Crucial 128GB RAM: Garantiefall endet mit 225 Euro Erstattung statt Ersatz

Ein Reddit-Nutzer berichtet, dass Crucial, die inzwischen eingestellte Consumer-Marke für Arbeitsspeicher und Datenträger von Micron, für ein defektes 128GB-DDR5-Kit lediglich 225 Euro erstatten wollte. Dabei hatte Crucial den Austausch im Rahmen der Garantie für dasselbe Kit bereits genehmigt, später jedoch einen Rückzieher gemacht. Das identische Crucial Pro 128GB (2 x 64GB) DDR5-5600 ist zuletzt für umgerechnet rund 1.800 Dollar angeboten worden. Die vorgeschlagene Erstattung deckt damit nur einen Bruchteil der derzeitigen Kosten für einen gleichwertigen Ersatz.
Nach Angaben des Kunden war lediglich eines der beiden 64GB-Module defekt. Im Zuge der Garantieabwicklung musste jedoch das komplette Kit eingeschickt werden, sodass der Besitzer auch ein voll funktionsfähiges 64GB-DIMM abgeben musste. Crucial bot stattdessen die Erstattung des ursprünglichen Kaufpreises an, was der Kunde ablehnte. Er verlangte entweder gleichwertigen Ersatz oder eine Entschädigung, die für den Kauf eines vergleichbaren Kits zum aktuellen Preis ausreicht. Zudem forderte er das ursprüngliche Kit zurück. Crucial müsse dem Bericht zufolge jedoch zunächst klären, ob der Arbeitsspeicher bereits bearbeitet oder entsorgt worden sei. Sollte dies der Fall sein, bliebe der Nutzer ohne RAM und erhielte bestenfalls 260 Dollar.
Es handelt sich nicht um die erste aktuelle Beschwerde über Crucials Garantieabwicklung seit dem Rückzug des Mutterkonzerns aus dem Endkundengeschäft mit Arbeitsspeicher. Anfang August hat ein anderer Reddit-Nutzer berichtet, ein defektes Crucial 48GB-DDR5-Kit eingeschickt und zunächst ein Erstattungsangebot über 241 Dollar erhalten zu haben, das sich am ursprünglichen Kaufpreis orientierte. Ein vergleichbares 48GB-DDR5-Kit kostete zu diesem Zeitpunkt rund 650 Dollar. Micron änderte schließlich seine Entscheidung und schickte dem Kunden stattdessen drei Crucial-Pro-DDR5-6400-Module mit jeweils 16GB.
Die beiden Fälle sind kurz nach einem ähnlichen Garantiestreit bekannt geworden, für den der Reparaturverfechter Louis Rossmann Samsung öffentlich scharf kritisiert hat. Rossmann hatte die später ausgefallene 990 Pro mit 4TB vor dem starken Anstieg der SSD-Preise für rund 300 Dollar gekauft. Samsung habe ihm zunächst lediglich eine Erstattung in Höhe des damaligen Kaufpreises angeboten und dies damit begründet, keinen Ersatz liefern zu können.
Rossmann wandte ein, dass sich mit diesem Betrag keine gleichwertige SSD mehr kaufen lasse. Kann ein Hersteller ein während der Garantiezeit ausgefallenes Produkt nicht ersetzen, müsse die Entschädigung seiner Ansicht nach ausreichen, um ein gleichwertiges Produkt zum aktuellen Preis zu erwerben. Nachdem Rossmann beschlossen hatte, vor Gericht zu ziehen, erstattete Samsung schließlich über 1.000 Dollar, was ungefähr den damaligen Kosten für eine neue Samsung 990 Pro entsprach. In einem späteren Video betonte Rossmann, Samsung nicht tatsächlich verklagt zu haben. Der Streit sei noch vor Ablauf der vorgeschriebenen Wartefrist beigelegt worden.
Die Vorwürfe wiegen besonders schwer, weil Micron bei der im Dezember 2025 angekündigten Einstellung des Crucial-Endkundengeschäfts ausdrücklich zugesichert hatte, bestehende Garantien weiterhin zu erfüllen. Diese Zusage galt auch nach dem Ende des Einzelhandelsverkaufs von RAM und SSDs. Technisch gesehen sind damit weiterhin Erstattungen möglich, wenn kein direkter Ersatz verfügbar ist. Die jüngsten Fälle verdeutlichen jedoch das Problem, wenn sich die Erstattung nach einem alten Kaufpreis richtet, während die Kosten für gleichwertigen Arbeitsspeicher drastisch gestiegen sind. Für die Betroffenen grenzt eine solche Garantieabwicklung an Betrug.



