Mit dem Magnus Evo XL erweitert Secretlab sein Schreibtischportfolio um ein großformatiges, elektrisch höhenverstellbares Modell für anspruchsvolle Gaming-Setups und produktive Homeoffice-Arbeitsplätze. Der Tisch ist in zwei Breiten erhältlich: 150 cm und 177 cm in der XL-Ausführung. Er soll vor allem mit einem stabilen Dual-Motor-Gestell, einer integrierten Stromführung und dem für Secretlab typischen modularen Kabelmanagement überzeugen. Eine abklappbare Kabelwanne sowie optional erhältliche Monitor- und Laptoparme sollen dabei für einen möglichst aufgeräumten Arbeitsplatz sorgen. Im Unterschied zum teureren Magnus Pro XL setzt der Evo XL nicht auf eine vollständig magnetische Tischplatte. Der veränderte Materialmix soll mögliche Interferenzen mit Qi-Ladegeräten und Tastaturen mit Hall-Effekt-Schaltern vermeiden, bringt jedoch auch Kompromisse bei Haptik, Oberflächenempfindlichkeit und Individualisierung mit sich. Hinzu kommen eine vergleichsweise geringe Tiefe von 64 cm und eine bei der XL-Ausführung mehrteilige Arbeitsplatte. Ob der ab 599 Euro angebotene Magnus Evo XL seinen hohen Preis rechtfertigt, klären wir im technischen Praxistest. Dazu prüfen wir Aufbau und Verarbeitung, Stabilität in verschiedenen Höhen, Ergonomie, Kabelmanagement und Zubehör. Außerdem messen wir die Leistungsaufnahme der Motoren im Leerlauf sowie unter normaler und hoher Belastung und vergleichen die Ergebnisse unter anderem mit dem günstigeren Ikea Mittzon.
Verpackung und Aufbau
Der Secretlab Magnus Evo XL erreicht den Käufer in einem massiven, schweren Einzelpaket. Logistisch wird der Versand für den europäischen Raum über ein Zentrallager in Polen abgewickelt, während das Produkt selbst das Label "Designed in Singapore, Made in China" trägt. Aufgrund des hohen Eigengewichts der XL-Variante ist der Transport zum Bestimmungsort sowie der spätere Aufbau durch eine einzelne Person nur schwer zu bewältigen. Wir empfehlen für die Montage die Zusammenarbeit von zwei Personen.
Der Lieferumfang zeigt sich gut strukturiert. Secretlab legt ein qualitativ hochwertiges und praktisches Werkzeugset bei, das den Aufbau spürbar erleichtert. Ein kleiner ergonomischer Dämpfer zeigt sich jedoch bei den Schrauben für die optionalen VESA-Adapter der herstellereigenen Monitorarme: Diese sind als Inbusschrauben ausgeführt. Im Bereich von Monitorhalterungen, wo oft werkzeuglose Rändelschrauben oder Standard-Kreuzschlitzschrauben zum Einsatz kommen, ist dies eher ungewöhnlich und verkompliziert die Montage minimal. Die beiliegende Montageanleitung ist hingegen gut bebildert, logisch aufgebaut und führte uns fehlerfrei durch den Prozess.
Wer sich für die größere XL-Variante des Evo entscheidet, muss einen konstruktionsbedingten Kompromiss in Kauf nehmen: Um den Versand in einem einzigen, kompakten Karton zu ermöglichen und die Kosten zu reduzieren, verzichtet Secretlab hier auf eine durchgehende, einteilige Tischplatte. Stattdessen besteht die Arbeitsfläche aus mehreren Segmenten (Split-Desktop), die im ersten Schritt stabil miteinander verschraubt werden müssen.
Für den reinen Basisaufbau des Tisches (ohne die optionale Montage von Monitorarmen, RGB-Beleuchtung oder dem erweiterten Kabelmanagement) benötigten wir im Test zu zweit ca. 35 Minuten.
Nach dem Hinstellen ist die Erstkalibrierung der Motoren im Handumdrehen erledigt: Der Tisch wird hierzu einmalig komplett nach unten gefahren. Anschließend hält man die "Abwärts-Taste" so lange gedrückt, bis im Display die Anzeige "RST" erscheint. Damit ist die Höhenkalibrierung abgeschlossen und der Tisch ist voll einsatzbereit.
Magnus Evo XL in der Praxis
Bei der Nutzung macht der Magnus Evo XL einen hervorragenden Eindruck. Die Motoren fahren leise in ihre Endposition und der Tisch wackelt auch im voll ausgefahrenen Zustand nur minimal. Dies ist gerade bei günstigen Tischen oft ein Problem. Selbst bei hoher Belastung – im Test saß ein Benutzer auf der Tischplatte – können die Motoren das Gewicht zuverlässig stemmen.
