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Warum Citizen mittlerweile die bessere Wahl gegenüber Seiko ist

Eine Citizen- und eine Seiko-Uhr
ⓘ Lucas Kepner, Hans Gaber on Unsplash
Citizen und Seiko liefern sich seit Jahren einen intensiven Wettbewerb – nun scheint Citizen die Nase vorn zu haben
Citizens Uhrensparte hat Seiko beim Umsatz erstmals überholt – und ein Blick auf die technischen Daten zeigt, warum. Höhere Ganggenauigkeit, Saphirglas bereits in günstigeren Preisklassen, fünf Jahre Garantie und kaum Wartungskosten sprechen für sich. Damit könnte Citizen nun das beste Preis-Leistungs-Verhältnis im Uhrenmarkt bieten.
Kommentar von Anubhav Sharma
Kommentar-Artikel geben ausschließlich die individuelle Meinung des/der angeführten Autors/Autorin wieder.

Zwei Zahlen, beide aus den am 31. März 2026 abgeschlossenen Geschäftsjahren. Citizens Uhrensparte erzielte einen Umsatz von 197 Milliarden Yen (rund 1,14 Milliarden Euro) – ein Plus von 10 % – bei einem Anstieg des operativen Gewinns um 38 %. Seikos Uhrengeschäft (ohne Armbanduhren) kam auf 196,8 Milliarden Yen (ca. 1,14 Milliarden Euro). Nach mehr als sechs Jahrzehnten als Zweitplatzierter hat Citizen Seiko damit erstmals überholt. Beide Unternehmen überschritten zudem die Marke von einer Milliarde Euro Umsatz – ein Niveau, das nur wenige Schweizer Uhrenhersteller erreichen.

Bevor wir fortfahren, lohnt sich jedoch ein kurzer Blick darauf, warum Casio in diesem Vergleich fehlt. Nicht etwa, weil es dem Unternehmen an Erfolg mangelt: Das Uhrensegment erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 185 Milliarden Yen (rund 1,07 Milliarden Euro), was einem Wachstum von fast 19 % entspricht – dem höchsten der drei Hersteller. Casio fehlt, weil das Unternehmen ein anderes Marktsegment bedient. Statt mechanischer Uhrwerke setzt der Hersteller vor allem auf Kunstharzgehäuse, elektronische Module und stoßfeste Konstruktionen und verkauft davon Millionen. Damit konkurriert Casio nicht direkt mit Herstellern, deren Schwerpunkt auf automatischen Uhren, Taucheruhren oder hochwertig veredelten Zifferblättern liegt. Ein direkter Vergleich würde daher den unterschiedlichen Geschäftsmodellen kaum gerecht werden.

Die Citizen Series 8 NB608 Automatikuhr
ⓘ Citizen
Die Citizen Series 8 NB608 Automatikuhr
Seiko Prospex PADI HBB002 zum 60-jährigen Jubiläum
ⓘ Seiko
Seiko Prospex PADI HBB002 zum 60-jährigen Jubiläum

Bei Citizen geht es jedoch nicht nur um höhere Umsätze. Entscheidend ist vielmehr, was Käufer für ihr Geld erhalten.

Ein gutes Beispiel ist Seikos PADI-Taucheruhr zum 60-jährigen Jubiläum, die HBB002. Sie kostet 750 US-Dollar (rund 650 Euro), ist auf 8.000 Exemplare limitiert und bietet eine Keramiklünette, Saphirglas sowie eine Wasserdichtigkeit bis 200 Meter. Im Inneren arbeitet jedoch das Kaliber 4R36 – dasselbe Werk, das Seiko auch in Modellen verbaut, die nur rund ein Drittel so viel kosten und eine Ganggenauigkeit von −35 bis +45 Sekunden pro Tag bieten. Dabei hat Seiko das höherwertige Kaliber 6R35 bereits in limitierten Prospex-Modellen zu ähnlichen oder sogar niedrigeren Preisen eingesetzt, wodurch diese Entscheidung vor allem aus wirtschaftlicher Sicht motiviert wirkt. Dem gegenüber steht Citizens Kaliber 9051 in der neuen Series 8 NB608 mit einer Ganggenauigkeit von −10 bis +20 Sekunden pro Tag sowie einer echten antimagnetischen Konstruktion, die sich im Alltag als besonders praktisch erweist. Fairerweise sei angemerkt, dass nur eines dieser Datenblätter tatsächlich den technischen Stand des Jahres 2026 widerspiegelt.

Dieses Bild setzt sich auch in anderen Modellreihen fort. Die Presage Cocktail Time, nach wie vor eine ausgezeichnete Wahl für den Einstieg in die Welt japanischer Dresswatches, kostet rund 475 US-Dollar (etwa 410 Euro) und bietet Hardlex-Glas sowie eine Wasserdichtigkeit von lediglich 50 Metern. Citizen verbaut dagegen seit Jahren Saphirglas in zahlreichen Eco-Drive-Modellen ab etwa 300 US-Dollar (rund 260 Euro) – teilweise sogar darunter. Auch die Promaster-Taucheruhren sind nach ISO 6425 zertifiziert, wobei jede einzelne Uhr und nicht nur Stichproben einem Drucktest unterzogen wird – und das zu einem vergleichbaren Preis.

