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Wie und wo uns Tech-Hersteller belügen

Zwei bekannte Tech-Youtuber klagen an: Wie uns die Hersteller immer öfter beim Marketing belügen.
ⓘ MrWhosetheboss
Zwei bekannte Tech-Youtuber klagen an: Wie uns die Hersteller immer öfter beim Marketing belügen.
Zwei der wohl bekanntesten Tech-Youtuber weltweit haben sich zusammengetan um ein Licht auf die zunehmend undurchsichtiger und teils wohl bewusst irreführenden Informationen zu werfen, mit denen uns Marketing-Abteilungen großer Tech-Unternehmen wie Apple oder Samsung regelmäßig bombardieren. In vielen Fällen muss man streng genommen wohl tatsächlich von Lügen sprechen.

Wir alle gewöhnen uns zunehmend an die oft sehr großspurigen Werbesprüche großer Tech-Konzerne und doch ist es immer wieder mal gut, etwas genauer hinter die Kulissen der Marketing-Abteilungen zu schauen und zu überprüfen, was tatsächlich dahinter steckt. Das hat bei Notebookcheck lange Tradition, unsere Laptop-, Tablet- und Smartphone-Tests sind ja darauf ausgelegt, zu überprüfen, wie viele von den Versprechungen der Hersteller tatsächlich wahr sind.

Und doch werden wir alle täglich mit fantastisch klingenden Aussagen konfrontiert, die insbesondere bei Produktneuigkeiten aus dem Tech-Bereich immer kreativer werden. Mit welchen Tricks die Marketing-Abteilungen von Apple und Co. so arbeiten, ist vielen Tech-Interessierten, und dazu zählen wir unsere Leser natürlich, ohnehin klar. Dennoch hilft das aktuelle Video des Tech-Youtuber-Duos Arun Maini aka MrWhosetheboss und Marques Brownlee (MKBHD) sich die wichtigsten "Betrugsmaschen" wieder mal in Erinnerung zu rufen. Wir wollen nicht spoilern, deswegen zuerst das Video, im Anschluss findet ihr dann den Inhalt kurz und bündig in Textform.

Die vielen "Lügen" der Tech-Branche

Laut Arun Maini wird aktuell soviel gelogen wie noch nie zuvor, um jede noch so kleine Verbesserungen der neuesten Produktgeneration als Riesenfortschritt darzustellen. Genannt werden insbesondere folgende Marketing-Strategien:

  • "Up to" oder auf Deutsch "Bis zu", meist verwendet als Performance- oder Laufzeit-Versprechen ("Bis zu 8x schneller") statt konkreter Performance-Gewinne. Oft in Fußnoten noch weiter deutlich eingeschränkt indem etwa mit fünf Jahre alten Versionen verglichen wird oder auf bestimmte, sehr spezielle Situationen eingegrenzt wird. Der Performancegewinn etwa eines Apple M5 zu einem Apple M4 wird vom Hersteller dagegen gar nicht thematisiert. Unsere Testberichte, etwa zum Apple Macbook Pro 14 mit M5 Max Chip (hier bei Amazon erhältlich) gehen natürlich darauf ein.
  • Auch das zunehmend mit Performane-Gewinnen kombinierte Versprechen der höheren Effizienz ist ein zweischneidiges Schwert, da man in der Regel nicht beides parallel nutzen kann. Suggeriert wird etwa ein "bis zu 23 Prozent schnellerer Chip", der gleichzeitig "20 Prozent effizienter" ist.
  • "Imaginäre Specs" bei denen etwa die Top-Ausstattung eines E-Autos oder dessen maximale Reichweite in einer sehr speziellen Konfiguration prominent mit dem günstigsten Preis der Einstiegsversion kombiniert werden.
  • "Unified Memory" oder "Gemeinsamer Arbeitsspeicher" statt RAM: Ein Beispiel für das kreative Umbenennen bekannter Industriestandards, mit denen Hersteller (im Beispiel etwa Apple) versuchen, das Vergleichen mit der Konkurrenz zu erschweren und Upgrades teurer zu verkaufen. Andere Beispiele für diese "erfundenen Specs" stammen aus dem TV-Bereich: "Motion Rate" statt "Refresh Rate" oder die gesamte  "ULED, QLED, QNED" Fraktion, die zwar an OLED erinnern sollen aber auf LCD-Tech basieren.
  • 1-Zoll-Sensoren in Kameras und Smartphones oder 1,5K-Displays mit Full-HD-Auflösung sind weitere Beispiele für erfundene Specs, die mit der Realität wenig zu tun haben aber im Tech-Bereich sehr gerne genutzt werden.
  • Zunehmend wichtiger werden neue Software-Features wie AI-Verbesserungen in einem neuen Produkt, die allerdings oft auch auf älteren Modellen per Update ausgerollt werden, was beim Launchevent aber praktisch nie erwähnt wird.
  • Die jährlichen Glas-Verbesserungen und Bezeichnungen (Ceramic Shield) der Smartphone-Branche sind ebenfalls hinterfragenswert, zumal Sturzresistenz und Kratzresistenz eigentlich negativ korreliert sind. Sprich je widerstandsfähiger die aktuelle Gorilla Glasmischung ist, desto leichter zerkratzt sie weil sie weicher ist, je kratzresistenter (und härter) sie wird, desto leichter zerbricht das Glas. Marques Brownlee hat zu dem Thema übrigens auch ein separates Video gemacht, in dem auch Apples Ceramic Shield Thema ist.
  • Suggerierte "Gratis-Speicherupgrades" durch Wegfall des günstigeren Basismodells mit weniger Speicher aus dem Vorjahr.
  • Alltägliche Materialien, die mit kreativen Bezeichnungen wie "surgical grade", "military grade" oder "aircraft-grade" virtuell aufgewertet werden und besondere Qualität suggerieren.
  • "Sinnlose" Maßangaben, etwa die Dicke eines Produkts, die an der dünnsten statt an der dicksten Stelle oder unter besonders kreativen Bedingungen gemessen wird. Im Vorjahr etwa besonders prominent die Angabe eines vermeintlichen Foldable-Rekords ohne Displayschutzfolie. Andere Beispiele für diese Kategorie sind etwa die zunehmend höher werdenden Peak-Brightness-Angaben von aktuell bis zu 6.000 nits, die in der Realität kaum Relevanz haben. Auch hier hilft meist ein Blick in unsere Smartphone-Tests.
  • Last but not least wird gerade bei Smartphone-Kameras mit in der Praxis oft wenig relevanten Neuerungen geworden, etwa 200 Megapixel Sensoren oder - am Beispiel von Nothing - bis zu 140x Zoom. Beim Anwender bleibt davon in der Regel wenig bis gar keine Verbesserung übrig. In diesem Zusammenhang müssen natürlich auch viele der offiziellen Sample-Fotos und "Shot on"-Videos und Fotos genannt werden, die zwar in vielen Fällen tatsächlich mit dem jeweiligen Produkt erstellt werden, oft aber unter Zuhilfenahme zusätzlicher und meist sehr professioneller Ausrüstung wie Gimbals, Beleuchtung oder Filter, wie Marques Brownlee abschließend kritisiert.
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> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-04 > Wie und wo uns Tech-Hersteller belügen
Autor: Alexander Fagot, 25.04.2026 (Update: 25.04.2026)