Gamers Nexus und Louis Rossmann stellen sich wegen OrcaSlicer-Fork-Entwickler gegen Bambu Lab

Bambu Lab hat kürzlich einem einzelnen, engagierten Entwickler eines OrcaSlicer-Forks rechtliche Schritte angedroht. Der Vorwurf: Pawel Jarczak habe seinen rechtmäßig erworbenen 3D-Drucker lokal genutzt und dabei Bambu Connect umgangen. Aus Angst nahm der Entwickler seinen GitHub-Fork offline.
Wenig überraschend hat Bambu Lab dafür nun scharfe Kritik von zwei der bekanntesten Stimmen der Tech- und Reparaturszene erhalten: Verbraucherschützer Louis Rossmann und der von Steve Burke geführte PC-Hardware-Kanal Gamers Nexus, der sich inzwischen auch stark dem investigativen Technikjournalismus widmet.
Beide YouTuber haben Pawels OrcaSlicer-BambuLab-Code erneut online gestellt, um den Entwickler zu unterstützen und Druck auf Bambu Lab auszuüben, öffentlich Stellung zu beziehen oder sich zu entschuldigen.
Bambu Lab wirft Pawel „Reverse Engineering“ vor und droht mit DMCA-Maßnahmen
Bambu Lab schickte Pawel eine Unterlassungsaufforderung und warf ihm Reverse Engineering sowie Irreführung vor. Demnach habe er sich mit einer fest codierten Versionskennung als offizielles Bambu Studio ausgegeben und damit angeblich die Cloud-Infrastruktur und Server des Unternehmens gefährdet.
Außerdem soll Pawel technische Beschränkungen umgangen haben. Bambu Lab berief sich dabei auf Section 1201 des DMCA, die bei Verstößen eine Bundesgefängnisstrafe von fünf bis zehn Jahren sowie eine Geldstrafe von 250.000 US-Dollar vorsieht.
Aus Angst nahm Pawel sein Repository offline. Daraufhin schaltete sich zunächst Louis Rossmann ein, später folgte Gamers Nexus. Beide erhielten Pawels Erlaubnis, die Dateien selbst zu hosten, und kritisierten Bambu Lab anschließend öffentlich.
Louis Rossmann erklärte in einem aktuellen YouTube-Update: „Dann geht auch gegen mich vor. Ihr könnt uns alle verklagen. Vielleicht könnt ihr versuchen, uns alle ins Bundesgefängnis zu bringen. Aber vielleicht solltet ihr dieses Geld lieber dafür ausgeben, eure Software etwas besser oder eure Nutzer zufriedener zu machen.“
Gamers Nexus zog nach und veröffentlichte einen ausführlichen Artikel, der bereits mit der deutlichen Aussage „Get f*cked, Bambu“ beginnt. Weiter heißt es dort:
„Wenn Bambu Lab gegen Pawel wegen seines Codes vorgeht, der nach unseren Recherchen vollständig im rechtlich zulässigen Rahmen liegt, werden wir ebenfalls 10.000 US-Dollar zu Pawels Verteidigung gegen Bambu Lab beisteuern.“ Damit würde Gamers Nexus die hypothetische Summe aufbringen, die auch Louis Rossmann für Pawels Verteidigung zugesagt hat. Beide YouTuber lassen ihren Worten also auch finanzielle Unterstützung folgen.
Gleichzeitig rahmen sie ihre Haltung gegen Bambu Lab als Widerstand gegen „progressive enclosure“ ein – also gegen eine Entwicklung, bei der Hersteller Software-Sperren nutzen, um einmal gekaufte Hardware schrittweise in kontrollierte Dienste zu verwandeln.
Um ein weiteres Zeichen zu setzen, kündigte Gamers Nexus an, fast 5.000 US-Dollar in Prusa-Equipment zu investieren und die eigenen Bambu-Drucker auszusortieren – obwohl man von der Druckqualität beeindruckt sei. Gamers Nexus schrieb dazu:
„Wir haben uns für Bambu-Lab-H2S-Maschinen entschieden. Mit der Qualität der Drucke waren wir zufrieden, aber das Unternehmen erinnert uns an Nvidia: Die Produktqualität ist gut, aber die Firma wird von Arschlöchern geführt.“
Bambu Lab hat bislang weder mit einer Eskalation noch mit einer Deeskalation auf die Situation reagiert. Auch wenn das Unternehmen nach außen hin starke 3D-Drucker anbietet, hinterlassen der schrittweise Ausbau von Software-Sperren und der Umgang mit Kunden wie Pawel in der Tech-Community einen bitteren Beigeschmack.




