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Günstig und leistungsstark – Wie macht Xiaomi das nur?

Xiaomi Logo
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Nach unserem Test des Xiaomi Redmi Go müssen wir wieder einmal attestieren: Xiaomi baut Smartphone mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, selbst im absoluten Tiefpreissegment. Aber wie geht das?

Und wir dachten schon, diesmal klappt es nicht. Schließlich sind im Preisbereich unter 100 Euro die möglichen Margen schon so gering, dass selbst Xiaomi hier nicht so viel mehr bieten kann als die Konkurrenz.

Aber die Chinesen haben uns wieder mal überrascht: Das Xiaomi Redmi Go bietet zum Kampfpreis von nicht mal 80 Euro ein einigermaßen flottes SoC, eine ordentliche Kamera, gute Akkulaufzeiten und sogar recht viele LTE-Bänder. Konkurrenten in diesem Preisbereich bieten teils nicht mal die Fähigkeit, sich ins LTE-Netz einzuloggen...

Wie kann es sein, dass Xiaomi seine Konkurrenten preislich immer wieder unterbieten kann, die Spezifikationen von teuren Mobiltelefonen in günstige Smartphones packt und es dabei sogar meistens schafft, dass die Geräte nicht billig wirken?

Hier einige Überlegungen:

Auf dem Xiaomi Redmi Go ist Android Go vorinstalliert, eine Variante von Android, die besonders speichersparend ist. Dadurch können auch günstige Smartphones mit wenig Massenspeicher das Betriebssystem nutzen. Das Xiaomi Redmi Go bietet nur 8 GB Massenspeicher, dennoch sind einige Apps vorinstalliert, unter anderem die Lite-Variante des Facebook Messengers. Diese Kooperation mit Facebook bringt Xiaomi sicherlich Tantiemen, für die Nutzer ist es aber angesichts des ohnehin knappen Speicherplatzes ärgerlich.

Laut dem CEO des Herstellers, Lei Jun, verfolgt Xiaomi eine ähnliche Strategie wie Amazon: Günstige Hardware anbieten, um dann eigene Services darauf laufen lassen zu können und damit wiederum Geld zu verdienen. Kurz vor dem Börsengang im letzten Jahr legte sich der Konzern sogar auf eine maximale 5%-Gewinnmarge fest, alles was darüber hinausging, wolle man den Käufern zurückgeben. Allerdings galt diese Ankündigung ausdrücklich nur für Hardwareverkäufe. Wenn man nun noch in Betracht zieht, dass die "Rückzahlung" eventuell in Form von Gutscheinen für digitale Services erfolgt, könnte diese Strategie durchaus Sinn machen.

Allerdings ist Xiaomi mit seinen digitalen Services im Moment vor allem in China vertreten, im Westen befindet sich ja selbst das Hardware-Vertriebsnetz noch im Aufbau. In Deutschland gibt es beispielsweise noch keine offizielle Vertretung von Xiaomi. In China wiederum ist Xiaomi nicht nur ein reiner Smartphone-Konzern, sondern bietet ein breites Techniksortiment mit Fernsehern, Notebooks, Waschmaschinen und mehr an. Das bietet natürlich viele Möglichkeiten für Services.

Xiaomi ist mittlerweile in vielen Sparten tätig.
Xiaomi ist mittlerweile in vielen Sparten tätig.

Dass die chinesische Regierung einheimische Unternehmen im eigenen Markt bevorzugt und es nicht erst seit dem Handelskrieg für westliche Handymarken wie Apple schwierig ist, in China Fuß zu fassen, hilft Xiaomi sicher auch. So muss der Hersteller zumindest im Heimatmarkt weniger Konkurrenz fürchten.

Zudem muss sich Xiaomi in einigen Märkten Europas im Moment nicht mit Garantieanfragen von Nutzern herumschlagen, in Deutschland wird aktuell beispielsweise laut Website keine Garantie angeboten. Hier müssen die Händler einspringen. Eine Hotline gibt es ebenfalls nicht in allen Ländern, hier muss man teils nach China telefonieren.

Xiaomi spart also an einigen Serviceleistungen, will sich den günstigeren Kaufpreis der Hardware langfristig über Services zurückholen und geht Kooperationen mit anderen Firmen wie Facebook ein. Die Förderung durch die eigene Regierung dürfte ebenfalls die Kosten senken.

Dies sind wohl nur einige Punkte, die Xiaomi helfen, ihre Produkte so günstig anzubieten. Für den Verbraucher stellt sich die Frage, ob er die Sicherheit einer umfassenden Unterstützung durch den Hersteller braucht und bereit ist, vorinstallierte Software zu akzeptieren. Ganz ohne Einschränkungen gibt es den Rabatt bei Xiaomi-Produkten jedenfalls nicht.

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Autor: Florian Schmitt, 15.03.2019 (Update: 16.03.2019)
Florian Schmitt
Florian Schmitt - Managing Editor Mobile
Als ich 12 war, kam der erste Computer ins Haus und sofort fing ich an rumzubasteln, zu zerlegen, mir neue Teile zu besorgen und auszutauschen – schließlich musste immer genug Leistung für die aktuellen Games vorhanden sein. Als ich 2009 zu Notebookcheck kam, testete ich mit Leidenschaft Gaming-Notebook, seit 2012 gilt meine Aufmerksamkeit vor allem Smartphones, Tablets und Zukunftstechnologien.