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Claude: Fremde nutzen dein Limit, Anthropic löscht deine Karte

Laptop-Bildschirm mit der Fehlermeldung Authentication Failed nach einem gescheiterten Login.
ⓘ Markus Spiske / Pexels
Wer betroffen war, muss sich neu bei Claude anmelden und die Karte erneut hinterlegen.
Anthropic hat Claude-Nutzer abgemeldet und ihre hinterlegte Karte entfernt. In einer Mail an Betroffene nennt das Unternehmen den Grund. Infostealer-Malware hat auf ihren Rechnern die Claude-Anmeldung kopiert, Fremde verbrauchten damit das bezahlte Kontingent. Passwort und Zwei-Faktor-Code brauchten sie dafür nicht.

Wenn sich dein Claude-Limit auffüllte und dann verschwand, obwohl du Claude gar nicht benutzt hast, war vermutlich jemand anderes in deinem Konto unterwegs. Anthropic hat betroffene Nutzer inzwischen abgemeldet und die gespeicherte Zahlungsmethode aus ihren Konten entfernt. Wer weiterarbeiten will, muss sich neu anmelden und die Karte erneut hinterlegen.

Den Grund nennt das Unternehmen in einer Mail an Betroffene, die ein Nutzer im Forum r/ClaudeAI veröffentlicht hat. Ein Angreifer nutze verbreitete Infostealer-Malware, um Claude-Anmeldungen von den Rechnern der Nutzer zu stehlen, und greife mit diesen Anmeldungen auf die Konten zu, um deren Kontingent zu verbrauchen. Wörtlich heißt es dort, der Verdacht bestätige sich, wenn die Nutzungsgrenzen sich scheinbar auffüllten und wieder leerten, ohne dass der Besitzer Claude überhaupt geöffnet hatte. Eine öffentliche Mitteilung dazu gibt es bisher nicht, auf der Statusseite von Anthropic taucht der Vorfall nicht auf.

Infostealer kopiert die fertige Anmeldung

Ein Infostealer ist Schadsoftware, die möglichst unauffällig Zugangsdaten einsammelt und an ihre Betreiber schickt. Sie sperrt nichts und fordert kein Lösegeld, sie liest mit. Nach Angaben von Anthropic kopiert sie gespeicherte Passwörter, Login-Cookies aus dem Browser und Zugangsdaten anderer lokal laufender Programme. Die Claude-Sitzung war demnach nur einer von vielen Datensätzen, die dabei abgeflossen sind.

Benannt werden Vidar, Lumma (LummaC2), StealC, RedLine und Acreed unter Windows sowie Atomic Stealer auf einer kleineren Zahl von Macs. Anthropic betont, die Malware habe nichts mit Claude zu tun und sei weder über Claude installiert worden noch auf eine Handlung der Nutzer im Produkt zurückzuführen. Sie komme typischerweise über inoffizielle Downloads oder manipulierte Apps. Handys und Tablets waren nach bisherigem Ermittlungsstand nicht beteiligt.

Warum der zweite Faktor nicht half

Eine Sitzung ist der Nachweis, dass du dich bereits angemeldet hast. Er liegt als Cookie auf deinem Rechner, und wer ihn kopiert, muss den Anmeldevorgang kein zweites Mal durchlaufen. Passwort und Zwei-Faktor-Code werden dabei übersprungen, weil sie an dieser Stelle gar nicht mehr abgefragt werden. Wie dieser Angriff im Detail funktioniert, haben wir im Magazin ausführlich beschrieben, und bei ChatGPT stellte sich vor wenigen Tagen eine ähnliche Frage.

Der betroffene Reddit-Nutzer hatte sich ein Raubkopie-Spiel heruntergeladen. Windows Defender schlug nicht an. Dass Spielekopien aus zweifelhaften Quellen genau dafür gebaut werden, ist kein neues Muster, ein kostenloses Steam-Spiel hat seine Nutzer auf demselben Weg bestohlen.

Abmelden reicht nicht

Anthropic beschreibt zwei Schritte. Die Abmeldung beendet die gestohlene Sitzung überall, deshalb mussten Betroffene sich auf allen eigenen Geräten neu anmelden. Die entfernte Zahlungsmethode lässt sich über Claude nicht mehr belasten, das laufende Abo gilt bis zum Ende der bereits bezahlten Periode. BleepingComputer berichtet zusätzlich, dass Anthropic Abbuchungen erstattet, die es als unberechtigt einstuft. Das Unternehmen kündigt außerdem an, Nutzer bei ähnlichen Auffälligkeiten erneut abzumelden.

Der wichtigste Satz der Mail steht am Ende. Das Abmelden stoppt die gestohlene Sitzung, es entfernt die Malware aber nicht, und solange sie auf dem Rechner liegt, wird die nächste Anmeldung genauso abgegriffen.

Der Nutzer ließ Claude aufräumen, Fachleute raten ab

Der Betroffene setzte anschließend Claude Opus auf seinen eigenen Rechner an, um den Schädling zu finden und abzuschalten. In den Kommentaren widersprach ein Sicherheitsfachmann mit zwanzig Jahren Berufserfahrung deutlich und empfahl, das System vollständig neu aufzusetzen und sämtliche Passwörter zu ändern. Solche Malware lege regelmäßig Kopien an, mit denen sie sich selbst wiederherstellt. Wer betroffen ist, fährt mit der Neuinstallation sicherer.

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Autor: Steffen Zahn, 31.08.2026 (Update: 31.08.2026)