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Erfahrungsbericht: Warum ich das 15 Zoll Leichtgewicht LG Gram 2018 aus Spanien importiert habe

Das 1,1 kg 15 Zoll-Leichtgewicht namens LG Gram 2018 kann man durchaus in einer Hand halten.
Das 1,1 kg 15 Zoll-Leichtgewicht namens LG Gram 2018 kann man durchaus in einer Hand halten.
(Update: Test jetzt online) Ein 15,6 Zoll-Notebook mit gerade mal 1,1 kg Gewicht ist einzigartig in der aktuellen Notebooklandschaft, auch wenn Acer mit dem Swift 5 bald einen Konkurrenten mit ähnlichen Werten auf den Markt bringt. Warum ich als Vielreisender den Umweg über Spanien gegangen bin, um an das LG Gram 2018 zu gelangen, was es von den US-Modellen unterscheidet und wie zufrieden ich mit dem Leichtgewicht bin, lest ihr hier. Einen ausführlichen Test gibt es in Kürze ebenfalls.

LG bietet seine Gram-Notebook-Reihe schon einige Jahre lang an, das hier diskutierte Modell ist die Top-Variante der 2018er Generation, die gegenüber den Vorjahren nochmal deutlich aufgewertet wurde. Quad-Cores der 8. Intel-Generation hat LG schon im zweiten Halbjahr 2017 eingesetzt, das zur CES 2018 erstmals vorgestellte Gram-Refresh brachte allerdings den wichtigen Thunderbolt 3-Port (nur im 15 Zöller) sowie die Neupositionierung der Webcam oberhalb des Displays und einen weiter auf 72 Wh angewachsenen Akku. Der Fingerabdrucksensor wanderte vom Trackpad in den Ein/Ausschalter und ist dort deutlich besser aufgehoben.

Es gibt kaum Konkurrenz 

Dem bereits angekündigten aber noch nicht verfügbaren 15 Zoll Acer Swift 5 hat das LG Gram den Thunderbolt 3-Port sowie den vermutlich stärkeren Akku voraus, dafür wird das Acer Swift 5 dank Intels 9560-Chip Bluetooth 5 beherrschen, was das LG Gram des Jahres 2018 noch nicht kann. Dennoch: Thunderbolt 3 ist für mich essentiell, insbesondere bei einem Notebook, das ohne diskrete Grafik ausgeliefert wird. Warum ich als Vielreisender das LG Gram überhaupt in die engere Wahl genommen habe lässt sich an meinen Prioritäten bei der Notebookwahl gut erkennen:

  • Möglichst geringes Gewicht
  • Möglichst großes Display
  • Laden per USB-C
  • Erweiterbarkeit (Anschlüsse, Thunderbolt 3)
  • Möglichst hohe Widerstandsfähigkeit gegen Stürze etc.
  • Akzeptable Tastatur und Trackpad
  • Lange Laufzeit

Performance ist für mich weniger wichtig als die oben genannten Punkte, dennoch soll das LG Gram langfristig auch als Desktop-Ersatz taugen, was es durch den Quad-Core i7 sowie die per eGPU ausbaufähige Grafik ermöglicht. Am aktuellen Notebookmarkt nimmt das LG Gram für alle Interessenten mit ähnlichen Prioritäten eine absolute Sonderstellung ein, es gibt schlicht keine (mir bekannte) Alternative, was es umso trauriger macht, dass LG den europäischen Markt seit Jahren gekonnt ignoriert (mit Ausnahme von Spanien).

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Die Unterschiede zu den US-Modellen 

Nachdem Amazon.es das LG Gram in der neuen Version seit Kurzem nun auch im Programm hat und verglichen mit Importhändlern günstig verkauft (wenn man bei Amazon seine eventuell vorhandene VAT-Nummer hinterlegt sogar ohne Mehrwertsteuer), fiel die Wahl also auf das dort gelistete Top-Modell 15Z980 mit 15,6 Zoll-Display, Core i7-Prozessor, 16 GB RAM sowie 512 GB SATA-SSD. Wichtig: Die ebenfalls verfügbaren 14 und 13 Zoll-Versionen bieten kein Thunderbolt 3, zudem hat keines der spanischen Modelle einen Touchscreen – das ist bei den US-Modellen anders. Dort liegt zudem ein USB-auf-RJ45-Adapter bei, der den spanischen Varianten fehlt.

