Angeschaut: Gaming-Handheld mit Raspberry Pi-Unterbau und schlankem Design

Wir haben schon einmal über die GamerCard berichtet und konnten inzwischen ein wenig Zeit mit dem System verbringen. Man kann sich dem System von zwei Seiten aus nähern, nämlich einmal von einem Gaming-Handheld her und dann auch von einem Einplatinenrechner aus. Optisch und auch vom naheliegenden Einsatzzweck ist die GamerCard ein Handheld. So bootet das System bereits in eine Übersicht, in welcher sich verschiedene Videospiele gleich auswählen lassen - installiert ist Raspberry Pi OS, die Nutzung im Desktop-Modus ist gleichwohl problemlos möglich.
Dabei ist die GamerCard vom reinen Nutzerwert als Gaming-Handheld auch wesentlich günstigeren und etwa über AliExpress (R36XX bei AliExpress) erhältlichen Alternativen sowohl auf Ebene der Software als auch der Hardware deutlich unterlegen. So handelt es sich nicht um ein System mit dutzenden, vorinstallierten Emulatoren und tausenden ROMs. Besonders das Fehlen von solchen ROMs wollen wir an dieser Stelle aber gerade nicht kritisieren, da verschiedene Gaming-Handhelds schlicht gegen das Urheberrecht verstoßen. Die vorinstallierten Titel wie Bloo Kid 2, die Saboteur-Trilogy und AstroBlaze DX sind aus dem heutigen Blickwinkel natürlich als sehr klassisch zu werten. Die PICO-8-Kompatibilität ist gegeben - der Zugang muss aber extra gekauft werden.
Zwischen den Stühlen


Emuatoren lassen sich nutzen, gleichwohl ist dabei die vergleichsweise geringe Leistung des genutzten Raspberry Pi Zero 2 W zu berücksichtigen. Spätestens bei der PlayStation One ist diesbezüglich Schluss. WiFi und Bluetooth sind vorhanden, der Handheld kommt mit einem 128 Gigabyte großem, internen Speicher und einem 512 Megabyte großem RAM. Als Gaming-Handheld kann das Modell aber nicht nur aufgrund durchaus nachvollziehbarer Software-Entscheidungen, sondern auch aufgrund der Hardware nicht ganz überzeugen: So ist die GamerCard mit 6,5 Millimetern flach und ermöglicht keine sehr ergonomische Haltung. Zudem sind die vier Aktionstasten und das Steuerkreuz und die beiden Schultertasten hinter Silikon gepackt, was der Bedienung nicht unbedingt zuträglich ist - auch wenn die eigentlichen Taster ein fühlbares Feedback bieten.
Das 4 Zoll große Display bietet eine Pixeldichte von 254 PPI (720 × 720 Pixel) und löst damit scharf auf. Die beiden Lautsprecher sind für einen solchen, kompakten Gaming-Handheld durchaus ordentlich. Die Nutzung mit einem externen Display und auch etwa einem USB-Hub ist vorgesehen. Damit kann die GamerCard dann wie ein typischer Einplatinenrechner genutzt werden und für eigene Projekte. Auch hierbei gibt es Limitationen bei der Hard- und Software: So gibt es zwar QWIIC, allerdings keine vollständige Stiftleiste und das installierte Raspberry Pi OS kommt sozusagen nackt. Eine wie auch immer geartete, zusätzliche Motivation, mit eigenen Projekten zu starten gibt es nicht.
Hoher Preis und unklare Zielgruppe
Die GamerCard lässt uns ein wenig ratlos zurück. Das System ist als Gaming-Handheld im Prinzip durchaus brauchbar, allerdings ist das Angebot an Alternativen schlicht zu groß, als dass die GamerCard diesbezüglich bleibenden Eindruck hinterlassen kann. Als Entwicklerplatine für eigene Projekte eignet sich das System ebenfalls nur eingeschränkt. Am ehesten interessant könnte die GamerCard eher noch als Mitbringsel für technisch interessierte Kinder oder Jugendliche sein, dafür ist das System mit einem Preis von 149 britischen Pfund (zuzüglich Einfuhrabgaben) aber schlicht viel zu teuer. Unsere Empfehlung wäre der Kauf eines günstigeren Gaming-Handhelds mit Rockchip-SoC und dazu noch einen Raspberry Pi 2 W (bei Amazon) - ins Budget passt dann noch ganz locker ein Kit mit verschiedenen Sensoren (bei Amazon). Ein Alleinstellungsmerkmal sehen wir durchaus in den kompakten Abmessungen. Das Verhältnis aus Preis und Leistung passt allerdings auch dann nicht.
Transparenz
Die Auswahl der zu testenden Geräte erfolgt innerhalb der Redaktion. Das vorliegende Testmuster wurde dem Autor vom Hersteller unentgeltlich zu Testzwecken überlassen. Eine Einflussnahme auf den Testbericht gab es nicht, der Hersteller erhielt keine Version des Reviews vor der Veröffentlichung. Es bestand keine Verpflichtung zur Publikation. Als eigenständiges, unabhängiges Unternehmen unterliegt Notebookcheck keiner Diktion von Herstellern, Shops und Verlagen.
Quelle(n)
Eigene, GrantSingclair














