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Windows 11: Neun KI-Bauteile, löschen darfst du eines

Nahaufnahme einer schwarzen Notebook-Tastatur mit der Windows-Taste im Fokus
ⓘ Ruben Boekeloo / Pexels
Auf einem Copilot+ PC laufen neun KI-Bauteile lokal mit. Microsoft beschreibt vier davon auf seiner Verbraucherseite, entfernen lässt sich genau eines.
Microsofts Support-Seite nennt vier KI-Bauteile im Copilot+ PC. Die eigene Auslieferungsliste führt neun, darunter Semantische Analyse, Inhaltsextraktion und Bildersuche. Entfernen lässt sich seit Ende Juli genau eines, und Microsoft hat es an demselben Tag überhaupt erst zu einem eigenen Paket gemacht. Was wirklich rausgeht, was nur ausgeht und was bleibt.

Microsoft betreibt eine Support-Seite, die erklärt, welche künstliche Intelligenz in einem Copilot+ PC steckt, also in einem Windows-Notebook mit eigener Recheneinheit für KI-Aufgaben. Dort stehen vier Bauteile. Wer stattdessen in Microsofts eigene Auslieferungsliste schaut, findet neun.

Der Unterschied ist keine Nachlässigkeit. Die Liste trägt den Titel "Release information for AI components" und ist die Seite, über die Microsoft jede Aktualisierung dieser Bauteile dokumentiert, mit Version, KB-Nummer und Datum. Sie führt neben den vier bekannten fünf weitere: Execution Provider, Content Extraction, Image Search, Semantic Analysis und Settings Model. Ausgerechnet Inhaltsextraktion, Bildersuche und semantische Analyse, also die drei, die nach Auswertung persönlicher Inhalte klingen, stehen auf der Verbraucherseite nicht.

Das Bauteil, das es vorher nicht gab

Image Creation, das lokale Modell für die Bilderzeugung, hat in dieser Liste genau drei Einträge. Alle drei tragen dasselbe Datum, den 28. Juli 2026. Zum Vergleich: Phi Silica, das lokale Sprachmodell, steht dort mit 62 Einträgen, Image Processing mit 60, der Execution Provider mit 63, alle über viele Monate verteilt.

Am selben 28. Juli erschien das Vorschau-Update KB5101684 für Windows 11 24H2 und 25H2. Der Satz dazu ist genau einer und lautet übersetzt: Dieses Update erlaubt es, die KI-Komponente Bilderzeugung von unterstützten Copilot+ PCs zu entfernen, auf denen sie installiert ist.

Microsoft hat den Bildgenerator also an dem Tag zu einem eigenständigen, einzeln wartbaren Paket gemacht, an dem er entfernbar wurde. Vorher war er keines. Das erklärt auch, warum die anderen bleiben. Sie sind gar nicht als eigene Pakete angelegt. Microsoft schreibt über sie, sie seien Teil des Windows-Betriebssystems, und über Phi Silica, es sei ab Werk in Windows enthalten.

Tabelle mit den neun KI-Komponenten von Windows 11 auf Copilot+ PCs und ihrer Entfernbarkeit
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Microsofts Auslieferungsliste führt neun KI-Bauteile. Image Creation ist erst seit dem 28. Juli 2026 ein eigenes Paket und das einzige, das sich entfernen lässt.

Der zweite Teil der Meldung wird meist überlesen. Dasselbe Update hat vier andere KI-Bauteile mitgebracht. Wörtlich heißt es dort, dieses Release aktualisiere die folgenden KI-Komponenten auf Version 1.2607.840.0, und dann folgen Image Search, Content Extraction, Semantic Analysis und Settings Model.

Ein Bauteil darfst du löschen. Vier andere werden im selben Vorgang aktualisiert.

Was am Patchday wirklich passiert

Am 11. August lief der reguläre Patchday, und damit ist die Frage beantwortet. Das August-Update KB5121003 für 24H2 und 25H2 führt das Vorschau-Update vom 28. Juli ausdrücklich als enthalten auf, und es hat keinen Abschnitt für die stufenweise Auslieferung mehr. Microsoft beschreibt diesen Schritt selbst als breite Freigabe an alle berechtigten Geräte gleichzeitig. Wer einen Copilot+ PC mit 24H2 oder 25H2 hat und das August-Update installiert, findet die Entfernen-Funktion also.

Windows 11 26H1 geht dabei leer aus. Dessen August-Update KB5121000 zieht seine Verbesserungen aus einer anderen Vorschau-Linie, in der die Entfernen-Funktion nicht vorkommt. Im Juli-Vorschau-Update stand der Punkt noch unter Gradual rollout, also in der stufenweisen Auslieferung in Wellen. Wer die Einstellung vor dem August-Update nicht gefunden hat, hat demnach nichts falsch gemacht.

Das Bauteil heißt bei Microsoft je nach Seite anders. Die Update-Notiz schreibt Image Generation, die Komponentenseite und die Auslieferungsliste schreiben Image Creation. Beide Schreibweisen sind aktuell, beide meinen dasselbe.

Die Schalter, die jeder hat

Der größte Teil des Themas braucht keinen Copilot+ PC. Die folgenden Wege gelten auf jedem Windows 11, auch in der Home-Edition.

