Notebookcheck Logo

Ray-Ban Meta: So stoppst du das KI-Training der Brille

Nahaufnahme einer schwarzen Ray-Ban-Meta-Brille mit Kameralinse am Rahmen
ⓘ Caleb Oquendo / Pexels
Ray-Ban Meta mit Kamera im Rahmen: Bilder aus KI-Anfragen speichert Meta, solange du es nicht abschaltest.
Fragst du deine Ray-Ban Meta, was du gerade siehst, speichert Meta das Bild und darf es für das KI-Training nutzen. Seit September gibt es dafür einen eigenen Schalter in der Meta AI App, für Sprachaufnahmen einen zweiten. Welche Daten die beiden Einstellungen erfassen, was in Deutschland anders ist als in den USA und was kein Schalter regelt.

Wer seine Ray-Ban Meta fragt, was auf einem Schild steht, schickt ein Foto an Meta. Dieses Bild taucht nicht in der Galerie auf, und genau deshalb wissen viele Träger nicht, dass es existiert. Meta speichert solche Aufnahmen aus KI-Anfragen und darf sie laut eigener Hilfeseite zu visuellen Daten nutzen, um Modelle zu trainieren, automatisch oder von Menschen geprüft. Seit dem 24. September lässt sich das abschalten. Ein zweiter Schalter betrifft deine Stimme, und dort bekommen Nutzer in Deutschland mehr Wahl als Käufer in den USA.

Welche Daten die Brille an Meta schickt

Meta trennt zwei Arten von Bildern. Fotos und Videos, die du bei leuchtender Aufnahme-LED machst, also per Knopfdruck oder mit dem Befehl für ein Foto, bleiben laut Meta auf der Brille, bis du sie in die App importierst. Anders sieht es bei allem aus, was Meta AI sieht. Bittest du die Brille, eine Speisekarte zu übersetzen, oder nutzt du Live AI mit dauerhaft mitlaufender Kamera, entstehen sogenannte visuelle Daten. Die speichert Meta und verwendet sie für Funktionen und Produktverbesserung, solange du nichts änderst.

Was das heißen kann, haben Anfang des Jahres die schwedischen Zeitungen Svenska Dagbladet und Göteborgs-Posten berichtet. Beschäftigte des Dienstleisters Sama in Nairobi sagten aus, sie hätten Material aus den Brillen für das Training beschriftet, darunter Menschen beim Sex, auf der Toilette und beim Umziehen sowie Bankdaten. Meta beendete den Vertrag später mit der Begründung, Sama erfülle die eigenen Standards nicht, wie The Next Web zusammenfasst. Sama sprach im April 1.108 Beschäftigten die Kündigung aus.

Der Schalter für visuelle Daten betrifft nur Bilder aus KI-Anfragen, Sprachaufnahmen haben eine eigene Einstellung.

Schalter eins: Bilder aus deinen KI-Anfragen

Die neue Einstellung findest du in der Meta AI App. Öffne die Einstellungen deiner Brille, tippe im Abschnitt Erlebnisse auf Meta AI und schalte die Option zum Speichern visueller Daten aus KI-Erlebnissen ab. Meta nennt sie auf Englisch Store visual data from AI experiences, die deutsche Beschriftung in der App kann abweichen. Die Brille muss dabei aus dem Etui genommen und mit dem Handy verbunden sein. Wer mehrere Brillen besitzt, wiederholt den Schritt für jede einzeln, so beschreibt es Engadget.

Danach sieht keine Prüferin und kein Prüfer deine Bilder mehr, sie fließen in kein Training und werden nach der Antwort nicht gespeichert. Gegenüber Engadget erklärte Meta am Beispiel der Speisekarte, dass die Daten deine Frage beantworten und danach weg sind. Der Preis dafür sind Funktionen wie visuelle Erinnerungen, die eingeschränkt oder gar nicht mehr verfügbar sind. Die Änderung wirkt nur nach vorn. Bilder, die vor dem Umschalten verarbeitet wurden, bleiben davon ausgenommen.

