
Bambu Lab X2D Combo: 3D-Drucker mit zwei Düsen im Test
Düsenzwitter
Der Bambu Lab X2D ist ein spannender 3D-Drucker mit zwei Druckdüsen und nur einem Werkzeugkopf. Wir testen den geschlossenen CoreXY-Drucker mit aktiver Bauraumheizung bis 65 °C, drucken PETG, PLA und TPU, prüfen die Druckqualität und werfen einen genauen Blick auf die Hardware.Silvio Werner Veröffentlicht am
Sehr guter Drucker mit wenigen Schönheitsfehlern
Der Bambu Lab X2D (Combo) ist ein sehr guter 3D-Drucker, der im Auslieferungszustand und auch mit günstigen Filamenten gute Ergebnisse liefert. Letztlich gibt es im Endkundenbereich nur eine Kundengruppe, für die der X2D nicht geeignet ist: Nämlich Nutzer, die ständig Multi-Filament-Drucke mit Standard-TPU anfertigen, dabei nur die Hauptdüse nutzen wollen und gleichzeitig auf keinen Fall noch für eine (bei Amazon auch günstig erhältliche) TPU-kompatible Filamentzuführung bezahlen wollen. Andere Nutzer, die durchaus einen Premium-Preis für einen leistungsstarken, aber einsteigerfreundlichen 3D-Drucker bezahlen wollen, sind mit dem Modell gut beraten. Am ehesten könnte man noch die zwar effektive, aber nicht vollständige Filterung der Abluft kritisieren. Definitiv kritikwürdig sind die an einigen Stellen fehlenden Abdeckungen.
Pro
Contra
Preis und Verfügbarkeit
Der Bambu Lab X2D Kombo ist in der getesteten Version für einen Preis von rund 850 Euro erhältlich, für den X2D selbst werden 629 Euro aufgerufen. Erhältlich ist das Modell auch direkt beim Hersteller. Unter anderem im Shop des Herstellers gibt es zudem auch Ersatzteile und Zubehörteile zu kaufen.
Der Bambu Lab X2D ist ein Core-XY-3D-Drucker mit zwei Druckdüsen auf einem Werkzeugkopf, einem geschlossenen Bauraum und kommt in der Combo-Version gleich mit einem AMS 2 Pro-Modul zum Druck mit mehreren Filamentarten und Farben. Im Titelbild zu sehen ist das AMS 2 Pro-Modul übrigens mit gedruckten und nachgerüsteten Behältern für Trockenmittel.
Spezifikationen
| Bambu Lab X2D Combo | 3D-Drucker |
| Technologie | FDM |
| Druckvolumen | 256 × 256 × 260 mm (235,5 × 256 × 256 mm Hilfsdüse) |
| Größe | 392 x 406 x 478 mm |
| Aufstellfläche | 500 x 700 x 850 mm (empfohlen) |
| Gewicht | 16,25 kg |
| Bewegungssystem | CoreXY-3D-Drucker |
| Extruder | Direct Extruder (Hauptdüse) + Bowden-Extruder (Hilfsdüse) |
| Genutztes Druckbett | magnetisches PEI-Druckbett (Textured PEI Plate), flexibel, automatisches Leveling |
| Temperaturen | Hotend maximal 300 °C, Druckbett maximal 120 °C, Innenraum aktiv beheizt bis 65 °C |
| Anschlüsse | WiFi, Ethernet, USB Typ-A |
| Steuerung | Touch-Bildschirm, Online-Interface, Bambu Studio, Bambu Handy für Android und iOS |
| Lieferumfang | Combo-Version mit AMS 2 Pro, u.A. Verbrauchsmittel, Werkzeuge |
| besondere Fähigkeiten | Dual-Nozzle, Filament-Buffer, AMS 2 Pro kompatibel, Webcam, Bauraumbeleuchtung, Abluftfilterung (HEPA + Aktivkohle), AI-Monitoring |
| Herstellerseite | Bambu Lab X2D , X2D FAQ und Hilfestellungen |
| Weitere Links | Bambu Lab GitHub Bambu Lab Discord Community, Bambu Lab Wiki |
Leichte Inbetriebsnahme dank Vormontage
Der Bambu Lab X2D Combo kommt vormontiert - dementsprechend muss das Modell nicht im eigentlichen Sinne zusammengebaut werden, ist aber nach dem Auspacken auch nicht direkt betriebsbereit. Verschiedene Sicherungsschrauben und Sicherungen sind zu entfernen, zudem müssen der Touchscreen und sozusagen das Außenteil des Auxiliary Extruder installiert werden. Der AMS 2 Pro ist auszupacken und der Lüfter mit Aktivkohlefilter anzubringen. Zudem sind die Schlauchverbindungen für die Filamentzuführungen herzustellen. Zu zweit war der Aufbau in rund 45 Minuten erledigt und verlief dank bebilderter Anleitung ohne Vorkommnisse – lediglich eine Kabelverbindung musste nach den ersten Drucken noch einmal richtig gesichert werden, diese löste sich. Positiv: Auf dem Touchscreen und auch in der Software wurde der Fehler treffend eingegrenzt. An den Aufbau schließt sich noch eine relativ umfangreiche Kalibrierung an. Im Lieferumfang enthalten ist noch eine Tool-Box, welche alle für die Inbetriebnahme nötigen Werkzeuge und unter anderem eine Ersatzdüse und einiges an Verbrauchsmaterial enthält.
