The Elder Scrolls IV: Oblivion erschien im März 2006 und markierte einen Meilenstein für First-Person-RPGs. Entwickelt von den Bethesda Game Studios, heutzutage bekannt für Genre-Größen wie Fallout 3, Skyrim und Starfield, bot das Spiel eine für die damalige Zeit beispiellose Freiheit und war auch technisch von höchster Güte.
Die Story setzt ein, als der Kaiser ermordet wird und sich dämonische Daedra aus der Parallelwelt Oblivion auf Cyrodiil stürzen. Spieler konnten die weite Welt erkunden, sich Gilden anschließen und ihre Charakterklassen flexibel gestalten. Neben Klassikern wie Krieger, Magier und Bogenschütze konnte man sich seine Klasse auch völlig frei zusammenstellen.
Neben der beeindruckenden Technik und der nie dagewesenen spielerischen Freiheit waren es auch die im Vergleich zu den Vorgängern deutlich zugänglicheren Spielsysteme, die Oblivion endgültig in den Mainstream katapultierten und es für viele zu einem der bedeutsamsten Rollenspiel aller Zeiten machten.
Das Remaster: Ein Klassiker mit neuem Anstrich
Am 22. April 2025 war es endlich so weit: Rund 19 Jahre nach Release des Originalspiels hat Bethesda in Zusammenarbeit mit den pariser Entwicklern von Virtuos eine Neuauflage des gefeierten RPGs auf die Spieler losgelassen. The Elderscrolls IV: Oblivion Remastered bleibt seinen Wurzeln treu – und das ist ausdrücklich positiv gemeint. Die Kernelemente des Originals bleiben erhalten, während Technik und Komfort auf den Stand der heutigen Zeit gehoben werden.
Die Story bleibt komplett unverändert. Einige neue Dialoge und Synchronsprecher sorgen dabei für ein frisches Spielgefühl, ohne die Essenz des Originals zu verlieren. Übrigens: Bethesda schenkt uns alle DLCs des Originalspiels. Die sind im Remaster nämlich integriert. Besonders hervorzuheben sind die beiden großen Inhaltserweiterungen Shivering Isles und Knights of the Nine.
Das Remaster nutzt nun die Unreal Engine 5, kombiniert mit Bestandteilen der originalen Gamebryo-Engine für Physik und Spielmechanik. Technisch warten Features wie:
- DLSS und Frame Generation
- Ray Tracing, dynamische Beleuchtung und volumetrischer Nebel
- 4K-Auflösung und unlimitierte FPS
Im Vergleich zum Original ist das Remaster deutlich detaillierter, lebendiger und insgesamt schöner. Besonders aufgefallen sind in unserem Spieldurchlauf die neu gestalteten Modelle, die neuen Gesichtsanimationen und das deutlich wuchtigere Kampfsystem. Besonders für deutschsprachige Fans ist allerdings ärgerlich, dass die deutsche Synchronisation im Remaster komplett fehlt – immerhin war das Original noch komplett vertont.
Gameplay-Änderungen – es hat sich einiges getan
Während das klassische Oblivion-Feeling bewahrt wurde, bringt das Remaster zahlreiche sinnvolle Modernisierungen mit sich. So wurde das Level-System überarbeitet und ist nun deutlich intuitiver: Pro Stufenaufstieg lassen sich zwölf Skillpunkte frei verteilen. Im ursprünglichen Spiel musste man noch durch das gezielte Steigern bestimmter Hauptfertigkeiten aufleveln, was viele Spieler als umständlich und wenig intuitiv empfanden.
Ein Segen für Ungeduldige ist die neue Sprintfunktion, mit der man sich nun erheblich schneller durch die weiten Ebenen und dichten Wälder von Cyrodiil bewegen kann. Dadurch ist das Erkunden weniger mühsam und der Fortschritt fühlt sich etwas flotter an. Zudem haben die Entwickler die Third-Person-Perspektive mit neuen HUD-Elementen aufpoliert. Im Original war die Schulterkamera nämlich eher ein Gimmick, jetzt kann das ganze Spiel ohne spielerische Nachteile aus der Außenansicht erlebt werden.
Kampfsystem: Wuchtiger und anspruchsvoller
Auch im Kampfsystem hat sich einiges getan – das fühlt sich jetzt deutlich moderner an, behält aber seinen nostalgischen Charme. Das Remaster setzt im Gegensatz zum Original nämlich auf aktives Ausdauer-Management und bringt außerdem ein neues Block-System mit. Das Blocken von Angriffen bringt Gegner aus dem Gleichgewicht und mit gutem Timing lässt sich der Schaden jetzt noch weiter reduzieren. Zugegeben: Die Kämpfe sind dadurch etwas anspruchsvoller, machen aber auch mehr Spaß. Wir hatten jedes Mal viel Freude dabei, einem Dremora mit unserem Kriegshammer auf die Rübe zu hauen.
Bogenschießen und Schleichen fühlt sich deutlich besser an
Upgrades gab es auch für Bogenschießen und Schleichen. Treffer mit Pfeil und Bogen sind nun um einiges befriedigender. Neben einer überarbeiteten Pfeilphysik, die für ein realistischeres Trefferverhalten sorgt, gibt es nämlich auch neue Trefferanimationen und ein überarbeitetes Sound-Feedback. Es kommt einfach Freude auf, wenn man aus der Ferne einem ahnungslosen Banditen einen Pfeil zwischen die Schulterblätter jagt.