Die relativ geringe Tiefe von 64 cm wird durch die bei uns genutzten Monitorarme für Monitor und Laptop kaschiert und dadurch bleibt ausreichend viel Arbeitsfläche übrig. Im Unterschied zum Magnus Pro ist beim Evo der Kabelkanal nur von unten erreichbar. Dies ist bei der wechselnden Nutzung von Laptops weniger praktisch. Schön wäre hier eine integrierbare Steckerleiste mit USB-C wie dies z.B. beim Ikea Mittzon möglich ist.
Die schwarze Oberfläche bei unserem Testmodell ist - wie zu erwarten war - relativ anfällig für Staub und auch Kratzer. Die praktischen und optisch hochwertigen Magnete des Kabelmanagment-Zubehörs haben hier bereits einen deutlichen Kratzer im hinteren Bereich hinterlassen. Hier gilt es also vorsichtig zu sein.
Das Design und die Materialqualität entspricht unserer Meinung nach dem hohen Preis des Testgerätes. Im Vergleich zum Pro nutzt der Evo eine haptisch etwas schlechtere Verbundmaterialplatte im vorderen Arbeitsbereich. Dadurch kann man nicht die eindrucksvollen großen Matten des Pro-Modells nutzen. Im Gegenzug dazu gibt es aber auch keine induktiven Interferenzen die z.b. bei kabellosen Ladepads (z. B. Qi-Charger) oder modernen Gaming-Tastaturen, die mit hochempfindlichen Hall-Effekt-Magnetschaltern arbeiten, zu Problemen führen kann.
Leistungsaufnahme
Die Messung der Leistungsaufnahme zeigt ein gutes Verhalten im Ruhezustand. Wir messen im Schnitt 1,3 Watt und damit deutlich mehr als der Ikea Mittzon welcher nur 0,3 Watt aus der Steckdose zieht. Bei Benutzung der Motoren wendet sich das Bild. Hier zeigen sich die beiden Motoren von Secretlab sehr sparsam. Bestückt mit Laptop und Montor brauchen Sie aufwärts nur 110 Watt und abwärts 42 Watt. Der Mittzon ist mit 230 Watt bei der Höhenverstellung nach oben deutlich stromhungriger. Selbst bei Maximallast von zusätzlich 60 kg braucht der Secretlab nur 160 Watt.
Fazit

Der Secretlab Magnus Evo XL liefert im technischen Alltagstest eine solide Leistung. Die mechanische Stabilität, der einfache Aufbau und das gute
Kabelmanagement samt cleverer Drop-down-Wanne überzeugen. Dass die Netzeinspeisung flexibel links oder rechts erfolgen kann, unterstreicht das durchdachte Rahmendesign. Der modifizierte Materialmix verhindert effektiv Signalstörungen bei Hall-Effekt-Peripherie, erkauft sich
dies jedoch mit einer empfindlicheren Oberfläche und dem Verzicht auf die große Magnetmatte. Die geringe Schreibtischtiefe lässt sich durch die optional erhältlichen Monitor-, Laptop- und Desktophalterungen ausgleichen. Verarbeitung und Design haben uns ebenfalls sehr gut gefallen.
Negativ fallen die schwachen Magnete des optionalen LED-Strips sowie das Fehlen leicht erreichbarer Schuko-Steckdosen und USB-Anschlüsse auf. Auch der Stand-by-Stromverbrauch könnte niedriger sein. Die nicht durchgehende Arbeitsplatte der XL-Variante ist zudem ein kleiner optischer Nachteil.
Der Kaufpreis ist mit aktuell mindestens 599 Euro im Sale (regulär 699 Euro) ohne Zubehör relativ hoch. Mit den nützlichen, aber teuren Add-ons steigt der Gesamtpreis schnell auf über 1.300 Euro.
Pro
Contra
Transparenz
Die Auswahl der zu testenden Geräte erfolgt innerhalb der Redaktion. Das vorliegende Testmuster wurde dem Autor vom Hersteller unentgeltlich zu Testzwecken überlassen. Eine Einflussnahme auf den Testbericht gab es nicht, der Hersteller erhielt keine Version des Reviews vor der Veröffentlichung. Es bestand keine Verpflichtung zur Publikation. Als eigenständiges, unabhängiges Unternehmen unterliegt Notebookcheck keiner Diktion von Herstellern, Shops und Verlagen.
So testet Notebookcheck
Pro Jahr werden von Notebookcheck hunderte Laptops und Smartphones unabhängig in von uns standardisierten technischen Verfahren getestet, um eine Vergleichbarkeit aller Testergebnisse zu gewährleisten. Seit rund 20 Jahren entwickeln wir diese Testmethoden kontinuierlich weiter und setzen damit Branchenstandards. In unseren Testlaboren kommt ausschließlich hochwertiges Messequipment in die Hände erfahrener Techniker und Redakteure. Die Tests unterliegen einer mehrstufigen Kontrolle. Unsere komplexe Gesamtbewertung basiert auf hunderten fundierten Messergebnissen und Benchmarks, womit Ihnen Objektivität garantiert ist. Weitere Informationen zu unseren Testmethoden gibt es hier.



























