Google hilft weltweit erstes großtechnisches "grünes Stahlwerk" in Betrieb zu nehmen

Das Stahl-Unternehmen Stegra baut in Boden, Schweden, eine komplett neue industrielle Anlage zur Produktion von grünem, also nahezu emissionsfreiem Stahl. Die Produkte am Standort sollen den Definitionen der IEA (International Energy Agency) für nahe-null-Emissionen-Stahl genügen.

Was ist Google Beitrag?
Google unterstützt das Unternehmen nun finanziell durch den Erwerb von sogenannten Umwelt-Zertifikaten (EACs, Environmental Attribute Certificates). Die Zertifikate beziehen sich auf einen Teil der Stahlproduktion im ersten Produktionsjahr und können einen Umfang von bis zu 91.000 Tonnen Stahl umfassen.
Was bringt das für den Klimaschutz?
Durch das Zertifikatgeld wird die Produktion gefördert, Stegra erhält schneller ihre teuren Investitionen in die grünen Produktionsanlagen zurück. Bei einer völlig neuen Technologie ist das größte Problem oft weniger die technische Machbarkeit, sondern die Finanzierung der industriellen Anlagen. Ein langfristiger Abnahmevertrag bzw. EAC-Kauf gibt allen Beteiligten Sicherheit, vor allem wenn die Produktion noch gar nicht angelaufen ist. Google signalisiert zudem dem Markt, dass das grüne Label einen wirtschaftlichen Wert hat. Die Nachfrage nach grünem Stahl steigt im besten Fall.

Was hat Google davon?
Google kauft den Stahl nicht physisch. Rechenzentren und Co verbrauchen eine Menge Stahl, aber die Lieferkette ist kompliziert und der Standort der Stahlproduktion passt nicht unbedingt zu Googles Bedarf bei den Baustandorten. Durch den Kauf der Zertifikate unterstützt Google die grüne Stahlproduktion finanziell, fördert damit die Produktion von emissionsfreiem Stahl und kann gleichzeitig den eigenen, eingesetzten „Normal-Stahl“ als „grün“ vermarkten.
Ist das nicht Greenwashing?
Ja und nein. Google verbaut weiterhin normalen Stahl, hier könnte man Greenwashing unterstellen. Gleichzeitig wird durch die finanzielle Förderung der grünen Produktion die Nachfrage gestärkt, denn ohne große Abnehmer und Geldfluss hätte es ein Unternehmen deutlich schwerer überhaupt grün zu produzieren. Durch den Zertifikatkauf fließt also Geld an die Produktionsstätte.
Gleichzeitig soll durch ein Register sichergestellt werden, dass Stahl nicht doppelt als grün vermarktet wird. Wenn Google grüne Zertifikate auf 50.000 Tonnen Stahl erwirbt und damit das grüne Label auf 50.000 Tonnen Normalstahl überträgt bedeutet dies, dass der physische, eigentlich grün produzierte Stahl nur noch als Normalstahl verkauft werden kann. Damit wird das Label „grün“ nur übertragen und nicht verdoppelt.
Beispiel: Stegra verkauft Google grüne Zertifikate für 50.000 Tonnen Stahl. Jetzt kann Google das grüne Label auf 50.000 Tonnen des eigens verbauten, nicht-grünen Stahls anwenden und als grün vermarkten. Stegra verkauft die grün produzierten 50.000 Tonnen Stahl aber jetzt ohne das grüne Label, also als Normalstahl an andere Unternehmen wie Thyssenkrupp. Die dürfen den gekauften Stahl aber nicht mehr als grün vermarkten, zahlen dafür aber einen geringeren Preis als für grün gelabelten Stahl.







