Große Steam-Studie: Die besten 1% der Spiele generieren 85% des Umsatzes

Eine umfangreiche statistische Untersuchung von Valves Plattform Steam beziffert erstmals das volle Ausmaß einer Ökonomie, in der wenige Gewinner nahezu sämtliche Umsätze abschöpfen. Nach Daten der Spieleentdeckungsplattform WeLoveIt und des Analyseteams VaporLens entfallen auf das umsatzstärkste 1 Prozent aller kostenpflichtigen Steam-Spiele 84,5 Prozent des geschätzten Gesamtbruttoumsatzes der Plattform. Für die Studie sind 99.206 kostenpflichtige Titel untersucht worden. Das Ergebnis zeigt einen Markt, der fast vollständig von einem kleinen Kreis aus großen AAA-Produktionen, langlebigen Live-Service-Spielen und wenigen überraschenden Indie-Erfolgen dominiert wird.
Eine ganz andere Rechnung für Indie-Entwickler
Für die meisten auf Steam vertretenen Entwickler stellt sich die finanzielle Realität deutlich anders dar. Den Daten zufolge erzielen 50 Prozent aller kostenpflichtigen Spiele über ihre gesamte Laufzeit einen geschätzten Bruttoumsatz von deutlich weniger als 3.420 Euro. Mehr als 8.000 der untersuchten Titel haben nicht einmal eine einzige Nutzerbewertung erhalten. Nach Abzug von Valves regulärem Plattformanteil von 30 Prozent, regionalen Steuern und durchschnittlichen Erstattungsquoten spielen die meisten Projekte weder ihre grundlegenden Entwicklungskosten noch den Lebensunterhalt ihrer Entwickler wieder ein.
Die Verteilung folgt einer extremen Potenzkurve, wie sie das moderne digitale Publizieren in der Technologie- und Medienbranche prägt. An der Spitze erzielen die erfolgreichsten Titel über ihre gesamte Laufzeit Bruttoumsätze von rund 12,8 Millionen bis hin zu mehreren Milliarden Euro. Spiele unter den besten 10 Prozent sichern sich noch einen wirtschaftlich tragfähigen Anteil des verbleibenden Umsatzes. Außerhalb der höchsten Sichtbarkeitsstufen brechen die Einnahmen jedoch drastisch ein. Mittelgroße Studios müssen daher regelmäßig Erfolge hervorbringen, um in einem Markt bestehen zu können, in dem sich die Ausgaben stark auf die größten Veröffentlichungen konzentrieren.
Niedrigere Einstiegshürde garantiert keinen Erfolg
Branchenbeobachter und Entwickler führen die großen Umsatzunterschiede häufig auf die niedrige Einstiegshürde bei Steam zurück. Jedes Jahr erscheinen Zehntausende selbst veröffentlichte Spiele im Store, wodurch mangelnde Sichtbarkeit die größte Hürde für unabhängige Entwickler bleibt. Algorithmische Empfehlungen, die Platzierung im Store und umfangreiche externe Marketingkampagnen begünstigen vor allem Spiele, die unmittelbar zum Start große Aufmerksamkeit erhalten. Ohne frühe virale Verbreitung oder ein eigenes Werbebudget verschwinden die meisten Neuerscheinungen schnell in der täglichen Flut konkurrierender Titel.
Die Ergebnisse haben in Gaming-Communitys und Entwicklerforen wie Reddit umfangreiche Diskussionen ausgelöst. Kommentatoren weisen darauf hin, dass die Umsatzverteilung bei Steam anderen digitalen Märkten für Kreative ähnelt, darunter selbstverlegte Bücher und Musikstreaming. Kritiker bemängeln, dass Valves geringe redaktionelle Kontrolle den Store mit schnell produzierter Massenware überfüllt, wobei dieses Problem nicht auf den PC beschränkt ist. Befürworter halten das offene Modell von Steam dagegen weiterhin für eine wichtige und leicht zugängliche Plattform für Indie-Entwickler ohne Unterstützung eines klassischen Publishers. Die Daten verdeutlichen letztlich, dass die Veröffentlichung eines PC-Spiels zwar so einfach wie nie zuvor ist, der dauerhafte Lebensunterhalt damit aber nur schwer zu sichern bleibt.