Zwei Druckdüsen, ein Werkzeugkopf
Beim Bambu Lab X2D handelt es sich um einen geschlossenen 3D-Drucker mit zwei Druckdüsen auf einem Werkzeugkopf. Diese Lösung soll beim Druck mit mehreren Filamenten Vorteile bieten und ist eine Art, sich dem Thema automatischem Multi-Filament-Druck technologisch zu nähern. Eine Alternative ist die Nutzung eines Druckkopfes in Kombination mit einem Filament-Schneider und einem Vorratsbehälter für mehrere (auch der X2D unterstützt dies) Filamente oder die Nutzung mehrerer Werkzeugköpfe. Zwei Düsen auf einem Werkzeugkopf haben dabei zumindest theoretisch einen großen Vorteil: So gibt es beim Druck mit zwei Filamenten keinen oder nur geringeren Filament- oder Zeitverlust für den Filamentwechsel. Bei einem 3D-Drucker mit mehreren Werkzeugköpfen ergibt sich noch ein gewisser Zeitverlust. Auf die Grenzen dieses Setups gehen wir später noch ein. Wir haben den Bambu Lab X2D mit dem AMS 2 Pro mit dem Hauptextruder verbunden genutzt und den Hilfsextruder mit einer externen Spule. Beide Extruder werden über den Filament-Buffer mit den Filamenten versorgt. Der 3D-Drucker ist geschlossen, wodurch zum einen Abluft gefiltert werden kann. Zudem ist so die Beheizung des Bauraums möglich, was für Standardfilamente oft sinnvoll, für Filamentarten wie Polycarbonat faktisch nötig ist. Verbaut ist ein gut ablesbarer und nicht zu kleiner Touchscreen, die Netzwerkverbindung kann problemlos über WiFi oder Ethernet erfolgen. Ein SD-Kartenslot ist vorhanden, die Nutzung damit ist auch ohne eine Verbindung zu externen Geräten möglich.
