Notebookcheck

Windows Vista auf dem Notebook

Microsoft Windows Vista tritt die Nachfolge des erfolgreichen und in die Jahre gekommen Windows XP an. Microsoft möchte mit dieser Version die stärker werdenden Konkurrenten MacOS X von Apple und auch die Linux Distributionen besonders optisch wieder einholen und legt nach eigenen Aussagen vermehrtes Augenmerk auf die Sicherheit. Wer sich derzeit ein Notebook kauft, bekommt fast immer Windows Vista mitgeliefert und muss sich auf einige Kinderkrankheiten gefasst machen.

Microsofts Wahlversprechen im Detail: http://www.microsoft.com/austria/windowsvista/features/default.mspx

Wir werden nun im Detail auf unsere Erfahrungen bei der Installation und Benutzung von Windows Vista auf einem Nexoc Osiris E616 eingehen.

Nexoc Osiris E616
Nexoc Osiris E616

Installation

Wir beginnen auf dem Nexoc Osiris E616 mit einem vorinstalliertem Windows XP auf einer Partition, die die ganze 100 GB Festplatte beinhaltet. Wir wollen nun Microsoft Windows Vista (Codename Longhorn) auf einer zusätzlichen, noch nicht vorhanden, Partition installieren.

Als ersten Schritt starten wir den Windows Vista Upgrade Advisor, der einen Onlinezugang benötigt.  Dieser bescheinigt uns auch brav, dass das Nexoc Osiris E616 Notebook Vista ausführen kann. Probleme sollen jedoch die Realtek High Definition Audio Soundkarte, die Realtek RTL8169 / 8110 Family Gigabit Ethernet NIC Netzwerkkarte und die verbaute NVIDIA GeForce Go 7600 machen. An Software bemäkelt der Advisor den Microsoft Messenger und das Intel  ProSet Wireless Softwarepaket für die WLAN Karte. Da beides sehr verbreitete Programme sind (und eines noch dazu von Microsoft) verwundern diese Warnungen schon sehr.

Windows Vista Upgrade Advisor
Windows Vista Upgrade Advisor
Geräte
Programme
Generell

Nach starten der Installation aus Windows XP heraus müssen wir erfahren, dass wir von CD neu booten müssen um die Festplatte partitionieren zu können. Jedoch auch dort können wir die bestehende Partition nicht verkleinern. Also muss man auf 3rd Party Tools wie Partition Magic 8 zurückgreifen. Nachdem wir dann eine Partition erzeugt haben, die genug Platz bietet, starten wir die Installation. Praktischerweise muss man während der Installation nicht unbedingt einen Key eingeben – sie funktioniert auch ohne.

Nach problemloser Installation von Vista (ohne zwischenzeitliche Benutzereingaben), begrüsst uns der Desktop in 800x600 Pixel  - wie angekündigt fehlt ein passender Grafikkartentreiber für die NVIDIA GeForce Go 7600.

Treiber

Als erstes suchen wir auf Nexoc.de nach passenden Treibern, jedoch findet man bis jetzt (Stand 18.03.2007) nur Treiber für Windows XP. Dann hoffen wir auf  Treiber vom Barebone Hersteller selbst - Uniwill. Das Nexoc E616 basiert auf den Uniwill P53IN Barebone. Leider ist die Uniwill.com Seite zu Zeit nicht erreichbar. Als "Hack" installieren wir manuell die Treiber der Desktop NVIDIA GeForce Go 7600GT von der NVIDIA Homepage. Empfohlen ist diese Vorgangsweise zwar nicht, aber zumindest Windows Vista Aero läuft in der nativen Auflösung des Panels (1280x800 Pixel).

Trotz Warnung im Windows Vista Upgrade Advisor arbeiten die Realtek Gigabit LAN Netzwerkkarte und auch die Soundkarte auf Anhieb problemlos.

Auch die Schnelltasten zur Regelung der Displayhelligkeit und Lautstärke funktionieren ohne Installation einer zusätzlichen Software (jedoch ohne optisches Feedback). Der manuelle Lautstärkenregler links vorne reagiert jedoch nicht, was wir feststellen mussten, als uns eine lautstarke Werbung im Internet überraschte.

Weites funktioniert der Standby Modus nicht. Der Bildschirm verdunkelt sich, jedoch hört man das Gerät weiter laufen und es reagiert auf keine Eingabe. Nur ein Ausschalten durch längeres Betätigen der Ein/Aus Taste beendet das Trauerspiel. Der Ruhezustand funktioniert jedoch einwandfrei. Leider hat Windows Vista standardmäßig den "Ausschalten Knopf" im Startmenü mit dem Stand-by-Modus (der ja bei unserem Testgerät nicht funktioniert) hinterlegt (dies kann man jedoch ändern).

Interessanterweise funktionierte der Standby Modus ab und zu jedoch korrekt - anscheinend verträgt sich ein Treiber noch nicht mit Vista und Standby vollends.