Ob Meta solche Bilder in Deutschland überhaupt für das Training nutzt, ist nicht eindeutig belegt. Der Bundesdatenschutzbeauftragte gibt in seinen häufigen Fragen eine Aussage von Meta wieder, nach der weder Chats noch Bildmaterial zum aktuellen Zeitpunkt für das Training verwendet werden, nennt dafür aber kein Datum. Metas aktuelle Hilfeseite erscheint auch auf der deutschen Seite ohne Länderausnahme. Wer den Schalter in seiner App sieht, legt ihn um, das kostet nichts außer den visuellen Erinnerungen.

Schalter zwei: deine Stimme

Die Einstellung gilt ausdrücklich nur für Bilder. Für Sprache gilt ein eigenes Dokument, und dort trennt Meta nach Region. In den deutschen Datenschutzhinweisen für Sprachdienste steht, dass du auswählen kannst, ob Sprachaufnahmen zur Verbesserung anderer Meta-Produkte gespeichert werden. Meta AI funktioniert auch mit abgeschaltetem Speichern, die Aufnahmen werden dann direkt nach der Verarbeitung gelöscht. Die US-Fassung kennt diese Wahl seit April 2025 nicht mehr, dort speichert Meta Transkripte und Aufnahmen standardmäßig, wie VR.org beim Vergleich der Länderfassungen festgehalten hat.

Ist das Speichern an, behält Meta Aufnahmen bis zu einem Jahr und lässt sie von geschulten Prüfern anhören, mit verfremdeter Stimmlage. Das gilt auch für versehentliche Aktivierungen. Erkennt Metas System einen Fehlstart, löscht es die Aufnahme innerhalb von 90 Tagen nach der Erkennung. Abschalten löscht nichts rückwirkend. Was vorher gespeichert wurde, bleibt bis zu einem Jahr liegen, solange du es nicht selbst in der App entfernst. Schalter und Protokoll liegen in der App unter Einstellungen, Brille und dem Bereich Brille und Privatsphäre, wie wir schon im Artikel zur Aufnahme-LED der Meta-Brille beschrieben haben.

Fünf Schritte in der Meta AI App, jede Brille einzeln. Alte Sprachaufnahmen musst du selbst löschen.

Wie wichtig der Blick in das Protokoll ist, zeigt ein Fall von Mitte Oktober. Ein Besitzer dreier Brillen berichtete, sie hätten nach einem Firmware-Update normale Gespräche mitgeschnitten, ohne dass jemand Hey Meta gesagt hatte. Nachstellen ließ sich das laut Android Authority nicht. Meta erklärte am 13. Oktober, das Problem sei behoben, nannte aber keine Ursache. Wer Meta AI nur gelegentlich nutzt, schaltet das Wake-Word ab und startet die Assistenz stattdessen über das Touchpad.

Was kein Schalter regelt

Beide Einstellungen haben Lücken, die Meta selbst aufzählt. Bilder, die du Meta AI über den Messenger oder Instagram schickst, fallen nicht darunter, ebenso wenig Metadaten wie Kameraeinstellungen oder die Textbeschreibungen, die die KI aus einem Bild erzeugt. Für deine öffentlichen Beiträge auf Facebook und Instagram gilt ein eigener Widerspruch, den wir im Ratgeber So sagst du Nein zum KI-Training erklären.

Am wenigsten regeln die Schalter für die Menschen vor der Linse. Wer in deinem Blickfeld steht, hat keine App und keine Einstellung. Die Hamburger Datenschutzaufsicht hält die erkennbare Aufnahme fremder Personen außerhalb des engen Freundes- und Familienkreises nur in seltenen Fällen für zulässig, weil die Leuchte zu wenig verrät. Bei Fragen an Meta AI über die Umgebung bleibt sie bei der zweiten Brillengeneration sogar dunkel. Die französische Datenschutzbehörde CNIL rät Trägern deshalb, die Brille dort abzunehmen, wo sie auch ihr Handy ausschalten würden.

Google LogoAls bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Mail Logo
Could not open connection to Notebookchat
static version load dynamic
> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-10 > Ray-Ban Meta: So stoppst du das KI-Training der Brille
Autor: Steffen Zahn, 26.10.2026 (Update: 21.10.2026)