Dein neues Passwort sperrt die alten Apps nicht aus

Nach einem Schreck macht fast jeder dasselbe. Eine Mail sieht komisch aus, in der Kontoübersicht taucht eine Anmeldung auf, die niemand zuordnen kann, und der erste Griff geht zum Passwort. Neues Passwort setzen, zweiten Faktor prüfen, und danach kehrt Ruhe ein.
Bei Google trägt dieses Gefühl nur zur Hälfte. In seiner Entwicklerdokumentation listet das Unternehmen auf, wann der Zugriff einer fremden App auf dein Konto endet. Einer der Punkte lautet, dass der Nutzer sein Passwort geändert hat und das Token Gmail-Bereiche enthält. Dieses kleine "und" trägt die ganze Last. Hängt die App an deinem Postfach, fliegt sie raus. Hängt sie an deinen Fotos, deinem Kalender, deinen Kontakten oder deiner Ablage in Drive, bleibt sie drin.
Das betrifft keinen Randfall, denn der Knopf "Über Google anmelden" steckt in Zehntausenden Apps, und die wenigsten davon wollen an deine Mails. Sie wollen dein Profil, deine Fotos, deinen Kalender. Genau diese Freigaben überstehen den Wechsel unbeschadet.
Sechs Gründe, und nur einer davon bist du
Google nennt in der Dokumentation sechs Situationen, in denen ein Zugriffsrecht aufhört zu wirken. Der Nutzer widerruft ihn selbst, das Token lag ein halbes Jahr ungenutzt, das Passwort wurde geändert und Gmail ist im Spiel, das Konto hat die Obergrenze aktiver Zugriffsrechte überschritten, eine befristete Freigabe ist abgelaufen, oder ein Administrator hat einen der Dienste gesperrt.
Lies die Liste noch einmal von hinten. Vier dieser sechs Punkte passieren ohne dein Zutun und ohne dass du davon erfährst. Der Passwortfall greift nur bei Gmail. Damit bleibt genau ein Weg, den du selbst in der Hand hast, und der heißt Zugriff entfernen.
Dieselbe Auskunft steht in der normalen Kontohilfe. Nach einem Passwortwechsel wirst du überall abgemeldet, schreibt Google dort, mit drei Ausnahmen. Geräte, die deine Identität bestätigen, einige Geräte mit Drittanbieter-Apps mit Kontozugriff, und verknüpfte Smart-Home-Geräte.
Einen Mechanismus, der Fremdzugriffe tatsächlich beenden kann, gibt es trotzdem. Google nennt ihn produktübergreifenden Kontoschutz und schickt darüber Warnungen an verbundene Dienste, die dich daraufhin bei sich abmelden können. Ausgelöst wird er von verdächtigen Ereignissen, etwa einem gehackten oder gesperrten Konto, und der Anbieter muss freiwillig mitmachen. Ein selbst angestoßener Passwortwechsel gehört nicht dazu.

Die Erlaubnis überlebt den Schlüssel
Hier lohnt sich eine Unterscheidung, die im Alltag untergeht. Es gibt den technischen Schlüssel, mit dem eine App auf dein Konto zugreift, und es gibt die Erlaubnis, die du irgendwann einmal erteilt hast, und die beiden sterben nicht gemeinsam.
Der Schlüssel verfällt, wenn ihn sechs Monate lang niemand benutzt, die Erlaubnis dagegen bleibt bestehen. Sie steht weiter als Eintrag in deinem Konto, und wenn du die App nach zwei Jahren wieder öffnest, greift sie erneut zu. Eine neue Zustimmungsseite bekommst du dabei nicht zu sehen. Für dich sieht es aus, als wäre nichts gewesen.
Dazu kommt die automatische Anmeldung, die Google in seiner Hilfe selbst beschreibt. Wer einmal zugestimmt hat, dass sein Profil weitergegeben werden darf, ist beim nächsten Besuch ohne einen Klick wieder drin.
Entfernen schließt den Hahn, mehr nicht
Der zweite Irrtum steckt im Aufräumen selbst. Auf Googles Hilfeseite zu verknüpften Apps steht ein Satz, den man leicht überliest. Hebst du die Verknüpfung auf, bleiben die bereits weitergegebenen Daten möglicherweise in der App gespeichert. Wer sie loswerden will, muss auf die Website des Anbieters gehen und sie dort löschen.
Das Entfernen wirkt also nach vorne. Deine Kontaktliste von 2021 liegt weiter beim Anbieter, auch wenn der Eintrag in deinem Google-Konto verschwindet. Bei einem Dienst, den es noch gibt, ist das ärgerlich. Bei einem, der seitdem verkauft wurde, weißt du nicht einmal, wem die Kopie gehört.
Wie viel eine App überhaupt anfassen darf, hängt an der Stufe, die du damals bestätigt hast. Google unterscheidet drei Arten, und sie erlauben sehr Unterschiedliches.
Seit dem 12. August wächst eine zweite Liste
Bisher ging es um Freigaben aus der Vergangenheit. Daneben entsteht gerade eine neue Sorte. Auf der Made by Google in New York hat Google am 12. August 2026 dreizehn weitere Connected Apps für Gemini angekündigt, vom Meeting-Mitschnitt bis zum Arzttermin, ausgerollt über mehrere Wochen.
In Googles eigener Verfügbarkeitstabelle steht dazu eine Einschränkung, die in der Ankündigung fehlt. Ticketmaster, Zocdoc, Thumbtack, Angi, Otter.ai, Granola und GetYourGuide sind dort als US only und English only geführt. Pandora bleibt auf die USA und Puerto Rico beschränkt, iHeartRadio auf fünf Länder, Localiza auf Brasilien und OpenTable auf Großbritannien. In einem deutschen Konto landen von den dreizehn genau zwei, nämlich Wix und Fever, und Wix versteht dabei nur Englisch.
Der entscheidende Punkt ist die Bauart. Eine klassische Freigabe liest. Eine Connected App handelt. Sie bucht einen Termin, sie schreibt in ein Dokument, sie legt etwas an, sobald du Gemini darum bittest. Im Gemini-Privacy-Hub steht dazu mit Stand vom 10. August 2026 ein Satz von Google selbst, der für selbst hinzugefügte Verbindungen gilt. Google überwacht und sichert die Daten aus solchen Connected Apps nicht, und wer sie verbindet, kann damit Daten, Passwörter, Geräte und Konten fremdem Zugriff aussetzen.
Diese Verbindungen sitzen an einer anderen Stelle als die alten Freigaben. Wer nur die eine Liste aufräumt, hat die andere nie gesehen.
Zehn Minuten, einmal im Jahr
Der Weg dorthin ist kurz, im Google-Konto findest du unter Sicherheit den Bereich für Verbindungen zu Drittanbieter-Apps und -Diensten. Dort steht jede App mit dem Datum der Freigabe und der Angabe, worauf sie zugreifen darf. Alles, was du nicht auf Anhieb erkennst, kann weg. Alles, was du seit einem Jahr nicht geöffnet hast, ebenfalls.
Zwei Schritte gehören danach dazu, beide dauern nur Minuten. Prüfe in den Einstellungen der Gemini-App getrennt, welche Connected Apps aktiv sind, denn diese Liste räumt sich nicht mit auf. Hat eine App wirklich sensible Daten gesehen, lösche dein Konto beim Anbieter, sonst bleibt die Kopie liegen.
Ein neues Passwort bleibt trotzdem richtig. Es schützt deinen Zugang und wirft jeden aus laufenden Sitzungen, der ihn gestohlen hat. Nur räumt es nicht auf, was du selbst irgendwann freigegeben hast.