Als letzter Unterschied sei noch das spanische Tastaturlayout erwähnt, das allerdings nur eine optische Beeinträchtigung darstellt und bei Bedarf auch mit Selbstklebefolien aus dem Zubehörhandel nachträglich in eine deutsche Version verwandelt werden kann. Die Erweiterbarkeit des LG Gram beschränkt sich übrigens nicht nur auf die externen Ports, ähnlich wie beim Xiaomi Notebook Air ist ein zweiter M.2-Slot integriert, der vom Nutzer selbst befüllt werden kann.

Bestellung und Umtausch

Wenn man über Amazon Spanien bestellt, muss man 6,95 Euro Versand bezahlen, ein kleiner Unterschied im Vergleich zur Bestellung bei Amazon.de. Auch bei einer Rücksendung im Falle eines Defekts muss man die Versandkosten erstmal vorstrecken, bekommt sie allerdings problemlos rückerstattet und zwar auch inklusive Versicherung. Sogar das hierzu benötigte Siegelband hat Amazon anstandslos rückerstattet, überhaupt kann ich sowohl über den spanischen LG-Support als auch den spanischen Amazon-Support nur Positives berichten.

Wer kein Spanisch spricht, kann sich die Webseiten von Amazon und LG Spanien bequem in Google Chrome übersetzen lassen. Das bestellte Notebook kam leider mit defekten Trackpad-Tasten an, was nach Rückfrage beim spanischen LG Email-Support (in Englisch) als Hardwaredefekt bestätigt wurde. Auch das spanische Amazon-Team hat problemlos in Englisch kommuniziert und schickte mir innerhalb von zwei Werktagen via UPS ein neues Ersatzgerät, das seither problemlos funktioniert. LG bietet auf das LG Gram insgesamt 2 Jahre Garantie (Akku 1 Jahr).

Es gibt einige Varianten. Nur die 15 Zöller haben Thunderbolt 3.
Es gibt einige Varianten. Nur die 15 Zöller haben Thunderbolt 3.
Wer eine VAT-Nummer hat, kann auch ohne Steuer kaufen.
Wer eine VAT-Nummer hat, kann auch ohne Steuer kaufen.
Das Päckchen kam nicht direkt von Amazon Spanien.
Das Päckchen kam nicht direkt von Amazon Spanien.


Die Vorteile ...

Die Kombination aus geringem Gewicht, großem Display und langer Akkulaufzeit, Laden per kleinem, transportablem USB-C-PD-Netzteil mit 60 Watt (das beiliegende Netzteil nutzt allerdings nicht USB-C) und Erweiterbarkeit mit externen Thunderbolt 3-Docks und eGPU-Gehäusen (bei mir mit dem HP Omen Accelerator GA1-10 und einer AMD Radeon RX550) ist einzigartig und hat in den ersten Wochen der Nutzung auch nicht enttäuscht. Zudem ist das Gehäuse nach MIL-STD 810G gegen allerlei Widrigkeiten getestet und sollte hoffentlich den einen oder anderen Stoß oder gar Sturz überleben, was ich bis dato allerdings glücklicherweise noch nicht bestätigen kann.

... und die Nachteile 

Alles ist dennoch nicht eitel Wonne am LG Gram 2018, es gibt durchaus noch Verbesserungsbedarf bei künftigen Generationen. An erster Stelle stehen hier wohl die Lautsprecher, die an der unteren Frontseite integriert sind und bei der Nutzung am Schoß allzu leicht komplett verdeckt werden sodass man kaum mehr etwas hört. Auch die hintergrundbeleuchtete Tastatur ist etwas gewöhnungsbedürftig, beispielsweise erwische ich statt der linken SHIFT-Taste öfter mal die spitzen Klammern. Last but not least wäre eine Touchscreen-Version wohl auch in den spanischen Modellen sehr praktisch, zumindest für jene, die ein gelegentliches Antippen des Displays bisher gewohnt waren. Das recht genau arbeitende Trackpad unterstützt allerdings jede Menge Gesten und bietet in Kombination mit den Windows-Precision-Treibern ein wenig Ersatz für den fehlenden Touch-Layer am Display, beispielsweise beim Scrollen auf einer Webseite.

