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Vergleich im NZXT-Flex-Skandal: 3,45 Mio. Dollar wegen Betrugs- und RICO-Vorwürfen

Screenshot des NZXT-Flex-Mietprogramms, der die verschiedenen für Verbraucher verfügbaren Preisstufen zeigt.
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Screenshot des NZXT-Flex-Mietprogramms, der die verschiedenen für Verbraucher verfügbaren Preisstufen zeigt.
NZXT und sein Abrechnungspartner Fragile Inc. haben einem vorläufigen Vergleich in Höhe von 3,45 Millionen US-Dollar (ca. 3,24 Millionen Euro) zugestimmt, um eine Sammelklage beizulegen. In der Klage wird dem Unternehmen vorgeworfen, mit dem „NZXT Flex“-Mietprogramm fast 20.000 Kunden durch täuschende Mietkauf-Versprechen, den Austausch von Komponenten durch minderwertige Hardware (Bait-and-Switch) sowie aggressives Inkasso, das sogar RICO-Vorwürfe wegen organisierter Kriminalität nach sich zog, in die Irre geführt zu haben. Sofern der Vergleich im September 2026 gerichtlich genehmigt wird, sieht die Vereinbarung vor, berechtigte Abonnements zu kündigen, Schulden in Höhe von rund 923.000 US-Dollar zu erlassen und 1,21 Millionen US-Dollar aufzubringen, um langjährigen Zahlern das Eigentum an ihren PCs zu übertragen. Zudem sollen bestimmte ehemalige Abonnenten Barzahlungen in Höhe von 450 bis 500 US-Dollar erhalten.

NZXT hat sich als feste Größe im Bereich der PC-Hardware etabliert, insbesondere bei PC-Gehäusen, AIO-Wasserkühlungen und vorkonfigurierten Gaming-PCs. Doch seit das Unternehmen mit seinem margenstarken Abonnement-Service „NZXT Flex“ (PC-Miete) experimentierte, hat es seinen Ruf in der Gaming-Community womöglich nachhaltig beschädigt.

Im Rahmen des Flex-PC-Programms soll NZXT Kunden betrogen haben, indem High-End-Komponenten überteuert abgerechnet wurden, Nutzer über „Rent-to-Own“-Pläne (Mietkauf) getäuscht wurden und aggressive Inkassounternehmen eingesetzt wurden, die sogar Methoden der organisierten Kriminalität (Racketeering) anwandten.

Einigung über 3,45 Millionen Dollar nach Sammelklage

Laut Court Listener haben NZXT und sein Abrechnungspartner Fragile Inc. zugestimmt, einen vorläufigen Vergleich in Höhe von 3,45 Millionen US-Dollar (ca. 3,24 Millionen Euro) zu zahlen, um eine massive Sammelklage wegen ihres Flex-PC-Mietprogramms beizulegen. Es wird behauptet, dass NZXT fast 20.000 Kunden – darunter auch Minderjährige – mit täuschenden Taktiken betrogen hat, was viele in die Schuldenfalle trieb.

Der gesamte Skandal begann Ende 2024, als der YouTube-Kanal Gamers Nexus eine tiefgreifende Untersuchung des Flex-PC-Dienstes durchführte. Gamers Nexus bezeichnete das gesamte Abonnementsystem als einen „ausbeuterischen, bösartigen Betrug“. Das Versprechen: Günstiges High-End-Gaming NZXT versprach Gamern, die sich keinen teuren Fertig-PC leisten konnten, einen kostengünstigen Weg, an High-End-Hardware zu kommen, ohne das System sofort kaufen zu müssen.

Das Unternehmen schaltete Werbekampagnen und engagierte Influencer, um den Menschen zu suggerieren, dass es sich bei dem Dienst um ein Mietkauf-Modell (Rent-to-Own) handelte. In Werbeposts wurde sogar angedeutet, dass der Gewinn eines Fortnite-Turniers das System komplett abbezahlen könne oder dass die Kunden nach Abschluss der Ratenzahlungen die Hardware behalten dürften.

Doch was zu gut klang, um wahr zu sein, war es auch. In der Realität war der NZXT-Flex-Service lediglich ein unbefristetes Leasing, das es den Kunden nicht erlaubte, den PC am Ende zu behalten. Die Verträge waren so verwirrend gestaltet, dass sich viele Nutzer in dem Dienst gefangen fühlten.

Vorwurf des ‚Bait-and-Switch‘: NZXT lieferte angeblich schwächere Hardware als beworben

Doch damit war die Geschichte noch lange nicht am Ende. Sobald NZXT Kunden für den Dienst gewonnen hatte, betrieb das Unternehmen laut Klageschrift ein regelrechtes „Bait-and-Switch“-Manöver aus dem Lehrbuch, indem beworbene High-End-Hardware gegen minderwertigere Komponenten ausgewechselt wurde, um ahnungslose Abonnenten zu täuschen.

Einsatz aggressiver Inkassodienste, die mutmaßlich Praktiken der organisierten Kriminalität anwandten

Darüber hinaus griff Fragile Inc. mutmaßlich auf aggressive Schuldeneintreiber zurück, wenn Flex-Abonnenten versuchten zu kündigen oder mit Zahlungen in Verzug gerieten. Diese verfolgten teilweise sogar Forderungen, die bereits beglichen worden waren, was bei den betroffenen Kunden zu erheblichen Belastungen führte. Die Situation eskalierte derart, dass der Fall schließlich unter dem Bundesgesetz „RICO Act“ verhandelt wurde, das eigentlich auf Muster organisierter Kriminalität wie Fernmelde- und Postbetrug abzielt – was verdeutlicht, wie schwerwiegend die Vorwürfe waren.

Im Rahmen des Vergleichs können Kunden, die zwischen dem 19. Oktober 2023 und dem 30. März 2026 vom Flex-Programm betroffen waren, von ihrem Abonnement und den damit verbundenen Schulden befreit werden, sobald die endgültige richterliche Genehmigung vorliegt, die für September 2026 erwartet wird. In diesem Fall wird ein Pool von 923.117,92 US-Dollar an Schulden erlassen, was bedeutet, dass Außenstände von mehr als 5.000 US-Dollar pro Person automatisch gestrichen werden könnten, sofern diese mehr als 90 Tage im Verzug sind.

Zusätzlich werden 1,21 Millionen US-Dollar bereitgestellt, um Abonnenten oder Mietern das volle Eigentum an ihren PCs zu übertragen, sofern sie ihre Gebühren für mindestens zwei Jahre gezahlt haben und über ein einfaches Formular bestätigen, dass sie das NZXT-Flex-Programm für ein Mietkauf-Modell hielten. Abonnenten, die ihre Systeme bereits zurückgegeben haben und keine Schulden mehr aufweisen, können eine Barzahlung von jeweils 450 bis 500 US-Dollar erhalten, wobei die genaue Höhe davon abhängt, wie viele ehemalige berechtigte Abonnenten entsprechende Ansprüche geltend machen.

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> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-04 > Vergleich im NZXT-Flex-Skandal: 3,45 Mio. Dollar wegen Betrugs- und RICO-Vorwürfen
Autor: Rahim Amir Noorali, 14.04.2026 (Update: 14.04.2026)