Auch die Neuerungen beim Schleichen finden wir gelungen. Im Original war das Herumpirschen oft frustrierend, weil Gegner entweder viel zu spät oder völlig unlogisch auf Bewegungen reagierten. Nun reagieren Feinde deutlich konstanter auf Sicht- und Geräuschquellen – und eine neue Schleichanzeige gibt klareres Feedback darüber, ob man entdeckt wurde oder nicht.
Benutzeroberfläche: Schick aber unzugänglich
Die Benutzeroberfläche hat eine komplette Verjüngungskur bekommen und sieht nun deutlich moderner aus. Aber: Wir hätten uns gewünscht, dass Bethesda sie auch etwas zugänglicher gestaltet. Wenn wir beispielsweise einen Gegner looten, können wir entweder mit der R-Taste alle Gegenstände einsammeln oder müssen jedes einzelne Item mit der Maus anklicken. Besser würden wir es finden, wenn man per Tastendruck durch das Gegnerinventar scrollen könnte. Einstellen kann man das leider nicht. Die Tastenbelegung lässt sich nämlich generell nicht ändern. Hier wäre noch Luft nach oben.
Schwächen des Originals wurden „mitremastered“
Wie schon gesagt, haben die Entwickler es erfolgreich geschafft, die Essenz des Originalspiels zu bewahren – und dazu gehören auch einige Schwächen. So bleiben alte Limitierungen wie zahlreiche Ladebildschirme und ein schlichtes Dungeon-Design erhalten. Auch das Levelscaling der Gegner ist weiterhin problematisch: Gegner steigen im Level mit dem Spieler auf, wodurch sich Fortschritte im Charakteraufbau weniger belohnend anfühlen.
Die Schwierigkeitsgrade wirken ebenfalls unausgewogen. Während wir uns im „Adept“-Modus überhaupt nicht gefordert fühlten, kam im Modus „Experte“ schnell Frust auf – und zwar öfter als uns lieb war. Das liegt daran, dass sich die Modi nur im Schaden voneinander unterscheiden. Bei hohen Schwierigkeitsgraden steckt man mehr Schaden ein, teilt selbst aber weniger aus.
Wunderschön, aber hardwarehungrig
Optisch ist das Remaster ein Quantensprung gegenüber dem Original – allerdings zum Preis enormer Systemanforderungen. Für unseren Testdurchlauf haben wir ein System mit RTX 4080 Super, Ryzen 7 7800X3D und 64 GB RAM verwendet und alle Grafikeinstellungen hochgedreht. Während Dungeons stabil liefen, hatten wir auf unseren Erkundungstouren durch die Open World immer wieder mit Performance-Schwankungen zu kämpfen, die sich meist als kurze Ruckler bemerkbar gemacht haben. Im Durchschnitt betrug die Bildrate in der offenen Welt etwa 90 FPS. Ohne DLSS und Frame Generation sind die FPS allerdings deutlich niedriger.
Wer einen Ausflug in die aufpolierte Version von Tamriel plant, sollte also ein entsprechend leistungsstarkes System mitbringen – oder davon ausgehen, die Grafikeinstellungen ordentlich herunterschrauben zu müssen. Mit Fehlern ist aber dennoch zu rechnen. Während auf Reddit auch von Bugs berichtet wird, mussten wir uns in unserem Testdurchlauf nur über einige Crashes und endlose Ladebildschirme ärgern.
Fazit: Oblivion Remastered ist ein Held in neuer Rüstung – aber mit alten Narben
Die Welt ist schöner, das Spielerlebnis komfortabler und selbst die Goblins sehen jetzt halbwegs respektabel aus. Wer damals schon mit leuchtenden Augen durch Cyrodiil gestreift ist, wird sich sofort wieder heimisch fühlen – inklusive aller kleinen Macken, die schon 2006 für Diskussionen gesorgt haben.
Technisch lockt das Remaster mit schicker Grafik und modernen Features wie Raytracing, verlangt dafür aber auch Hardware, die so standhaft sein sollte wie ein kampferprobter Nord im Schneesturm. Alte Designschwächen wie ständige Ladebildschirme, merkwürdiges Levelscaling und repetitives Dungeon-Design wurden mitremastered – Nostalgie gibt es also samt Ecken und Kanten.
Kurzum: Für Fans des Originals ist das Remaster ein Pflichtkauf – eine starke Grafikkarte und eine gewisse Liebe für den alten Bethesda-Charme vorausgesetzt. Neueinsteiger sollten sich darauf einstellen, ein Rollenspiel zu erleben, das aus einer Zeit stammt, als eingängige Tutorials noch ein Privileg waren und Ladebildschirme noch zum guten Ton gehörten. Wer damit leben kann, bekommt ein echtes Stück Rollenspielgeschichte – schöner denn je, aber eben auch genauso störrisch wie damals.
Quelle(n)
Bildquelle: bethesda.net
















