Emails geleakt: Tesla setzte niederländische Zulassungsbehörde unter Druck

Tesla will sein Fahrassistenzsystem Full Self-Driving (Supervised) in Europa möglichst schnell verbreiten. Eine am 7. Oktober veröffentlichte Recherche von Reuters zeigt, mit welchen Mitteln der Konzern dieses Ziel verfolgt: Hunderte Seiten Behördenkorrespondenz aus sieben europäischen Ländern dokumentieren wiederholte Versuche, Einfluss auf Umfang, Ablauf und Zeitplan der Zulassungsprüfung zu nehmen.
Dabei spielt die RDW eine Schlüsselrolle für die angestrebte EU-weite Zulassung, denn ihre Bewertung dient als Grundlage für die Behörden in anderen europäischen Ländern, diese verlassen sich teils auf die Untersuchungen der niederländischen Behörde. Hat ein EU-Land ein System getestet, so muss man diese Tests ja nicht in allen Ländern wiederholen.
Recherchen decken 3 grundlegende Probleme auf:
- Tesla hat über Mails und öffentliche Statements politischen, administrativen und öffentlichen Druck auf die Behörde ausgeübt. Tesla drängte die Behörde zu vorgezogenen und weniger umfangreichen Tests und beanstandete unter anderem, dass ein RDW-Prüfer bestimmte Tests vor Ort beobachtete, die vom Unternehmen erstellten Testberichte sollte ausreichen. Tesla verlangte zudem die Namen und Funktionen der beteiligten Sicherheitsfahrer und Mitfahrer. Zudem stellte Elon Musk eine verzögerte Zulassung öffentlich als Gefahr für Menschenleben dar und rief seine Fans dazu auf europäische Zulassungsbehörden massenhaft mit Mails zu kontaktieren.
- Teslas eingereichte, eigene Sicherheitsstudien belegen laut von Reuter beauftragten sieben Verkehrssicherheitsforscher nicht ausreichend die Behauptung, dass FSD Unfälle oder Todesfälle reduziert. Dabei hat eine andere Studie gerade aufgedeckt, wie das FSD Verkehrsregeln in Belgien wiederholt bricht (unser Artikel)
- Die niederländische Behörde kam Tesla in einigen Belangen entgegen und wollte laut Reuters zudem wesentliche Sicherheitsprüfdaten nicht veröffentlichen.
Ausgeübter Druck eines Unternehmens auf eine Behörde, gepaart mit Intransparenz der Behörde werfen berechtigte Fragen auf:
- Hat der Druck Teslas auf die Behörde zu weniger genauen Untersuchungen und Sicherheitstests geführt?
- Hat die Behörde durch entgegenkommende Maßnahmen ihre Entscheidung zugunsten Teslas verfälscht?
- Ist FSD wirklich sicher auf den Straßen, kann man den Untersuchungsergebnissen trauen?
Fazit
Wenn es hier Zweifel gibt, sollte FSD eher nicht zugelassen sondern neu geprüft werden, sonst gibt es Gefahren für Mensch und Leben. Die Recherchen belegen nicht zwangsweise eine Fehleinstufung durch die RDW, aber sie zeigen den Druck, den finanzstarke Unternehmen aufbauen können, um eine Zulassung ihrer Produkte so schnell wie möglich durchzupeitschen und dabei womöglich Sicherheitsstandards auf der Strecke bleiben.






