Bisher „größte Bedrohung“: Neue EU-Regeln könnten Online-Gaming stark einschränken

Stop Killing Games ist eine Initiative, die sich dafür einsetzt, dass gekaufte Spiele nicht dauerhaft unspielbar werden, sobald Publisher ihre Server abschalten. Ein neuer EU-Gesetzesentwurf könnte dieses Ziel jedoch gefährden. Am 17. September 2026 hat die Europäische Kommission offiziell den den EU KIDS Act vorgestellt. Er soll Minderjährige bei der Nutzung digitaler Dienste besser schützen und betrifft neben sozialen Netzwerken, Videoplattformen und KI-Chatbots ausdrücklich auch Online-Spiele. Vorgesehen sind unter anderem stärkere Schutzvorgaben und Verfahren zur Altersverifizierung. Der Entwurf muss noch vom Europäischen Parlament und dem Rat beraten werden.
Schon vor der offiziellen Vorstellung wurde eine Fassung des Gesetzesvorschlags geleakt. Diesen hat Stop Killing Games nun genauer unter die Lupe genommen – und kommt in einem dazugehörigen Video zu einer drastischen Einschätzung. Im Video bezeichnet der Sprecher den KIDS Act als die bislang „größte Bedrohung“ für das erklärte Ziel von Stop Killing Games. Der EU KIDS Act sieht strenge Vorlagen für Online-Dienste vor. Grund für die Sorge ist vor allem die sehr weit gefasste Definition von Online-Spielen und den daran geknüpften Pflichten.
Nach Interpretation von Stop Killing Games könnten künftig nicht nur klassische Live-Service- oder Multiplayer-Titel darunterfallen, sondern auch Spiele mit einzelnen Online-Funktionen – etwa Leaderboards, herunterladbaren Updates oder privat betriebenen Servern. Im Video wird sogar die Befürchtung geäußert, dass praktisch jedes digital vertriebene Spiel als Online-Dienst behandelt werden könnte. Der Sprecher räumt allerdings selbst ein, dass der Entwurf an dieser Stelle nicht eindeutig formuliert sei.
Altersverifikation für alle Online-Spiele, das Aus für private Server?
Besonders kritisch sieht Stop Killing Games die geplante Altersverifizierung. Einfach ein Geburtsdatum einzugeben, wird künftig wahrscheinlich nicht mehr ausreichen. Stattdessen könnten Anbieter verpflichtet werden, zuverlässigere Verfahren zur Altersverifikation einzusetzen, bevor Nutzer bestimmte Online-Funktionen verwenden dürfen. Stop Killing Games befürchtet deshalb, dass Spieler persönliche Informationen hinterlegen müssten – und dass dies nicht nur auf größeren Plattformen wie Steam erforderlich sein könnte, sondern möglicherweise sogar bei einzelnen Spielen.
Genauso drastisch könnten die möglichen Folgen für private Server ausfallen. Wird der Betreiber eines solchen Servers rechtlich als Anbieter eines Online-Spiels behandelt, müsste auch er die neuen Schutz- und Altersvorgaben erfüllen. Stop Killing Games sieht darin einen direkten Widerspruch zum eigenen Ziel: Wird ein offizieller Server abgeschaltet, könnten Fans ein älteres Spiel zwar technisch durch eigene Server am Leben erhalten, sich damit nach Interpretation der Initiative aber rechtlich angreifbar machen. Im Video nennt der Sprecher Minecraft und Unreal Tournament als Beispiele.
Lohnt es sich dann noch für Entwickler, Online-Spiele in der EU anzubieten?
Ein nicht zu unterschätzender Punkt sind mögliche Kosten für Entwickler. Altersverifizierung, zusätzliche Schutzmechanismen und weitere Compliance-Vorgaben könnten kleinere Studios finanziell überfordern. Der Sprecher kritisiert, dass der Entwurf seiner Auffassung nach keine generelle Ausnahme für kleine Entwickler vorsieht. Im schlimmsten Fall könnten Studios deshalb darauf verzichten, Online-Spiele überhaupt noch in der EU anzubieten.
Ganz eindeutig ist diese Auslegung jedoch nicht. Im Video wird mehrfach eingeräumt, dass einige Formulierungen schwer zu interpretieren seien und selbst konsultierte Anwälte nicht in allen Punkten zu derselben Einschätzung gekommen seien. Die hier beschriebenen möglichen Folgen sind daher ausdrücklich nicht als bereits feststehende Rechtslage zu verstehen, sondern als Warnung von Stop Killing Games vor möglichen Auswirkungen des Gesetzesentwurfs.
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Bildquelle: samsungmemory / Unsplash