Puristische Windows-Installation

Das an den Seiten leicht biegsame Display stört mich dagegen weniger – die Flexibilität des Gehäuses könnte im Falle eines Sturzes sogar von Vorteil sein. Lob muss man LG auch für die recht puritanisch gehaltene Windows-Installation aussprechen. Abgesehen von drei Cyberlink-Programmen in etwas älterer Version sowie einigen kleineren Spielen hat LG nur ein LG-Update- und ein Konfigurationsprogramm integriert, das insbesondere in Bezug auf das Laden per USB-C und die Akkukapazität praktische Settings liefert, beispielsweise das Begrenzen der Akkukapazität auf 80 Prozent um die Langlebigkeit zu erhöhen.


Tipps zur Neuinstallation 

Wer Windows dennoch komplett neu installieren will, kann das mit dem LG Gram im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern sehr leicht tun. Auch ohne Windows-Refresh über die versteckte OEM-Partition lassen sich alle LG-Treiber und die 2 LG-Anwendungen (minus der zusätzlich installierten Games und Programme) über die LG-Update-App nachinstallieren, die man über die US-amerikanische spanische Produktseite (seltsamerweise nicht die spanische) bequem auf ein jungfräuliches Windows nachinstallieren kann. So gelingt dann auch eine selbst gebastelte Windows-Installation problemlos mit allen LG-spezifischen Treibern. Wer noch mehr zur Hardware des LG Gram in der Version 15Z980-B.AA78B wissen will: Zum detaillierten Testbericht im gewohnt ausführlichen Notebookcheck-Stil geht es in Kürze hier lang.

LG Gram 2019 auch EU-weit zu haben?

Ich werde das spanische LG Gram wohl erstmal behalten. Eine echte Alternative gibt es in diesem Bereich für mich derzeit nicht, was sich hoffentlich in Zukunft ändert. Zudem hege ich die leise Hoffnung, dass LG seine Vertriebspolitik ändert und die LG Gram-Serie künftig EU-weit verkauft. Ein erstes Zeichen in diese Richtung ist die britische LG-Webseite, die das LG Gram nun ebenfalls ins Programm aufgenommen hat, die Hardware aber noch nicht über Amazon.co.uk verkauft. Auch im deutschsprachigen Raum finden sich sicher einige Interessenten für ein ultraleichtes, flexibel ausbaufähiges Notebook – warum sich LG Notebooks in Europa so rar machen ist für mich jedenfalls nicht verständlich.

Update 07.08.2018

Nach einigen Wochen intensiver Nutzung ist auch die vielleicht etwas ungewohnte Tastatur kein Problem mehr und Eingabefehler kommen kaum noch vor. Die Akkulaufzeit, die im standardisierten WLAN- und Videotest gut ausfällt, ist auch im Alltag sichtbar. Selbst bei intensiver Nutzung als Arbeitsgerät abseits der Steckdose ist abends noch genügend Saft für einen Film da - insgesamt bin ich also mit dem Preis/Leistungsverhältnis dieses Geräts absolut zufrieden.

Das spanische Layout ist vor allem ein optisches Problem.
Das spanische Layout ist vor allem ein optisches Problem.
Der Fingerabdrucksensor ist im Power-Button integriert.
Der Fingerabdrucksensor ist im Power-Button integriert.
Wenig Zubehör liegt bei, das Netzteil  ist keine USB-C-Variante.
Wenig Zubehör liegt bei, das Netzteil ist keine USB-C-Variante.

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Autor: Alexander Fagot, 30.07.2018 (Update: 10.08.2018)
Alexander Fagot
Alexander Fagot - Editor
Als Tech- und Gadget-begeisterter Allrounder mit Desktop-Selbstbau- und Overclocking-Vergangenheit, arbeitete ich als Filmvorführer noch mit dem guten alten 35 mm Film, bin dann zusehends auch professionell in die Computerwelt geschlittert und schuftete einige Jahre als Windows-Admin und Projektmanager. Nach längeren Reisen schreibe ich nun von allen Ecken dieser Welt aus als News-Redakteur für Notebookcheck und konzentriere mich im Moment tendenziell auf den Bereich Mobile.