Stabile Drucke und eine Einschränkung
Nach dutzenden Druckstunden steht fest: Der Bambu X2D (Combo) ist ein absolut unkompliziert nutzbarer, zuverlässiger Drucker, der mit verschiedenen Filamentarten problemlos klarkommt. Eine Besonderheit gibt es bei der Nutzung mit TPU: Der Bambu X2D Combo unterstützt den (selbstwechselnden) Multi-Filament-Druck ohne ein zusätzliches Gerät nur in einer Konfiguration, nämlich mit TPU in der Hauptdüse. Der Druck mit mehr als zwei Filamenten wird dann mit dem AMS 2 Pro an der Nebendüse unterstützt. Das liegt an der Kombination zweier Einschränkungen: Der AMS 2 Pro unterstützt keine Zuführung von TPU und die Nebendüse kann laut Bambu Lab kein TPU drucken. Bambu Lab empfiehlt für Standard-TPU sogar die relativ umständliche, direkte Zuführung des Filaments bei geöffnetem Deckel. Wir haben das System völlig unkompliziert unter Umgebung des Filament Buffers am Einlass genutzt. Wird häufiger, aber nicht immer mit TPU gedruckt, würden wir deutlich die Nutzung eines auch kommerziell erhältlichen Filament-Adapters mit dem TPU (optimalerweise aus einem externen, geeigneten Trockner) und dem AMS 2 Pro empfehlen. Im Test funktionierte der Druck von TPU am Ende völlig problemlos und das auch in Kombination mit der Nebendüse. Testweise wurde eine Fliegenklatsche gedruckt, das Modell aber vorher noch einmal ganz deutlich verkleinert – auch mit relativ wenig Material ergibt sich eine zuverlässige Verbindung von in diesem Fall PETG und TPU. Wir werden uns in einem separaten Artikel noch einmal deutlicher mit den Vor- und Nachteilen eines Werkzeugkopfes mit zwei Druckdüsen widmen - an dieser Stelle nur so viel: Die zweite Düse ist dediziert eine Nebendüse und nicht nur in Bezug auf den TPU-Support eingeschränkt, so bei der Geschwindigkeit, und das Bauvolumen von 256 x 256 x 260 Millimetern lässt sich nicht vollständig ausnutzen. Ein Testdruck mit jeweils PETG in Haupt- und Nebendüse verlief unauffällig, der Druck wirkte wie aus einem Guss. Der Druck zeigt auch: Es gibt zumindest in dieser Größenordnung keine relevanten Differenzen in der Maßhaltigkeit der beiden Druckdüsen, sonst würden Stifte und Löcher schlicht nicht passen. Einen größeren Druck (rd. 20 x 13 x 22 Zentimeter) auch mit geschwungenen Formen bewältigte der X2D ebenfalls ohne größere Störungen. Apropos Störungen: Die erkennt der X2D relativ gut, die Reaktion etwa auf eine erkannte Stringing lässt sich einstellen. Ein für den Test bewusst provoziertes, verknotetes Filament wurde erkannt, am Gerät und über App und Software gewarnt. Nach der Behebung des Problems ging es problemlos weiter.
Druckqualität frei von Tadel
Das TPU-Benchy ließ sich abgesehen vom minimalen Stripping problemlos drucken, mit gut lesbarer Schrift auf der Unterseite. Der Druck eines elastischen Balls lief ebenfalls ohne Probleme. Mit PLA beziehungsweise PETG wurden testweise zwei 4-in-1-Adapter gedruckt, einmal mit M10- und M8-Gewinde. Auch hier gab es keine Beanstandungen, das Filament passte problemlos durch und das Teil war ohne jede Nachbearbeitung sofort nutzbar. Unser auch bei anderen 3D-Drucker-Tests genutzter Testdruck funktionierte auf Anhieb mit PLA von eSUN abgesehen von kleineren Fehlern, problemlos. Selbst an den Spitzen gab es nur unwesentliches Stripping, Überhänge wurden gedruckt und die Schriftzüge blieben lesbar. Das mit identischem PLA gedruckte Benchy zeigte im Bereich der Tür leichte Unstimmigkeiten. Der Benchy-Schriftzug an der Rückseite lässt sich immerhin erahnen. Ein praxisnaher Test ist der Druck einer Platte mit Gewindelöchern. Selbst mit einer Schichthöhe von 0,2 Millimetern entstanden so Gewindelöcher, die sich bis hinunter zu M3 sinnvoll ohne Nachbearbeitung nutzen lassen. Mit einem solchen Testdruck lässt sich nicht nur die Präzision abschätzen, sondern auch die Richtigkeit anhand eines externen - wenngleich auch nicht unendlich richtigen – Prüfmusters, nämlich schlicht einer Schraube. Wichtig ist es dabei, das gedruckte Gewindeloch auch vor und nach dem Einschrauben zu prüfen - so würde eine Schraube Grate etwa schlicht entfernen, eine aus Metall gefertigte Schraube zieht den 3D-Druck dann sozusagen glatt. Solange die Schraube danach gut hält, beeinträchtigt das die Funktion nicht. Das Vorhandensein ausgeprägter Grate wäre aber eben ein Hinweis auf einen nicht ganz optimalen 3D-Druck. Wir haben ausschließlich die Texured PEI Plate genutzt. Diese hält magnetisch und ist flexibel. PETG- und PLA-Drucke lassen sich durch einfaches Biegen der Platte zuverlässig ablösen, ein manuelles Abziehen war nur bei TPU erforderlich. Die Druckplatte ist eben nicht glatt, damit ergibt sich für die erste Schicht immer ein durchaus gefälliges Muster - Nutzer sollten das aber im Hinterkopf behalten, wenn auch die erste Druckschicht des Modells sichtbar ist. Unterm Strich ergibt sich eine sehr gute und absolut praxistaugliche Druckqualität und das mit den Standard-Profilen für Generic-Filamente.
