Clair Obscur: Expedition 33 war eines der größten Spiele des Jahres 2025. Der Debüttitel von Sandfall Interactive sorgte branchenweit für Aufsehen und gewann auf verschiedenen Veranstaltungen mehrere Auszeichnungen. Gelobt wurde das Spiel vor allem für seine Erzählweise, die eigenständige künstlerische Ausrichtung, das rundenbasierte Kampfsystem sowie die gut geschriebenen Figuren. Für ein Erstlingswerk lag der Erfolg weit über dem, was viele erwartet hatten.
Mit einem solchen Echo geht in der Regel auch Druck einher. Fans erwarten mehr, Kritiker schrauben die Erwartungen weiter nach oben. Gerade bei einem jungen Studio wie Sandfall Interactive liegt die Vermutung nahe, dass sich das Team nun gezwungen sieht, sich selbst zu übertreffen oder sich stärker an den Wünschen der Spielerschaft zu orientieren. Doch die Entwickler haben klar gemacht, dass sie einen anderen Weg einschlagen wollen.
In einem Interview mit dem Edge Magazine (Ausgabe 419) äußerte sich der Chief Operating Officer und Production Director Francois Meurisse direkt zu diesem Thema. Er erklärte, dass man zwar durchaus einen gewissen Druck von Fans und Kritikern spüre, dieser für das Studio aber „nicht so wichtig“ sei.
Meurisse betonte außerdem, dass sich das Team für das nächste Projekt bewusst Zeit lasse und bereits einige starke Ideen habe, die man mit großer Begeisterung erkunden wolle. Zudem verfüge das Studio inzwischen über rund fünf Jahre mehr Erfahrung als zu Beginn der Arbeit an Expedition 33, was ganz neue Möglichkeiten eröffne, Projekte auf größerer Ebene umzusetzen.
„Wir werden genug Zeit haben, uns wirklich intensiv auf das nächste Spiel zu konzentrieren. Wir haben einige großartige Ideen, auf deren Umsetzung wir uns sehr freuen, und wir starten nicht mehr am gleichen Punkt. Das Team hat inzwischen fünf Jahre mehr Erfahrung. Vielleicht können wir damit wirklich etwas Besonderes schaffen.“
Auch die Lead-Autorin Jennifer Svedberg-Yen teilte eine ähnliche Sichtweise. Sie räumte ein, dass sie von Natur aus dazu neige, es allen recht machen zu wollen, und dass die Erwartungen der Fans immer im Hinterkopf präsent seien. Ihr sei bewusst, dass viele Spieler inzwischen sehr genau verfolgen, was das Studio als Nächstes macht. Dennoch habe Sandfall Interactive von Anfang an den kreativen Kurs daran ausgerichtet, „was wir selbst cool finden“, und genau diesem Instinkt wolle man auch weiterhin folgen.
„Ich bin ein bisschen ein People Pleaser, deshalb habe ich immer im Hinterkopf, dass wir jetzt viele Fans haben, die bestimmte Erwartungen und Gefühle gegenüber dem Spiel mitbringen“, sagte sie. Weiter führte sie aus: „Kreativ war unser Nordstern schon immer unser eigener Geschmack – also das, was wir selbst cool finden, was wir gerne sehen und erleben möchten.“
Zudem erklärte sie, dass sie zu oft erlebt habe, wie Fernsehserien und Bücher ihre Identität verloren hätten, weil versucht wurde, zu viele unterschiedliche Meinungen gleichzeitig zufriedenzustellen. In solchen Fällen gehe häufig der Kern der Geschichte verloren – und genau das wolle sie unbedingt vermeiden.
„Ich habe zu viele Serien und Bücher gesehen, die sich verbogen haben, um es möglichst vielen recht zu machen – und dabei das Herz der Geschichte verloren haben. Deshalb haben wir das Gefühl, dass wir unseren Instinkten vertrauen und der Vision des Studios treu bleiben müssen.“










