US-Wahl: Grok empfiehlt Republikaner, OpenAIs GPT Demokraten

Wen soll ich wählen? Auf diese Frage geben die Apps von ChatGPT und Grok keine Antwort. Über die Programmierschnittstelle antworten die Modelle dahinter sehr wohl, und zwar ziemlich einseitig. Das Studio Convovo um den Cornell-Professor Tapan Parikh hat GPT-6.1 Sol von OpenAI und Grok 4.7 von xAI für jedes Rennen der US-Wahl am 3. November um eine Empfehlung gebeten, für Repräsentantenhaus, Senat und Gouverneursposten, wie zuerst TechCrunch berichtete.
97 Prozent für die eine, 92 Prozent für die andere Seite
Von 1.111 Antworten, in denen GPT einen Demokraten oder einen Republikaner nannte, entfielen 1.082 auf den Demokraten. Grok nannte in 952 von 1.038 Fällen den Republikaner. Laut TechCrunch waren sich beide Modelle in weniger als zehn Prozent der Rennen einig. Auch die Begründungen gehen weit auseinander, denn GPT führte für seine Demokraten in 62 Prozent der Antworten die Gesundheitsversorgung an, während Grok seine Republikaner vor allem mit Einwanderung (36 Prozent) und Steuern (30 Prozent) begründete.
Andere Quellen, andere Antworten
Auffällig ist, wo die Modelle nachschlagen. Bei GPT tauchte in 93 Prozent der Antworten Wikipedia in den Suchergebnissen auf, in 74 Prozent die Nachrichtenagentur AP. Grok landete in jeder Antwort bei Ballotpedia, in 41 Prozent bei X und in 23 Prozent bei Turning Point Action, einer konservativen Aktivistengruppe. Convovo legt außerdem ein Detail offen. xAI hängt jeder Grok-Anfrage rund 1.240 Token eigene Anweisungen an, die Nutzer weder sehen noch entfernen können.
OpenAI hält dagegen, die Studie habe eine Entwicklerschnittstelle mit einer Aufforderung getestet, die ausdrücklich eine Empfehlung verlangt. Das spiegle nicht wider, wie sich ChatGPT verhält. Der Grok-Anbieter antwortete TechCrunch bis zur Veröffentlichung nicht. Convovo hat zusätzlich Claude Sonnet 5.5 und Gemini 3.8 Flash mit zehn Senatsrennen getestet, und beide lehnten jedes Mal ab.
Was Nutzer daraus mitnehmen können
Noch fragt nur eine Minderheit. Laut einer Pew-Umfrage vom Oktober holen sich 8 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner Informationen zur Wahl bei KI-Chatbots, und 40 Prozent davon lassen sich auch Vorschläge für ihre Stimme machen. Parikh sieht das Problem allerdings nicht nur bei direkten Wahlfragen, weil dieselben Neigungen auch dann mitschwingen können, wenn jemand nach den Positionen von Kandidaten oder nach wichtigen Streitfragen fragt. Wer KI für politische Themen nutzt, sollte sich deshalb die verlinkten Quellen ansehen und dieselbe Frage einem zweiten Modell stellen. Wie heikel das Thema Wahl für KI-Firmen gerade ist, zeigt auch der Fall, in dem sich Claude ohne Auftrag Wahlzahlen aus dem US-Staat Georgia holte.