Anspruchslos und mit guter Software
Testweise haben wir den Drucker auf einem ziemlich wackeligen Tisch betrieben, ohne Druckprobleme, aber mit höherer Lautstärke. Im Regelbetrieb lief das System auf zwei Schichten Trittschalldämmung und einer Terrassenplatte. Die Abluftfilterung nutzt einen Aktivkohlefilter. Dieser reduziert den Geruch der Abluft erheblich, aber nicht vollständig. Eine (nahezu) vollständige Reduktion des Geruchs und damit wohl auch von VOCs dürfte sich nur mit einer zusätzlichen Lösung und insbesondere einem Zelt erreichen lassen. In einem ständig genutzten Wohnraum würden wir das Modell nicht positionieren wollen. Der AMS 2 Pro zeigte sich im Test unauffällig und dient eben zur Filamentzuführung und Trocknung. Auffällig hingegen: Zwar werden Filamentreste etwa beim Wechsel des Filaments abgestriffen und ausgeworfen, allerdings sammelt sich im Drucker doch so einiges an Filament-Abfall an, insbesondere im oberen Bereich. Zumindest theoretisch könnten sich Filament-Reste im unteren Bereich in den Achsenlagern und damit in den Achsen verfangen. Entsprechende Schutzabdeckungen – die dann auch gegen Staub helfen – lassen sich schnell und einfach drucken, hätten aber auch beigelegt werden können. Die Software selbst werden wir später noch einmal im Detail besprechen. Sowohl Bambu Studio als auch Bambu Handy erlauben dabei zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten inklusive Filamentverwaltung und Livestream und sind gut nutzbar. Die Bibliothek ist gut gefüllt mit Modellen. Mit dem MakerLab lassen sich relativ schnell Modelle anpassen, wobei wir da oft im Bereich der Spielereien sind - als persönliche Geschenke taugt aber etwa die Erstellung einer 3D-Statue aus einem Foto durchaus. Externe Druckvorlagen in anderen Formaten werden unterstützt. Positiv hervorheben wollen wir das ausführliche Wiki, welches unter anderem ausführliche Anleitungen und auch Erklärungen der Bauteile gibt. Im Shop gibt es ein sehr breites Angebot an Ersatzteilen zu doch fairen Preisen. An dieser Stelle nicht verschweigen wollen wir einen Hinweis auf die aktuelle Berichterstattung zu Lizenzrechten, Käufer müssen sich darüber im Klaren sein, dass das Bambu Lab-Ökosystem eben nicht komplett Open Source ist.
Genutzte Modelle
Als Modelle wurden unter anderem der HydroSpinner, die X2D Tool Box, Fibonacci Spheres, ein Testblock für Gewinde, den Benchy, einen 4-in-1-Adapter, und eine Abfallrutsche und der FDM-Benchmark von Marc Herter. An die Maker soll es an dieser Stelle ein ausdrückliches Dankeschön geben.
Transparenz
Die Auswahl der zu testenden Geräte erfolgt innerhalb der Redaktion. Das vorliegende Testmuster wurde dem Autor vom Hersteller oder einem Shop zu Testzwecken leihweise zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Leihstellers auf den Testbericht gab es nicht, der Hersteller erhielt keine Version des Reviews vor der Veröffentlichung. Es bestand keine Verpflichtung zur Publikation. Als eigenständiges, unabhängiges Unternehmen unterliegt Notebookcheck keiner Diktion von Herstellern, Shops und Verlagen.





































