ChatGPT-Werbung: Datenschützer warnen vor Profilen aus deinen Chats

Seit dem 24. August zeigt ChatGPT auch in Deutschland Werbung, bislang allerdings nur passend zum laufenden Chat. Das soll sich ändern. Die Datenschutzbeauftragten aus Hamburg und Berlin haben am 2. Oktober fast zeitgleich gewarnt, dass OpenAI in Europa bald auch personalisierte Anzeigen ausspielen will. Grundlage ist eine Änderung der Datenschutzrichtlinie von Ende August. Betroffen sind wie schon beim Start der Werbung in Deutschland die kostenlose Version und das günstige Abo ChatGPT Go.
Was OpenAI für die Profile auswerten will
Laut der Hamburger Behörde fließen frühere und aktuelle Chats, Geräteinformationen und Nutzungsdaten in die Profile ein. OpenAI selbst schreibt in seiner Hilfe zu Anzeigen in ChatGPT, dass bei aktiver Personalisierung auch vergangene Chats und die Erinnerungen über die Auswahl der Anzeigen mitentscheiden können. Die Berliner Behörde nennt ein einfaches Beispiel. Wer sich von ChatGPT Rezepte vorschlagen lässt, sieht womöglich bald Werbung für einen Lieferdienst. Harmlos bleibt das nur, solange es ums Kochen geht, denn viele Menschen fragen den Chatbot auch nach Gesundheit, Geld oder Beziehungen.
Hamburg spricht deshalb von erheblichen Risiken für Datenschutz und Persönlichkeitsrechte, weil die Chats bis in die Intimsphäre reichen können. Die Behörde verweist auf eine Studie von OpenAI, nach der rund 49 Prozent der Eingaben Fragen sind. ChatGPT dient vielen also als Berater. Die Berliner Datenschutzbeauftragte Meike Kamp mahnt, dass dabei „unter Umständen sehr sensitive Daten“ verarbeitet werden.
Ohne Zustimmung läuft trotzdem Werbung
Für die Profilwerbung braucht OpenAI in Europa deine Einwilligung. Lehnst du ab, bleibt ChatGPT dennoch nicht werbefrei. Du siehst dann Anzeigen, die sich nach dem aktuellen Chat, deinem ungefähren Standort und der Sprache richten. Dafür beruft sich OpenAI auf ein berechtigtes Interesse und fragt keine Einwilligung ab. Ganz ohne Anzeigen kommst du nur mit einem bezahlten Tarif wie Plus aus, im temporären Chat erscheint ebenfalls keine Werbung.
Noch gibt es keinen Starttermin
Wann es in Europa losgeht, verrät OpenAI nicht. In der Hilfe steht weiterhin, personalisierte Anzeigen seien im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz zunächst nicht verfügbar. Beide Behörden schreiben, die Funktion komme bald. Dir bleibt also Zeit, deine Einstellungen vorher in Ruhe zu ordnen.
Diese Einstellungen solltest du jetzt prüfen
Hamburg und Berlin raten übereinstimmend, der personalisierten Werbung nicht zuzustimmen, sobald ChatGPT danach fragt. Den passenden Schalter findest du in den Einstellungen unter den Werbe-Steuerungen, die OpenAI Ads controls nennt. Weil auch Erinnerungen in die Anzeigenauswahl eingehen können, lohnt ein Blick in die gespeicherten Erinnerungen. Was dort nicht stehen soll, löschst du, oder du schaltest die Funktion ganz ab. Für heikle Fragen empfehlen beide Behörden den temporären Chat, der nicht im Verlauf landet und keine Erinnerungen nutzt. Vertrauliche Angaben gehören am besten gar nicht in den Chatbot.
Hamburg rät zusätzlich, die Nutzung deiner Chats zur Modellverbesserung abzuschalten und den Verlauf regelmäßig zu löschen. Das neue Datenschutzcenter in ChatGPT zeigt die Schalter gesammelt an, umlegen musst du sie aber selbst. Dass schon heute ein abgelehntes Marketing-Cookie bei ChatGPT weiterläuft, haben wir im September gezeigt.
Quelle(n)
HmbBfDI: Profiling im Chatbot, ChatGPT läuft in Europa bald mit hyperpersonalisierter Werbung
Berliner Datenschutzbeauftragte: Hinweise zur personalisierten Werbefunktion in ChatGPT
OpenAI-Hilfe: Anzeigen in ChatGPT, Personalisierung und Ad Controls (englisch)
OpenAI: ChatGPT Ads startet in Europa für Free und Go (englisch)





