdauer der Einzelbilder führt zu einem „verschwommenen“ Bild, dh. der bewegte Gegenstand/ die Person zieht eine „Bewegungsspur“, die Bewegung erscheint dadurch auch langsamer.

Die Lösung von Microsoft in Bezug auf die Treibersoftware lässt zwar einen guten Vorsatz erkennen, die Ausführung ist allerdings weniger gut gelungen. Am besten verwendet man die Webcam mit der Funktion „truecolor“, was eine vollautomatische Einstellung zur Folge hat und wodurch auch im Test die besten Ergebnisse erzielt wurden. Mit Bildrauschen, weichem Hintergrund und schlechten Konturen muss man sich dabei allerdings zufrieden geben. Eine ideale Cam für Videokonferenzen.
Alle Cams lassen sich einwandfrei mit Skype verwenden und beide Hersteller bieten auch für die Kommunikationstechnik Spezialeffekte und Einstellungen für ihre Cams.

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Autor: Hans-Peter Hagmüller, J. Simon Leitner, 17.12.2010 (Update:  6.06.2013)
J. Simon Leitner
J. Simon Leitner - Founder, Editorial Director - @simleitner
Nach meinem Studium an der TU-Wien widmete ich mich als Mitbegründer vollends dem Projekt Notebookcheck. Seit Commodore C64 und Atari 1040 ST sind Computer fester Bestandteil meiner täglichen Aktivitäten. Meinen Energieausgleich finde ich vor allem bei sportlichen Aktivitäten in freier Natur.