ChatGPT, Gemini, Meta: So sagst du Nein zum KI-Training

Wer ChatGPT, Gemini, Facebook, Instagram oder LinkedIn nutzt, liefert den Anbietern in der Regel auch Material für ihre KI-Modelle. Bei Gemini und LinkedIn steht der Trainingsschalter ab Werk auf An. OpenAI trainiert mit den Chats von Privatkonten, solange du nicht widersprichst, und Meta verwendet öffentliche Beiträge erwachsener Nutzer ohne Nachfrage. Abschalten lässt sich das überall, mal per Schalter, mal per Formular. Gemeinsam ist allen vier Anbietern eine Einschränkung. Der Widerspruch wirkt nur nach vorn, für ein bereits gelaufenes Training gilt er nicht.
Brüssel verhandelt über das Widerspruchsrecht
Rechtlich stützen sich die Anbieter meist auf ihr berechtigtes Interesse nach der DSGVO, OpenAI nennt das in seiner EU-Datenschutzrichtlinie ausdrücklich. Die EU-Kommission wollte diese Grundlage im November 2025 mit ihrem Reformpaket Digital Omnibus festschreiben, im Gegenzug aber ein bedingungsloses Recht auf Widerspruch verankern. In einem Ratsdokument vom Juni steht dieses Recht noch drin. Laut Berichten von Tech Times und borncity fehlt es in einem internen Kompromisstext der irischen Ratspräsidentschaft vom 3. September, den die Datenschutzorganisation noyb veröffentlicht hat. Deutschland hat sich nach einem weiteren Ratspapier für die Streichung ausgesprochen. Beschlossen ist bisher nichts. Der Rat verhandelt noch, im Parlament ist die Abstimmung der Ausschüsse erst für Anfang 2027 geplant, danach folgen Trilog-Verhandlungen. Bis dahin gilt die DSGVO in ihrer jetzigen Form.
ChatGPT: Ein Schalter, aber mit Ausnahme
Bei OpenAI heißt die Einstellung „Das Modell für alle verbessern“. Im Browser öffnest du das Kontomenü, gehst auf „Einstellungen“ und „Datenkontrollen“ und schaltest die Option aus. In der App liegt sie über die Seitenleiste und dein Profil an derselben Stelle. Alternativ nimmt OpenAI den Widerspruch auch als Anfrage über sein Datenschutzportal entgegen, er bleibt dann mit dem Konto verknüpft. Danach verwendet OpenAI laut Hilfe deine neuen Gespräche nicht mehr zum Trainieren. Zu älteren Chats sagt das Unternehmen nichts. Eine Ausnahme bleibt allerdings bestehen, denn bewertest du eine Antwort mit Daumen hoch oder runter, kann das ganze dazugehörige Gespräch trotzdem ins Training gehen. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt unser Artikel über 53 Nutzerbilder, die im Netz landeten. Für heikle Fragen bietet sich der temporäre Chat an. Er taucht nicht im Verlauf auf, fließt nicht ins Training und wird aus Sicherheitsgründen höchstens 30 Tage aufbewahrt. Gegen Werbeprofile aus deinen Chats hilft der Trainingsschalter nicht, dafür gibt es eine eigene Einstellung, wie wir zur geplanten ChatGPT-Werbung erklärt haben.
Gemini: Aktivitäten speichern ausschalten
Google bündelt alles in einer Einstellung namens „Aktivitäten speichern“, die früher Gemini-Apps-Aktivität hieß. Für Nutzer ab 18 Jahren ist sie laut Google standardmäßig aktiviert. Auf gemini.google.com klickst du auf „Aktivitäten“, dann oben auf „Aktiviert“ und wählst „Deaktivieren“ oder „Deaktivieren und Aktivitäten löschen“. Wer das tut, dessen künftige Chats nutzt Google nicht mehr zum Trainieren, solange er kein Feedback gibt. Ganz verschwinden die Unterhaltungen aber nicht sofort. Auch bei ausgeschalteter Funktion speichert Google sie bis zu 72 Stunden im Konto, um den Dienst bereitzustellen und Feedback zu verarbeiten. Chats, die schon von menschlichen Prüfern angesehen wurden, löscht Google nicht mit, sie bleiben bis zu drei Jahre gespeichert. Mehr dazu steht in unserem Artikel über gelöschte Gemini-Chats.
