Counterpoint: Apple überholt Samsung bei Vertragshandys in Europa

In Europa werden immer weniger Smartphones verkauft – aber nicht über alle Vertriebswege gleich wenig. Wer sein Handy beim Mobilfunkanbieter kauft, greift im Schnitt zu teureren Geräten, und genau dieser Kanal hat sich im zweiten Quartal 2026 deutlich besser gehalten als der freie Handel. Laut einer neuen Analyse von Counterpoint Research sanken die Verkäufe über Netzbetreiber im Jahresvergleich um 4 %, im offenen Markt dagegen um 11 %. Insgesamt gingen in Europa 8 % weniger Smartphones über die Ladentheke.
Der größte Profiteur ist Apple. Im Betreiberkanal kam der Konzern auf 37 % Marktanteil, nach 33 % im Vorjahresquartal, und hat damit Samsung überholt, dessen Anteil von 39 auf 34 % fiel. Das stärkste Wachstum verbuchte allerdings vivo: Die Verkäufe der chinesischen Marke über Netzbetreiber legten um 90 % zu, Motorola folgt mit 27 %. Beide haben laut Counterpoint gezielt Partnerschaften mit wichtigen europäischen Netzbetreibern aufgebaut.
Die Speicherkrise trifft die Einsteigerklasse
Warum hält sich gerade dieser Kanal so gut? Die Erklärung liegt in der Speicherkrise: Weil Chiphersteller ihre Kapazitäten auf KI-Rechenzentren ausrichten, sind Arbeits- und Flashspeicher deutlich teurer geworden – und das trifft vor allem günstige Smartphones. Das untere Marktsegment ist 2026 laut Counterpoint-Analyst Jan Stryjak regelrecht eingebrochen. Über Netzbetreiber werden dagegen eher hochwertige Geräte im Vertrag verkauft, häufig von Apple, Samsung und Google, und dieser Teil des Marktes steckt die gestiegenen Kosten besser weg.
Das passt zur Gesamtlage. Bereits im August hatte Counterpoint gemeldet, dass die Smartphone-Auslieferungen in Europa im zweiten Quartal um 10 % auf 35 Millionen Geräte gefallen sind, der schwächste Wert für ein zweites Quartal seit 2023. Apple und Samsung lagen dort mit jeweils 34 % gleichauf. Die beiden Zahlen messen Unterschiedliches – einmal die Auslieferungen insgesamt, einmal die Verkäufe je Vertriebsweg –, zeigen aber in dieselbe Richtung.
Vertragshandys gewinnen, der Handel lockt mit Rabatten
Stryjak erwartet, dass der Betreiberkanal in den kommenden Quartalen weiter Anteile gewinnt, solange die Speicherkrise die günstigen Modelle belastet. Gegensteuern könnte ausgerechnet der freie Handel, der zuletzt mehr Rabattaktionen gefahren hat als die Netzbetreiber. Für Käufer günstiger Smartphones bleibt die Lage trotzdem unangenehm, zumal auch Samsung seine Preise in Deutschland angehoben hat. Für Apple dagegen läuft es in Europa erstaunlich rund – die Krise der Einsteigerklasse ist für den iPhone-Hersteller eher Rückenwind als Problem.