Recall komplett entfernen: "Windows-Features aktivieren oder deaktivieren" öffnen, den Haken bei Recall entfernen, neu starten. Microsoft schreibt dazu, dass zuvor gespeicherte Snapshots beim Entfernen gelöscht werden. Über PowerShell führt derselbe Weg über Disable-WindowsOptionalFeature -Online -FeatureName "Recall" -Remove.

Copilot-App entfernen: Einstellungen, Apps, Installierte Apps. Die App lässt sich wie jede andere deinstallieren.

Copilot-Taste umbelegen: Einstellungen, Bluetooth und Geräte, Tastatur. Der in älteren Anleitungen genannte Weg über Personalisierung und Texteingabe stimmt nicht mehr. Dass die Taste überhaupt frei belegbar wurde, war eine eigene Kehrtwende von Microsoft.

App für App sperren: Einstellungen, Datenschutz und Sicherheit, Textgenerierung und Bilderzeugung. Diese Seite zeigt, welche Apps zuletzt lokale KI-Modelle benutzt haben, und lässt sie einzeln sperren. Kein Pro nötig, keine Gruppenrichtlinie. Der am meisten unterschätzte Hebel im ganzen Thema.

Notepad: die KI-Funktionen lassen sich im Einstellungsdialog der App selbst abschalten. Das ist der einzige dokumentierte Schalter dieser Art in einer mitgelieferten App.

Tabelle mit KI-Funktionen in Windows 11, ihrem Einstellungspfad und der tatsächlichen Wirkung
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Zehn Wege im Überblick: Was Windows 11 wirklich deinstalliert, was nur stillgelegt wird und was unabhängig von jeder Einstellung im System bleibt.

Was nur mit Pro oder Enterprise geht

Ab hier wird es unangenehm. Die Editionsangaben in Microsofts Richtlinien-Dokumentation werden maschinell aus den Windows-Definitionsdateien erzeugt, sind also nicht redaktionell gepflegt. In der Liste zu den KI-Richtlinien kommt Home kein einziges Mal vor.

Mit Pro lassen sich die Recall-Richtlinien setzen, die Copilot-Taste sperren, Click to Do abschalten und die drei Richtlinien rund um Paint steuern. Für das Entfernen der Copilot-App per Richtlinie und für Recall-Sperrlisten reicht Pro nicht mehr, das bleibt Enterprise und Education vorbehalten. Der Recall-Export ist auf den Europäischen Wirtschaftsraum beschränkt und gilt für deutsche Geräte damit.

Für die Fotos-App gibt es keine einzige Gruppenrichtlinie. Weder für Restyle noch für den Image Creator noch für Relight. Wer diese Funktionen loswerden will, hat auf keiner Edition einen dokumentierten Weg.

Zu den Registry-Tipps für Home, die in vielen Anleitungen stehen: Microsoft dokumentiert nirgends, dass Home diese Schlüssel auswertet, und nirgends, dass es sie ignoriert. In der Praxis wirken sie oft. Belegt ist das nicht. Wer weiter gehen will, landet schnell bei Skripten von Dritten, die alle KI-Funktionen auf einmal entfernen wollen.

Vergleichstabelle der dokumentierten Wege zum Abschalten von KI in Windows 11 Home, Pro und Enterprise
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Home, Pro und Enterprise im Vergleich. In Microsofts Richtlinienliste zu den KI-Funktionen kommt Home kein einziges Mal vor.

Was drin bleibt, egal was du klickst

Click to Do lässt sich abschalten, aber nicht entfernen. Microsoft schreibt das selbst und ergänzt, dass die Einstiegspunkte danach ins Leere laufen und eine Fehlermeldung erscheint.

Die semantische Analyse ist der interessanteste Fall. Sie ist ein benanntes, laufend aktualisiertes Bauteil des Systems und steht mit 24 Einträgen in Microsofts Auslieferungsliste. Einen Schalter dafür gibt es nicht. Auch beim Abschalten des Einstellungs-Agenten bleiben laut Microsoft semantische Suchen aktiv.

Copilot in Edge lässt sich per Richtlinie ausblenden, entfernt wird dabei kein Code. Wie angreifbar der Assistent dabei sein kann, zeigte eine Lücke, über die Webseiten dem Copilot heimlich Befehle unterschieben konnten. Für Bing in der Windows-Suche ist die passende Richtlinie für Pro ausdrücklich nicht verfügbar, für Home ohnehin nicht. Und Telemetrie auf null gibt es nur für Server, Enterprise und Education. Home und Pro kommen nicht unter die Stufe Erforderlich.

An einer Stelle sagt Microsoft es selbst. In der Protokollierung zum Entfernen von KI-Komponenten gibt es ein eigenes Ereignis für den Fall, dass ein Paket zu einer KI-Komponente gehört, die nicht entfernbar ist.

Offen bleibt eine Frage, die Microsoft nirgends beantwortet. KI-Komponenten werden unabhängig über Windows Update gewartet. Ob eine entfernte Komponente durch ein späteres KI-Update zurückkommt, steht auf keiner Seite.

Und in zwei Monaten?

Windows 11 24H2 fällt für Home und Pro am 13. Oktober 2026 aus dem Support, 25H2 läuft bis zum 12. Oktober 2027. Wer sein 24H2-System jetzt KI-frei einrichtet, steht in gut zwei Monaten vor dem Wechsel und stellt sich dieselben Fragen noch einmal. Das ist kein Argument dagegen, es aufzuräumen. Es ist eines dafür, sich die Wege zu merken.

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Autor: Steffen Zahn, 12.08.2026 (Update: 12.08.2026)