Meta: Ein Formular für Facebook und Instagram, eins für WhatsApp
Meta bietet keinen einfachen Schalter, sondern Formulare. Den Einstieg findest du im Privacy Center unter dem Punkt „Dein Recht auf Widerspruch“. Für Facebook und Instagram reicht ein Formular, wenn beide Konten in derselben Kontenübersicht liegen. Abgedeckt sind öffentliche Beiträge, Fotos samt Bildunterschriften und Kommentare sowie deine Interaktionen mit Meta AI. Private Nachrichten nutzt Meta nach eigenen Angaben nicht, außer jemand im Chat teilt sie bewusst mit der KI. Nach dem Absenden kommt eine Bestätigung per Mail. Wie Meta mit Fotos auf Instagram umgeht, haben wir am Beispiel von Muse Image beschrieben.
Zwei Lücken nennt Meta selbst. Tauchst du auf einem Bild oder in einem Beitrag auf, den jemand anderes öffentlich teilt, kann Meta diese Informationen trotz Widerspruch verwenden. Reichst du ihn erst ein, nachdem ein Training begonnen hat, fließen deine Daten noch in dieses Training ein, in spätere nicht mehr. Für WhatsApp gibt es ein eigenes Formular, das eine Telefonnummer mit Ländervorwahl verlangt. Laut Meta werden Chats mit KIs auf WhatsApp derzeit gar nicht fürs Training genutzt. Ein Widerspruch wird vorgemerkt, falls sich das ändert.
LinkedIn: Der Schalter steht seit November 2025 auf An
Seit dem 3. November 2025 nutzt LinkedIn auch Daten von Mitgliedern aus der EU, um seine KI-Modelle zum Erstellen von Inhalten zu trainieren. Der zuständige Schalter heißt „Daten zur Verbesserung generativer KI“. Du findest ihn unter „Einstellungen“ und „Datenschutz“ im Abschnitt „So verwendet LinkedIn Ihre Daten“. In einem von uns Anfang Oktober geprüften Konto stand er auf „Ein“. Ausschalten wirkt laut LinkedIn ab diesem Zeitpunkt, für ein Training davor gilt der Widerspruch nicht rückwirkend. Private Nachrichten bleiben dabei außen vor, und Daten von Nutzern, die LinkedIn für minderjährig hält, verwendet das Netzwerk nach eigenen Angaben ebenfalls nicht. Für Modelle, die keine Texte erzeugen, etwa für Personalisierung oder Missbrauchserkennung, gibt es zusätzlich ein eigenes Widerspruchsformular.
Wer alle vier Wege einmal durchgeht, braucht dafür kaum eine Viertelstunde. Andere Dienste arbeiten ähnlich, Twitch etwa lässt Amazons KI von Streams lernen, bis du es abschaltest. Verlassen solltest du dich auf keinen dieser Schalter blind. Was du öffentlich postest oder einer KI anvertraust, kann schon in einem Modell stecken, bevor du widersprichst.
Quelle(n)
OpenAI-Hilfe: Datenkontrollen in ChatGPT
OpenAI: Datenschutzrichtlinie für die EU
Gemini-Hilfe: Aktivitäten in Gemini-Apps verwalten und löschen
Google: Privacy Hub für Gemini-Apps
Meta Privacy Center: So verwendet Meta Informationen für generative KI
Meta: Widerspruchsformular für Facebook und Instagram
Meta: Widerspruchsformular für KI-Chats auf WhatsApp
LinkedIn-Hilfe: LinkedIn und generative KI
Rat der EU: Digital Omnibus, Ratsdokument 10729/26 vom Juni 2026 (englisch)
noyb: Geleakter Kompromisstext der Ratspräsidentschaft (englisch)







