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Bambu Lab X2D im Detail: Dual-Düse halbiert Druckzeit und reduziert Abfall drastisch

Der Benchy schwimmt auf Plastikmüll
Der Benchy schwimmt auf Plastikmüll
Wir schauen noch einmal ganz genau auf den X2D: Macht der spezielle Werkzeugkopf mit seinen zwei Düsen überhaupt Sinn und wie ist die Nutzung? Das System bietet einen deutlichen Mehrwert, allerdings geht es nicht ganz ohne Abfall.

In unserem ausführlichen Review zum Bambu Lab X2D (im Preisvergleich) sind wir schon ein wenig auf den aus zwei einzelnen Düsen bestehenden Werkzeugkopf eingegangen, welchen wir noch einmal in die Welt des 3D-Drucks einordnen wollen. Wir bewegen uns grundsätzlich im Multi-Filament-Druck, also dem Drucken von verschiedenen Farben oder Filamentarten in einem einzelnen Druckvorgang. Eine solche Möglichkeit bieten verschiedene und auch preisgünstigere Drucker. Das Grundprinzip ist dann relativ einfach: Das Filament wird geschnitten, mithilfe des Filamenttrockners mit Zuführfunktion dann aus den Schlauch-Zuführungen gezogen und ein neues Filament in den Extruder gegeben. An dieser Stelle müssen wir noch einen kleinen Exkurs in die generelle Funktionsweise von 3D-Druckern einschieben - wollen diesen aber möglichst verständlich und damit möglicherweise eher modellhaft als bis ins letzte Detail technisch akkurat belassen.

Grundsätzlich: Ein 3D-Drucker arbeitet „im Fluss“. Es handelt sich also nicht um ein System, welches sofort angeschaltet werden kann. Eine gewisse Aufwärmphase oder auch „Einschwingzeit“ ist nötig. Man kann sich hier durchaus einen Gartenschlauch vorstellen: Zwischen der Öffnung des Wasserhahns und einem stabilen Wasserstrahl vergeht etwas Zeit. Zudem wird man nicht selten noch an der Bewässerungsdüse oder dem Wasserhahn justieren, um ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen. Selbiges gilt für einen 3D-Drucker: Es gibt eine gewisse Aufwärmphase (Priming), nach der ein Filament erst wirklich reproduzierbar extrudiert wird. Dieses Priming ist dabei vom Spülen (Purging) zu unterscheiden. Dieses Spülen ist immer dann nötig, wenn das Filament gewechselt wird. Im Hotend befinden sich nämlich schon Filament, welches nicht mehr zurückgezogen werden kann. Auf den untenstehenden Fotos sieht man genau, wie der Wechsel zwischen einem grauen und einem weißen Filament am Filament-Abfall der Zwischenphase sichtbar ist.

Keine Nudeln, sondern der Abfall - man sieht den Farbübergang
Keine Nudeln, sondern der Abfall - man sieht den Farbübergang
Beim Druck mit nur einer Düse fällt massiv viel Abfall an
Beim Druck mit nur einer Düse fällt massiv viel Abfall an
Dieser Priming-Tower fängt die noch nicht reproduzierbare Extrusion auf
Dieser Priming-Tower fängt die noch nicht reproduzierbare Extrusion auf

Sinnvoll, aber nicht frei von Abfall

Genau dieser Unterschied zwischen Priming und Purging ist auch beim X2D elementar wichtig: Das Purging kann komplett entfallen, das Priming aber nicht, da nur eine Druckdüse gleichzeitig arbeiten kann. In unserem Test mit dem Multicolor-3D-Benchy von 3Designs zeigt sich der X2D mit der Nutzung beider Düsen trotzdem als klar überlegen. Werden beide Düsen genutzt, fallen für das 12-Gramm-Modell nur rund 20 Gramm Abfall an, die fast vollständig auf den Purging-Tower entfallen. Wird nur eine Düse genutzt und muss das Filament somit immer wieder gewechselt und die Düse gespült werden, kommen auf 12 Gramm eigentliches Modell rund 70 Gramm Abfall - 52 Gramm sind dabei der durch das Spülen erzeugte Abfall. Bei der Druckdauer schlägt dies ebenfalls voll durch: Mit nur einer Druckdüse wächst die Druckzeit von 2,7 auf 5,8 Stunden. Zwei Dinge gibt es dabei zu beachten: Wir haben Standardeinstellungen verwendet und die Zahlen in der Praxis dürften auch extrem stark vom konkreten, zu druckenden Modell abhängen. Die folgerichtige Frage ist nun noch, ob man denn auf den Priming-Prozess verzichten kann. Dann fällt der Priming-Turm weg und die Druckzeit reduziert sich auf nur 1,7 Stunden bei der Nutzung beider Düsen.

