Instagram & Co: Durch KI erfundene Naturdokumentationen werden zum Problem

Tiere, die gar nicht existieren, werden real und Verhalten von existierenden Tieren wird zunehmend erfunden. Wer im Doom-Scrolling von Instagram, Tiktok und Co. verweilt, wird es vielleicht bemerkt haben: Mittlerweile wird auch die Tierwelt mit KI-Videos geflutet. Dabei sind es nicht irgendwelche lustigen, eher harmlosen Katzenclips, sondern Videos, die scheinbar (im Wortsinne) sogar Wissen vermitteln wollen, also dem ernsten und eigentlich produktiven Teil von Social Media.
Doch zunehmende vermeintliche Naturdokumentationen mit dramatischen Effekten erschweren dies und sorgen sogar für die Verbreitung von Falschinformationen. Gerade wer nicht in dem Fachgebiet unterwegs ist, der wird das auch kaum merken. Auf der Erde finden sich so viele unterschiedliche Lebewesen, dass wohl kaum jemand jedes Tier und jede Pflanze kenne kann und gleichzeitig auch weiß, wie diese sich verhalten.
Es wird wohl nicht lange dauern, bis Social-Media-Konsumenten neue Tierarten kennenlernen, die gar nicht existieren und sich Verhaltensvideos anschauen, die völlig unrealistisch sind. Fake-Tiere haben wir noch nicht gesehen. Letzteres passiert allerdings schon in größerer Anzahl. Recht viral ging etwa ein Video von einem Jungwal, der von seiner Mutter mit Milch versorgt wird. Mit einem spektakulären Strahl wird die Milch dabei in den Mund des Jungtiers geschossen.
Gegenvideos klären über KI auf
Das sorgt immerhin mittlerweile für eine Gegenbewegung. So hat Chris "GatorChris" Gilette in einem Instagram-Video auf dieses Wal-Video aufmerksam gemacht und es korrigiert. Große Chancen hat er aber nicht. Selbst mit seiner Follower-Basis kann er nur einen Bruchteil der Likes und damit der Verbreitung erreichen, wie diejenigen, die das Video verbreiten. Das gilt sowohl für die Urheber oder auch Instagrams vergleichsweise neue Funktion Repost, mit der die Instagram-User-Base für weitere Verbreitung sorgt.
Ein echtes Video, das einen Wal beim Stillen zeigt, hat hingegen keine Chance. GatorChris verwies etwa auf das Video eines stillenden Wals von Cassie Jensen. Bei 2.500 Likes dürfte selbst unter Wal-Enthusiasten dieses Video kaum jemand gesehen haben.
Spektakuläre Videos werden belohnt
Dazu kommt: Instagram spielt als Beispiel durchaus auch KI-Videos aus, die formal als KI markiert sind. Das bemerkt man aber nur, wenn man in die Details schaut. Viel dagegen machen können Social-Media-Konsumenten nicht. Sie erfahren mitunter gar nicht, was auf der Plattform vor sich hergeht, weil die Plattform selbst zur Informationsquelle geworden ist. Sobald der Algorhithmus einmal in Richtung populären Content abbiegt, was insbesondere Instagram immer wieder versucht, lässt sich das nur schwerlich und mit viel Mühe wieder korrigieren. Aber selbst dann gelangen noch falsche Informationen an den Konsumenten.
Eine Abhilfe gäbe es allenfalls, wenn das Thema Social Media beispielsweise in der Schule mit viel Fachwissen aufgearbeitet werden würde. Doch in Deutschland ist noch nicht einmal das Thema Informatik ausreichend belegt. Qualifizierte Fachkräfte sind Mangelware. Bis Social Media in allen Schulen korrekt gelehrt werden könnte, dürften wohl – wie bei der Informatik – Jahrzehnte vergehen. Dazu kommt, dass ältere Nutzergruppen von Social Media kaum Gelegenheiten für Weiterbildungen haben. Volkshochschulen konzentrieren sich beim Thema Social Media eher darauf, wie man Inhalte platziert, nicht wie mit ihnen umgegangen wird. Fehlt dann noch das Problembewusstsein, kommt man auch kaum auf die Idee, solche Kurse zu suchen.
Wer Glück hat, stolpert beim Doom-Scrolling aber auch über Wissenschaftler, die weniger effektgeladen und mit simplen Mitteln Informationen vermitteln. Die sollte man dann am besten gleich im Auge behalten, denn das verändert den Algorithmus deutlich, auch wenn es nicht alles verhindert. Die Wahrscheinlichkeit, solchen Vdeos zu begegnen, ist nach unseren Erfahrungen aber äußerst gering. Insbesondere, wenn man nur effektgeladenen Videos ein Like gibt.
Für die Plattformen sind diese KI-Videos zudem ein Segen. Aus rein wirtschaftlicher Sicht spricht viel dafür, solche Videos zu unterstützen. Sie werden oft angeschaut, mit Likes und Kommentaren versehen und erlauben so viel Ausspielen von Werbung. Ein Wandel ist hier also kaum zu erwarten.
Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis in der Schule, im Freundeskreis oder auf der Arbeit Tiere diskutiert wird, was nicht diskutiert werden sollte.
Quelle(n)
Eigene Recherchen