Am nächsten Tag funktionierte dann der Uniwill Webserver wieder. Schnell fand sich auch die Treibersektion auf der Webseite für das P53IN Notebook. Jedoch kein Hinweis für welches Betriebssystem die angeführten Treiber gelten. Erst im Zip-File gibt es dann Unterverzeichnisse für jedes Betriebssystem. Im Falle der Grafikkartentreiber jedoch nur für Windows XP.

Nach einer Anfrage bei BWD-Computer.de (von denen wir das Testgerät hatten), erhielten wir die Antwort, dass es bald passende Vista Treiber geben sollte.

3 Tage später erhielten wir dann die Vista Treiber CD für das Nexoc Osiris E616 von BWD-Computer.de. Die Treiberinstallation klappte überraschend einfach und jetzt lies sich auch der Standby Betrieb nutzen. Interessanterweise wacht der Computer jedoch mit 1280x768 statt 1280x800 Pixel Auflösung auf und lässt sich auch nicht korrigieren (bis zum nächsten Neustart). Von diesem Phänomen hat auch schon einer unserer Forumuser berichtet (bei einem Dell Gerät). Daher schieben wir diesen Vorgang vorerst auf den Grafiktreiber. Mit den vorgesehenen Grafiktreibern erzielten wir höhere 3DMark06 Werte, jedoch ließen die Ergebnisse der Vorgängerversionen leicht nach. Leider funktioniert das manuelle Drehrad für die Lautstärke immer noch nicht.  Auch der Ruhezustand bleibt nach dem wieder hochfahren bei einem schwarzen Bildschirm stecken.

Windows Vista Notebook Features

Vista selbst gefällt dank neuem Design und einigen netten Effekten. Manchen ist jedoch die Oberfläche etwas zu bunt und besonders bei geringeren Auflösungen sind die dicken Rahmen um die Fenster etwas verschwenderisch.

Speziell für Notebooks wurde das Mobilitätscenter in Vista integriert. Hier lassen sich alle häufig benutzten Notebookeinstellungen (Lautstärke, Bildschirmhelligkeit, WLAN, Synchronisation, Tablett Einstellungen) bequem zentral einstellen. Zusätzlich können Hersteller ihre eigenen Tools in das Mobilitätscenter integrieren (z.B. bei Lenovo kann man dort die Tastaturbeleuchtung einschalten).

Das Windows Vista Mobilitätscenter fasst alle wichtigen Notebookeinstellungen zusammen.
Das Windows Vista Mobilitätscenter fasst alle wichtigen Notebookeinstellungen zusammen.

Die Energieoptionen in Windows Vista haben im Vergleich zu Windows XP deutlich zugelegt und sind feiner einstellbar.  Neben zahlreichen Profileinstellungen, kann man in den erweiterten Optionen zahlreiche detaillierte Einstellungen (wie Taktung des Prozessors, integrierte Suche, Helligkeitsreglung, usw.) anpassen. Wer jedoch nicht seine Hardware und deren Verhalten genau kennt sollte lieber bei den von den Notebook Herstellern vorgegebenen Profilen bleiben.

Die Energieoptionen in Vista erlauben ein detailliertes Einstellen der Stromsparmaßnahmen.
Die Energieoptionen in Vista erlauben ein detailliertes Einstellen der Stromsparmaßnahmen.

Probleme

Durch die umfassenden Änderungen unter der Haube von Windows Vista gibt es leider noch zahlreiche Probleme mit bestehender Hardware und Software. Besonders Geräte, die noch nicht mit Vista ausgeliefert werden, kämpfen oft mit Treiberproblemen. Ein altes Dell Inspiron 8100 scheiterte z.B. an einem passenden Netzwerktreiber für die integrierte Intel Netzwerkkarte. Auch für die U.S. Robotics WLAN Karte und die ATI Mobility Radeon 9000 fanden sich noch keine passenden Treiber.

Jedoch auch bei neueren Notebooks hat man oft ähnliche Treiberprobleme. Wie schon oben beschrieben, traten auch bei unserem Nexoc Osiris E616 noch Probleme mit dem Standby und Ruhezustand auf.

Auf der Softwareseite finden sich leider noch viel mehr Probleme. Viele alte Spiele laufen nicht mehr ohne Kniffe oder gar nicht mehr. Z.B. scheint die Unterstützung von OpenGL Spielen bei manchen Grafikkarten noch Probleme zu machen (Acer 8100 bei Enemy Territory z.B.). Auch die Macromedia Produkte (Flash, Dreamweaver) haben noch erhebliche Probleme mit Vista.

Auffallend war auch eine spürbare langsamere Ausführungsgeschwindigkeit am Desktop bei manchen Systemen. Unser Nexoc Testgerät ließ sich z.B. teilweise sehr lange Zeit bis eine Systemmeldung vom Sicherheitsagenten kam.

Leistung

Unsere vergleichenden Leistungsmessungen in den 3D Mark Benchmarks zwischen Windows XP und Windows Vista auf dem Nexoc Osiris E616 zeigten sogar höhere Benchmarkwerte in Windows Vista als mit den mitgelieferten Treibern bei Windows XP. In unserem Notebookforum fand jedoch einer unserer User neuere Treiber, mit denen die Leistung in XP noch deutlich gesteigert werden konnte und dann doch wieder vor Vista liegt.