In unserem Test war der Verzicht auf das Priming nicht sinnvoll. Bambu Lab rät deutlich davon ab und das völlig zurecht, da es zu einer massiven Verschlechterung der Druckqualität kommt. Für das Drucken ohne Priming wären dann wahrscheinlich Drucksysteme mit zwei unabhängigen Werkzeugköpfen erforderlich. Dabei handelt es sich aber um Spezialanwendungen. Abgesehen von der Materialersparnis ermöglichen zwei Düsen auch weitere Möglichkeiten. Relevant könnte hier das Drucken von Stützstrukturen mit einem anderen Material sein. Damit ließe sich ein preisgünstigeres Filament für die Stützstrukturen nutzen. Nich günstig ist das von Bambu Lab angebotene PVA, welches speziell für den Druck von Stützstrukturen konzeptioniert ist. Der Kniff: PVA ist wasserlöslich, damit müssen Stützstrukturen nicht mechanisch entfernt werden, sondern lösen sich im Wasserbad auf. Auch diese Anwendung dürfte nicht ganz alltäglich sein. Auf eine spezifische Einschränkung wollen wir noch hinweisen: Käufer erhalten mit dem Bambu X2D den Drucker und ein AMS 2 Pro-Modul. Das AMS 2 Pro-Modul bietet keinen Bypass, mit welchem eine einzelne Spule unter Umgehung der Filamentzuführung mit einem zweiten Extruder verbunden werden kann. Damit kann nur eine der beiden Düsen ihr getrocknetes (!) Filament aus dem AMS erhalten. Für eine der beiden Düsen (in der Praxis wohl meist die Hilfsdüse) dürfte damit der Kauf eines auch günstigen Filamenttrockners (z.B. bei Amazon) eine sinnvolle Investition sein.

Ohme Priming ergibt sich eine massive Einschränkung der Druckqualität
Ohme Priming ergibt sich eine massive Einschränkung der Druckqualität
Besonders im direkten Vergleich ist diese sofort sichtbar
Besonders im direkten Vergleich ist diese sofort sichtbar
Im Bambu X2D (Combo) kommen standardmäßig 0,4-Millimeter-Düsen zum Einsatz.
Im Bambu X2D (Combo) kommen standardmäßig 0,4-Millimeter-Düsen zum Einsatz.

Die zweite Düse des X2D ist sinnvoll

Geht mit dem X2D der Multi-Material-Druck ganz ohne Abfall? Nein. Das liegt aber weniger am Gerät als an der Technik selbst. Gleichwohl kann sich eine ganz erhebliche Reduktion der Abfallmenge und auch der Druckzeit ergeben, das Multi-Düsen-System ist also grundsätzlich sinnvoll und auch leistungsfähig. Wie auch schon im Review gezeigt, geht mit der Nutzung zweier Düsen eben nicht zwangsläufig eine Reduktion der Druckqualität einher, so wirken solche Drucke trotzdem wie aus einem Guss. Dass die Nebendüse etwa kein TPU und eine geringere, maximale Geschwindigkeit unterstützt, war in der Praxis schlicht keine signifikante Einschränkung. Die Konfiguration von Drucken mit den beiden Düsen in der Software geht dabei sehr leicht von der Hand, Vorschläge zur sinnvollen Gruppierung werden geliefert.

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> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-06 > Bambu Lab X2D im Detail: Dual-Düse halbiert Druckzeit und reduziert Abfall drastisch
Autor: Silvio Werner,  6.06.2026 (Update:  6.06.2026)