Twitch: Amazons KI lernt von deinem Stream, bis du es abschaltest

Twitch nutzt die Inhalte seiner Streamer, um damit generative KI-Modelle von Amazon zu trainieren. Der Schalter dafür ist seit dem 12. August im Konto zu finden, und er steht bei jedem Nutzer von Haus aus auf an. Wer nicht möchte, dass sein Material in Amazons Modelle wandert, muss selbst aktiv werden. Eine Mail dazu gab es nicht, einen Hinweis beim Anmelden auch nicht.
Generative KI-Modelle sind Systeme, die auf eine Anweisung hin neuen Text, Bilder, Ton oder Video erzeugen. Twitch nennt in seinen häufig gestellten Fragen ein konkretes Beispiel dafür, was das eigene Material dort tut. Die Tonspur eines Streams könne helfen, Modelle für die automatische Verschriftlichung zu verbessern. Das käme dann nicht nur den Untertiteln bei Twitch zugute, sondern auch denen bei Amazon.
Betroffen ist mehr als nur der Stream
Unter die Einstellung fallen laut Twitch der Stream selbst, der dazugehörige Chat, die Aufzeichnungen (VODs), Clips, Highlights sowie alle Texte und Bilder auf dem Kanal.
Für Zuschauer steht in den Hilfeseiten ein Satz, der leicht untergeht. Wer im Stream einer anderen Person chattet, hängt an deren Einstellung, nicht an der eigenen. Wörtlich heißt es dort: "Wenn du im Stream einer anderen Person chattest, gelten deren Opt-out-Einstellungen dafür, ob dieser Chat für das Training genutzt werden darf." Wer also für sich widerspricht, danach aber in einem Kanal mitschreibt, der das nicht getan hat, liefert seine Nachrichten trotzdem ab.
So schaltest du das Training ab
Im Browser führt der Weg über das Profilbild oben rechts, dann Einstellungen, dann Sicherheit und Privatsphäre. Weiter unten steht dort unter "Präferenzen für die Deaktivierung" der Punkt "Training für generative KI". Diesen Schalter ausstellen. Direkt erreichbar ist die Seite über twitch.tv/settings/security. In der App liegt dieselbe Einstellung unter Profil, Einstellungen, Sicherheit und Privatsphäre. Es genügt, sie an einer Stelle umzulegen, sie gilt dann für das ganze Konto.
Auf die Formulierung kommt es an. Twitch schreibt, dass die Inhalte nach einem Widerspruch nicht für künftiges Training verwendet werden. Was bereits in einem Modell steckt, holt der Schalter nicht zurück. Als ein Nutzer im Twitch-eigenen Stream fragte, ob seine Videos schon verwendet worden seien, antwortete Produktchef Mike Minton, er kenne die Antwort darauf nicht.
Was der Schalter nicht abdeckt
Der Widerspruch gilt nur für generative Modelle. Twitch schreibt ausdrücklich, dass er niemanden von allen KI- und Machine-Learning-Anwendungen der Plattform ausnimmt. AutoMod, der Filter für Chatnachrichten, läuft weiter. Untertitel entstehen weiter automatisch. Auch Empfehlungen und die Unterstützung von Sponsoring-Kampagnen bleiben davon unberührt.
Die Begründung liefert das Unternehmen gleich mit. Ein Teil dieser Systeme halte den Dienst am Laufen oder schütze die Gemeinschaft, deshalb gebe es dafür keine Einstellung für Einzelne. Minton beschrieb in derselben Sendung, wie tief das reicht. Nahezu jede Tonspur auf der Plattform werde in Text umgewandelt, was Zusammenfassungen von Streams überhaupt erst möglich mache.
Wer befürchtet, mit dem Widerspruch weniger Zuschauer zu bekommen, kann diese Sorge nach Mintons Aussage beiseitelegen. Die Einstellung habe keinen Einfluss darauf, ob ein Kanal gefunden werde.
Twitch begründet die Vorbelegung offen
Warum die Einstellung überhaupt vorbelegt ist, hat Minton ungewöhnlich direkt beantwortet: "If this was opt-in, nobody would opt in. That's honestly the answer." Fast jeder Dienst der Welt sei standardmäßig aktiv. Das Besondere sei, dass Twitch überhaupt einen Widerspruch anbiete.
Die Community sieht das anders. Auf Twitchs eigener Vorschlagsplattform sammelte ein Kommentar, der ein Opt-in fordert, innerhalb weniger Stunden rund 14.000 Zustimmungen.
Mintons Vergleich hat allerdings einen wahren Kern. Google trainiert nach eigener Auskunft mit YouTube-Inhalten, darunter Gemini und Veo 3, und bietet Kanalbetreibern dafür keinen Widerspruch an. Meta nutzt öffentliche Beiträge aus Facebook und Instagram ebenfalls für seine Modelle, Livestreams eingeschlossen, ebenfalls ohne Schalter. Bei anderen Anbietern lässt sich immerhin einzeln nachjustieren, etwa wenn man in Windows 11 die KI-Bauteile loswerden will oder die Werbung in ChatGPT abschaltet.