In c’t 5/2007 wurden auch einige Vergleichsmessungen Vista versus Windows XP bei verschiedenen Notebooks durchgeführt und heraus kamen bis zu einem Drittel geringere Leistungswerte bei Vista. Jedoch war dies herstellerabhängig, bei den getesteten R60 und T60 Thinkpads von Lenovo kamen sogar bessere Leistungsdaten bei Vista heraus.

Im Akkutest zeigte das Nexoc Osiris E616 nur wenig Unterschiede bei den Betriebssystemen. Im Reader Test (ohne Aero) zeigte sich sogar eine bessere Laufzeit als bei Windows XP. Unter Volllast lief jedoch das Notebook unter Windows XP etwas länger (wenige Minuten).

In der c’t 5/2007 kam es wieder zu Hersteller-unterschiedlichen Ergebnissen. Die meisten Notebooks brauchen unter Vista mehr Strom und zeigten dadurch eine verkürzte Akkulaufzeit. Bei Lenovo war jedoch die Laufzeit praktisch gleich.

Diese Erfahrungen lassen auf BIOS und Treiberprobleme bei den Herstellern schließen. Die Leistung und Akkulaufzeit sollte also bei entsprechender Anpassung der Treiber und des BIOS durch den Hersteller nicht leiden. Bis jedoch alle Geräte „auf Vista optimiert sind“, wird wohl noch einige Zeit vergehen.

Benchmark Vista Vista mit Desktop Grafiktreibern Windows XP Originaltreiber Windows XP gemoddete Treiber
3DMark01 16936 17106 (+1%) 16370(-3,3%)
3DMark03 7084 6563 (-7,4%) 4570 (-35,5%) 8510 (+20,1%)
3DMark05 3074 2991 (-2,7%) 1550 (-49,6%)
3DMark06 1760 1822 (+3,5%) 782 (-55,6%) 2242 (+27,4%)

Fazit

Bunt - bunter – Vista. Optisch setzt Vista auf aktuelle grafische Trends, die den meisten Usern zu gefallen wissen. Auch die neuen Features, wie die zentrale Suche, das Mobilitätszentrum und die Verbesserungen am Windows Explorer haben deutliche Vorteile.

 Das neue Betriebssystem von Microsoft zeigt jedoch noch etliche Kinderkrankheiten, wie Treiberprobleme, schlechtere Leistung, kurze Akkulaufzeiten usw., jedoch kann man diese fast vollständig auf mangelnde Abstimmung zurückführen.

Deshalb ist ein kompletter Umstieg von einer bestehenden Windows XP Version ist derzeit noch  nicht zu empfehlen. Man sollte Vista auf einer zusätzlichen Partition installieren um bei Software und Hardwareproblemen auf XP ausweichen zu können.

Neue Notebooks werden jedoch fast ausschließlich nur noch mit Windows Vista ausgeliefert. Doch auch hier gibt es noch öfters Probleme wegen mangelnder Anpassung. Wer warten kann, sollte einen anstehenden Notebook Kauf eventuell noch etwas hinauszögern. Andererseits gibt es bereits Notebooks die sehr gut an Vista angepasst sind (wie die 2 Lenovo Modelle im c’t Test).

Microsoft Windows Vista

 

Über den Testbericht bzw. das Notebook können sie hier in unserem Forum diskutieren.

Microsoft Windows Vista auf dem Notebook
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Mit Windows Vista möchte Microsoft ...
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Business - weniger Multimediafeatures und dafür erweiterte Netzwerkfunktionen
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Home Premium - bietet Aero, Media Center und Brennen von DVDs, vergleichbar mit der Media Center Edition von Windows XP
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Die verschiedenen Versionen: Home Basic - die günstigste Einstiegsvariante, jedoch ohne der Aero Oberfläche
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Mit Readyboost lässt sich Vista durch Anschluss eines passenden Flash Speichers beschleunigen (wird als Cache genutzt).
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Die neue Suche ist wohl das praktischte Feature.
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Die neue Sidebar bietet Platz für zahlreiche Gimmicks.
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Auch das Media Center wurde überarbeitet und ist nun bei den Vista-Varianten Home Premium und Ultimate integriert.
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... mit praktischer Suchoption und Transparenzen ist unter den Neuerungen.
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Ein neues Startmenü ...
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... und anderen optischen Gimmicks zur Konkurrenz optisch aufholen.
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... durch 3D Effekte ...
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Ultimate - vereinigt alle Funktionen der anderen Versionen
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Autor: Klaus Hinum, 19.03.2007 (Update:  9.07.2012)
Klaus Hinum
Klaus Hinum - Founder, CTO - @klaushinum
Als Gründer von Notebookcheck und Tech-Enthusiast kümmere ich mich hauptsächlich um technische Themen und auch die Weiterentwicklung unserer Plattform. Direkt nach dem Doktorat in Informatik startete ich Vollzeit bei Notebookcheck durch.