Hinzu kommen die langfristigen Folgekosten, die auf den ersten Blick oft übersehen werden. In Deutschland bieten sowohl Citizen als auch Seiko inzwischen drei Jahre Herstellergarantie. In den USA hat Citizen jedoch weiterhin einen Vorteil und gewährt eine fünfjährige eingeschränkte Garantie, während Seiko dort ebenfalls drei Jahre bietet. Zudem benötigen Eco-Drive-Werke kein regelmäßiges mechanisches Serviceintervall: Die Energiespeicher halten in der Regel 15 bis 20 Jahre, ein Austausch kostet etwa 80 US-Dollar (rund 70 Euro). Mechanische Kaliber wie das 4R36 oder 6R35 sollten dagegen alle paar Jahre gewartet werden – ein Service, der weder günstig noch besonders schnell ist. Über einen Zeitraum von zehn Jahren können sich diese Wartungskosten zu einem erheblichen Betrag summieren.

Seiko 4R36 Uhrwerk
ⓘ Reiwakensetsu
Seiko 4R36 Uhrwerk
Citizen Kaliber 9051
ⓘ Caliber Corner
Citizen Kaliber 9051

Seiko bleibt in einigen Bereichen dennoch führend, und das sollte nicht unerwähnt bleiben. Die Alpinist SPB121 für rund 725 US-Dollar (780 Euro) und die nach ISO 6425 zertifizierte Turtle für 525 US-Dollar (rund 450 Euro) gehören weiterhin zu den überzeugendsten Angeboten ihrer Klasse. Das Kaliber 6R55 bietet eine Gangreserve von 72 Stunden. Auch Seikos Designsprache – vom Tauchergehäuse aus dem Jahr 1965 bis zum markanten Cocktail-Time-Zifferblatt – besitzt meiner Meinung nach eine Ausstrahlung, die dem aktuellen Citizen-Sortiment weitgehend fehlt. Hinzu kommt, dass Seiko-Uhren auf dem Gebrauchtmarkt in der Regel höhere Wiederverkaufswerte erzielen. Allerdings ist auch Citizen nicht vor Preisdiskussionen gefeit: Die NB608 wurde je nach Markt für 1.300 bis 1.450 US-Dollar (etwa 1.120 bis 1.250 Euro) angeboten, was gerade unter potenziellen Käufern umgehend Kritik auslöste.

Entscheidend ist jedoch die strategische Ausrichtung der beiden Unternehmen. Seiko verfolgt das mittelfristige Ziel, Grand Seiko unter die zehn größten Luxusuhrenmarken der Welt zu etablieren. Die Seiko Watch Corporation wird von Akio Naito geleitet – jenem Manager, der das internationale Geschäft von Grand Seiko maßgeblich aufgebaut hat. Vieles deutet daher darauf hin, dass sich das Unternehmen zunehmend auf das Premiumsegment konzentriert. Citizen wird hingegen seit April 2025 von Yoshitaka Oji geführt, der 1986 in das Unternehmen eintrat und seine gesamte Laufbahn im Uhrengeschäft verbrachte – von der Produktplanung über den Vertrieb und die Leitung internationaler Produktionsstandorte bis hin zur Produktentwicklung. Zu seinen zentralen Strategien zählen die Entwicklung hochwertiger Uhrwerke sowie der weitere Ausbau des Geschäfts in Nordamerika. Diese Maßnahmen zeigten schnell Wirkung: Citizens Uhrensparte erreichte ihr Umsatzziel für das Geschäftsjahr 2027 bereits ein Jahr früher als geplant.

Bitte beachten Sie, dass sich diese Angabe auf den operativen Gewinn des gesamten Unternehmens und nicht ausschließlich auf die Uhrensparte bezieht

Die Branche hat diese Entwicklung bereits erkannt, lange bevor sie den Verbrauchern auffiel. Im November 2025 erwarb LVMH eine Minderheitsbeteiligung an La Joux-Perret, dem Schweizer Uhrwerkhersteller von Citizen, um die Versorgung von Marken wie TAG Heuer, Zenith, Hublot und Tiffany sicherzustellen. Eine vergleichbare Investition in Seikos Uhrwerksparte blieb hingegen aus.

Meine Einschätzung: Fertige Uhren, die in die USA importiert werden, unterliegen inzwischen Zöllen von rund 21 %, zudem wurde die Bagatellgrenze abgeschafft. Beide Hersteller haben ihre Aktionäre bereits über die zusätzlichen Belastungen informiert – und beide dürften diese Kosten zumindest teilweise an die Kunden weitergeben. Wird aus einer Uhr für 500 US-Dollar (rund 430 Euro) plötzlich ein Modell für 600 US-Dollar (etwa 515 Euro), rückt das Preis-Leistungs-Verhältnis stärker in den Fokus als je zuvor. Dann ist es nicht mehr nur ein Thema für Enthusiasten, sondern für viele Käufer das entscheidende Kaufargument.

Unterm Strich gilt für mich: Wer eine Uhr sucht, in die man sich auf den ersten Blick verliebt, wird wahrscheinlich bei Seiko fündig. Wer jedoch das objektiv bessere Gesamtpaket sucht, könnte heute – vielleicht überraschend – eher bei Citizen landen.

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Quelle(n)

Seiko Group Corporation IR, Citizen Watch Co. IR,  Monochrome, WatchPro, WatchTime, SJX Watches, Two Broke Watch Snobs und weitere

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Autor: Anubhav Sharma, 24.07.2026 (Update: 24.07.2026)