Google Gemini: Dein gelöschter Chat bleibt bis zu drei Jahre

Google nimmt seit Donnerstag den Assistant von Android-Handys. Wer umgestellt wird, landet in der Gemini-App, und dort ist eine Einstellung ab Werk aktiv, die den meisten erst auffällt, wenn sie aufräumen wollen. Google schreibt es in seiner eigenen Hilfe: "Bei Nutzern ab 18 Jahren ist 'Aktivitäten speichern' standardmäßig aktiviert."
Damit landet jede Anfrage im Aktivitätsverlauf. Prompts gehören dazu, Transkripte von Live-Gesprächen, der ungefähre Standort deines Geräts und Angaben dazu, wie du das Produkt nutzt. Nach 18 Monaten räumt Google den Verlauf automatisch ab. Du kannst die Frist auf drei oder 36 Monate stellen, du kannst das automatische Löschen auch ganz abschalten.
Der Schalter stoppt nicht alles
Aus heißt hier nicht weg. Deaktivierst du "Aktivitäten speichern", bewahrt Google deine Unterhaltungen trotzdem 72 Stunden lang in deinem Konto auf, um antworten zu können, Feedback zu verarbeiten und Missbrauch abzuwehren. Für temporäre Chats gilt dieselbe Frist.
Ein Teil aller Unterhaltungen geht zusätzlich an Prüfteams. Das sind eigene Leute und von Google geschulte externe Dienstleister. Bevor die Daten rausgehen, trennt Google sie vom Konto, sie liegen dort also ohne deinen Namen. Genau diese Trennung ist der Grund für das, was danach kommt.
Löschen erreicht die geprüften Chats nicht
Der Haken steht wörtlich im deutschen Privacy Hub für Gemini-Apps. "Chats (und dazugehörige Daten wie Ihre Sprache, Ihre Standortinformationen, Ihr Gerätetyp oder Ihr Feedback), die von unseren Prüfern zu Trainingszwecken angesehen wurden, werden nicht gelöscht, wenn Sie Ihre Aktivitäten löschen, sondern bis zu drei Jahre aufbewahrt." Wer seinen Verlauf leert, räumt also seine eigene Kontoseite auf, während die geprüfte Kopie liegen bleibt. Dieselbe Drei-Jahres-Frist gilt für Feedback, das du über Daumen hoch oder runter abgibst, samt der Unterhaltung, aus der es stammt.
Beim Ton hat Google eine Ausnahme eingebaut, und die geht zugunsten der Nutzer. Audioaufnahmen, Live-Videos und Bildschirmfreigaben verwendet Google standardmäßig nicht, um seine Dienste zu verbessern. Die Transkripte dieser Gespräche fallen aber unter "Aktivitäten speichern". Deine Stimme bleibt draußen, dein Wortlaut nicht. Bei ChatGPT sitzt dieselbe Lücke an anderer Stelle, dort stoppt der Trainings-Schalter ebenfalls weniger als die meisten annehmen.
Was aus dem Assistant mit umzieht
Wer den Assistant zum Telefonieren oder für Nachrichten genutzt hat, schleppt beim Wechsel womöglich Altbestand mit. In der englischen Fassung der Hilfe schreibt Google, bis zu 90 Tage gespeicherter Kommunikationsanfragen an den Assistant könnten aus den Web- und App-Aktivitäten in den Gemini-Aktivitätsverlauf wandern, und zwar "in some regions". Welche Regionen gemeint sind, steht nirgends. Die deutsche Übersetzung derselben Stelle ist übrigens strenger formuliert als das Original und macht aus dem "kann" ein "wird", maßgeblich bleibt aber das englische Original.
So stellst du es um
Den Schalter findest du in der Gemini-App über dein Profilbild unter den Einstellungen zum Aktivitätsverlauf, im Browser führt myactivity.google.com an dieselbe Stelle. Dort lässt sich "Aktivitäten speichern" abschalten, die Löschfrist verkürzen und der bisherige Verlauf entfernen. Wichtig ist die Reihenfolge. Schaltest du erst ab und löschst danach, bleibt trotzdem stehen, was die Prüfer bereits gesehen haben. Diese Kopien holst du nicht zurück, egal was du im Konto anstellst.
Ob sich das Abschalten für dich lohnt, hängt davon ab, wie du Gemini einsetzt. Ohne gespeicherte Aktivitäten verliert die App ihre Erinnerung an frühere Chats, und einige verbundene Dienste wie Google Workspace stehen dann gar nicht zur Verfügung. Wer den Assistant vermisst, hat diese Wahl ohnehin nicht mehr, denn nach der Umstellung lässt sich der alte Sprachassistent nicht wieder aktivieren.





