Google Chrome: Gemini holt Formulardaten jetzt aus deinem Gmail

Chromes Autofill kannte bisher vor allem Name, Adresse und gespeicherte Karten. Seit Mittwoch geht Google einen Schritt weiter. Wie Google im Chrome-Blog schreibt, schlägt das erweiterte Autofill beim Ausfüllen von Webformularen jetzt auch Angaben aus dem Gmail-Postfach vor. Genannt werden Bestellnummern, Sendungsverfolgung und Flugbuchungen. Laut 9to5Google erscheint dafür im Auswahlmenü ein zusätzlicher Eintrag mit dem Hinweis "Suggested by Gemini", sobald Gemini im Postfach etwas Passendes findet.
Wer die Funktion bekommt
Der Rollout hat in den USA begonnen und betrifft Chrome auf dem Desktop, unter Android und unter iOS. Voraussetzung ist Gemini in Chrome mit eingeschalteter Personal Intelligence, also der Funktion, mit der Gemini auf verbundene Google-Dienste wie Gmail zugreift. Laut Gemini-Hilfe setzt Personal Intelligence ein privates Google-Konto, ein Mindestalter von 18 Jahren und die eingeschaltete Einstellung Aktivitäten speichern voraus. Konten von Arbeit, Schule oder mit Elternaufsicht bleiben außen vor.
In Deutschland kommt die Gmail-Hilfe vorerst nicht an. Personal Intelligence ist laut Google unter anderem im Europäischen Wirtschaftsraum, in der Schweiz und in Großbritannien nicht verfügbar. Dieselbe Grenze kennt man schon von Gemini in Android Auto, das Gmail nur außerhalb der EU nutzt, und von der neuen Datenschutzerklärung, nach der Gmail und Fotos in den USA Werbung mitbestimmen dürfen.
Was Google dabei erfährt
Zum Schutz der Daten sagt Google im Blog nur, sensible Angaben seien verschlüsselt und Nutzer behielten die Kontrolle. Ob Inhalte aus dem Postfach zum Training von Modellen dienen, lässt der Beitrag offen. Genauer wird Googles Admin-Hilfe zum erweiterten Autofill. Danach verarbeitet die Funktion unter anderem Seiteninhalt, Adresse der Seite und deine Reaktionen auf die Vorschläge. Bei privaten Nutzern steht die Voreinstellung auf "Allow feature and improve AI models", also Funktion an und Daten fürs Modelltraining, und in diesem Modus können auch menschliche Prüfer die Daten lesen, laut Google ausschließlich zur Verbesserung der Modelle. Von Unternehmen verwaltete Browser und Schulkonten bekommen standardmäßig die Variante ohne Modelltraining.
Wer einem KI-Assistenten Zugriff auf das Postfach gibt, vergrößert außerdem die Angriffsfläche. Im Sommer zeigten Forscher, wie eine einzige Mail mehrere KI-Browser kapern konnte, darunter Gemini in Chrome.
So schaltest du es ab
Einzelne Vorschläge lassen sich nach Angaben von 9to5Google direkt entfernen. Ganz abschalten kannst du die Funktion in den Chrome-Einstellungen unter Autofill und Passwörter beim Eintrag für das erweiterte Autofill, in der englischen Oberfläche Enhanced autofill. Wer Gemini den Blick ins Postfach grundsätzlich verwehren will, trennt Gmail in den Gemini-Einstellungen unter den verbundenen Apps. Wie du zusätzlich dem KI-Training bei Google, OpenAI und Meta widersprichst, haben wir in einem eigenen Ratgeber zusammengefasst.





