Notebookcheck Logo

Ledger Atom: Zwei Betriebssysteme und physischer Privacy-Schalter

Innenleben des Ledger Atom
ⓘ Ledger
Innenleben des Ledger Atom
Laut Ledger kann Atom sicherheitskritische Freigaben auch dann schützen, wenn das Android-System kompromittiert ist. Auf dem Gerät laufen alltägliche Apps, doch sobald eine Aktion bestätigt werden muss, übernimmt ein separates Betriebssystem die Kontrolle über den Bildschirm. Ein physischer Schalter trennt zudem die Kameras und Mikrofone.

Ledger, ein auf die Sicherheit digitaler Vermögenswerte spezialisiertes Unternehmen, hat am 15. Oktober auf seinem Op3n-Event das Android-Gerät Atom vorgestellt. Es ist als Ergänzung zum vorhandenen Smartphone gedacht, unterstützt alltägliche Apps und besitzt eine eigene 5G-Verbindung. Die eSIM ermöglicht allerdings ausschließlich mobile Datenverbindungen. Klassische Mobilfunkanrufe und SMS bleiben damit dem Hauptgerät vorbehalten. Ledger legt den Schwerpunkt auf private Kommunikation und sichere Freigaben. Als Ersatz für das im Alltag genutzte Smartphone ist Atom nicht vorgesehen.

Atom besitzt ein 6,77 Zoll großes AMOLED-Display mit 60Hz, das durch Gorilla Glass 3 geschützt wird. Laut The Verge arbeitet im Inneren ein Qualcomm-Dragonwing-Prozessor statt eines Snapdragon-Chips. Der Fingerabdrucksensor ist in die Einschalttaste integriert, der 4.000mAh-Akku lässt sich austauschen. Auf der Rückseite sitzt eine 50-Megapixel-Kamera, die 4K-Videos mit 60 FPS aufzeichnen kann. Die Frontkamera löst mit 32 Megapixeln auf. Zur Ausstattung gehören außerdem WiFi 6, Bluetooth, NFC und USB-C. Ledger verspricht fünf Jahre Android-Updates und will Ersatzteile bis sieben Jahre nach dem Verkauf des letzten Geräts bereitstellen.

Alltägliche Apps laufen auf einer gehärteten Android-Version mit zusätzlichen Schutzmechanismen, die auf dem Android Open Source Project (AOSP) basiert. Sicherheitskritische Freigaben übernimmt Ledger OS, ein separates Betriebssystem, das unabhängig auf einem eigenen Secure-Element-Chip läuft. Sobald der Secure Mode aktiviert wird, trennt eine Hardwareschaltung Android vom Display und der Touch-Eingabe. Ledger OS erhält dadurch die direkte Kontrolle über beide Komponenten. Für den Zugriff ist eine eigene Ledger-OS-PIN erforderlich, die von der PIN für den Android-Sperrbildschirm getrennt ist. Aktionen müssen auf dem geschützten Touchscreen bestätigt werden. Laut Ledger kann Android diese PIN weder auslesen noch eine Freigabe vortäuschen, selbst wenn das System kompromittiert ist. Ein geschützter Streifen am oberen Displayrand, die sogenannte Secure Bar, zeigt an, wann Ledger OS die Kontrolle hat.

Im Secure Mode werden Kameras und Mikrofone automatisch abgeschaltet. Im normalen Betrieb lässt sich ihre Stromversorgung über einen physischen Privacy-Schalter unterbrechen. Ledger plant außerdem eine Nachrichtenfunktion, die Texte innerhalb von Ledger OS verschlüsselt, bevor sie an eine Drittanbieter-App weitergegeben werden. Die App erhält dadurch keinen Zugriff auf den lesbaren Nachrichteninhalt. Zum Entschlüsseln und Lesen im Secure Mode benötigt auch der Empfänger ein Atom. Für Identitätsprüfungen arbeitet Ledger mit dem Verifizierungsanbieter Persona zusammen. Nutzer sollen damit beispielsweise nachweisen können, dass sie über 18 Jahre alt sind, ohne mehr persönliche Informationen preiszugeben, als der jeweilige Dienst benötigt.

Kill-Switches am Ledger Atom
Der Privacy-Schalter trennt die Stromversorgung der Kameras und Mikrofone des Atom

Ledger Wallet läuft direkt auf Atom und ermöglicht den Kauf, Verkauf und Tausch von Kryptowährungen sowie die Freigabe von Transaktionen auf demselben Gerät. Die dafür erforderlichen privaten Schlüssel verbleiben im Secure Element, auf dem Ledger OS läuft. Eine vorinstallierte Seeker-App bietet außerdem Zugang zu mehr als 1.500 Apps im Solana dApp Store. Mit Ledger Agent Intent können KI-Agenten Transaktionen zur Prüfung vorbereiten. Unterstützt werden die Agentenplattform OpenClaw und der auf Privatsphäre ausgelegte KI-Dienst Venice AI. Jede Übertragung muss weiterhin vom Nutzer auf Atoms geschütztem Touchscreen bestätigt werden.

Das Display des Ledger Atom wird direkt durch das Secure Element geschützt

Das Secure Element ist nach Common Criteria EAL6+ zertifiziert. Dabei wird geprüft, wie widerstandsfähig der Chip gegen physische Manipulationen, das Auslesen mit Messsonden und andere Angriffe ist. Laut Ledger kann er auch künftige Updates mithilfe von Kryptografie empfangen, die Angriffen durch Quantencomputer standhalten soll. Atom verfügt zudem über Schutzmechanismen, die Manipulationen an den Sicherheitskomponenten, am Display und an der Rückabdeckung erkennen sollen. Die Verpackung ist so gestaltet, dass ein vorheriges Öffnen erkennbar sein soll.

Ledger plant, Atom im Sommer 2027 auszuliefern. Die Founders Edition kostet 849 Euro und lässt sich gegen eine vollständig erstattbare Anzahlung von 100 Euro reservieren. Nach dem Launch soll der reguläre Preis auf 899 Euro steigen. Zum Lieferumfang der Founders Edition gehören ein Bitcoin-Gutschein im Wert von rund 45 Euro, eine Backup-Karte vom Typ Ledger Recovery Key, Schutzzubehör und eine Displayschutzfolie mit Blickschutz. Atom befindet sich noch in der Entwicklung. Welche Apps verfügbar sein werden, will Ledger vor der Auslieferung bestätigen, da dies von Zertifizierungen und Lizenzen abhängt.

Quelle(n)

Google LogoAls bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Mail Logo

Keine Kommentare zum Artikel

Fragen, Anregungen, zusätzliche Informationen zu diesem Artikel? - Uns interessiert Deine Meinung (auch ohne Anmeldung möglich)!
Keine Kommentare zum Artikel / Antworten

static version load dynamic
> Notebook Test, Laptop Test und News > News > Newsarchiv > News 2026-10 > Ledger Atom: Zwei Betriebssysteme und physischer Privacy-Schalter
Autor: Yuval Goel, 17.10.2026 (Update: 16.10.2026)