Meta Muse kommt aufs iPad, nach Deutschland aber weiterhin nicht

Meta bringt seinen KI-Agenten Muse aufs iPad. Mit Version 10.0 läuft die App nativ auf dem Tablet, vorausgesetzt ist iPadOS 18 oder neuer, wie iPhone in Canada berichtet. Meta selbst bewirbt das iPad als das Gerät für Momente, in denen das Smartphone zu klein und der Laptop zu weit weg ist. In den USA ist Muse laut 9to5Mac seit Wochen auf Platz eins der kostenlosen iPhone-Apps.
Wer das in Deutschland ausprobieren will, kommt offiziell nicht weit. Muse gibt es nur in den USA, seit dem 8. September, und in Kanada, seit dem 18. September. Einen Termin für weitere Länder nennt Meta nicht – auch nicht für Europa.
Ein Agent, kein Chatbot
Was unterscheidet Muse von ChatGPT und Co.? Muse bekommt ein Ziel, macht daraus einen Plan und arbeitet ihn selbstständig ab, vom Entwurf einer E-Mail über die Reisebuchung bis zum Einkauf. Laut Meta läuft jede Instanz auf einer eigenen virtuellen Maschine in Metas Cloud, der Muse Secure VM. Ein getrennter Agent namens Sentinel wacht darüber, was Muse darf, und Passwörter oder Zahlungsdaten sieht Muse nach Angaben des Herstellers nicht – bezahlt wird über Stripe Link mit Einmal-Kartennummern.
Apple bremst, Meta gibt Gas
Für Apple kommt das zu einem unbequemen Zeitpunkt. Auf dem Mac will Apple den Festplattenvollzugriff gerade ausdrücklich wegen solcher Agenten verschärfen, und Muse gehört zu den Apps, die mit dieser Berechtigung Mails, Nachrichten und Dateien lesen. Gleichzeitig fehlt Apples eigene Siri AI in der EU auf iPhone und iPad, und laut Mark Gurman kommt sie dort frühestens 2027.
Für Europa ergibt das ein seltsames Bild: Der derzeit erfolgreichste KI-Agent im US-App-Store kommt hier ebenso wenig an wie Apples eigene Antwort darauf. Überraschend ist das nicht. Schon Meta AI kam erst im März 2025 nach Europa, lange nach dem US-Start, und ein Agent, der Postfach, Kalender und Kreditkarte in die Hand bekommt, wirft mehr Datenschutzfragen auf als ein Chatbot.
Mit VPN und US-Konto geht es trotzdem
Ganz ausgesperrt ist man in Deutschland allerdings nicht. Nach eigenem Test, lässt sich Muse über einen Umweg einrichten: Mit einer VPN-Verbindung über einen US-Server legt man ein neues Meta-Konto an, ein bestehendes deutsches Facebook- oder Meta-Konto wird dabei offenbar nicht akzeptiert. Auf iPhone und iPad braucht es zusätzlich einen US-Account für den App Store, weil die App im deutschen Store nicht gelistet ist. Ist das Konto einmal eingerichtet, soll Muse laut diesen Berichten auch ohne VPN laufen. Vorgesehen ist das nicht, Meta setzt voraus, dass man sich in einem unterstützten Land befindet – wer den Umweg geht, nutzt Muse also entgegen Metas Vorgaben und sollte sich ohnehin gut überlegen, wem er sein Postfach überlässt.



