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Osmo Pocket 4P, Ace Pro 2 und Lumix S5-II: Ökosysteme, Workflow und Qualität im Vergleich

Wir vergleichen drei ganz verschiedene Ansätze zur Erstellung von Videos und Bildern, primär für den Haus- und Urlaubsgebrauch. Dieses Mal geht es um Videos, Ökosysteme, Workflow und ein Fazit.

Im ersten Teil dieser kurzen Artikelserie haben wir versucht, einen Einblick in die verschiedenen Möglichkeiten zur Erstellung von Videos und Bildern zu geben – und zwar aus Sicht des Endkunden. In diesem Teil widmen wir uns noch einmal der Aufnahmequalität und dem Weg von der Aufnahme zur Datei und den bedeutenden Unterschieden beim Zubehör.

Unterschiede bei der Aufnahmequalität

Die Aufnahmequalität der drei Systeme soll noch einmal ein wenig Aufmerksamkeit bekommen. Prinzipiell: Mit allen drei Systemen lassen sich zumindest bei guten Lichtverhältnissen sehr ordentliche Fotos erzeugen, die fürs Familienalbum völlig ausreichend sind. Auf den sehr weitwinkligen Charakter der Insta360 Ace Pro 2 bin ich bereits eingegangen. Nutzer können zwischen vier FOV-Optionen wählen, und das auch nachträglich: So gibt es den Mega View, Superweitwinkel, Dewarp und Linear. Auffällig ist die tendenziell unterwältigende Foto-Performance der Insta360 Ace Pro 2 bei schlechten Lichtbedingungen. Bei schlechten oder anspruchsvollen Lichtbedingungen macht die DJI Osmo Pocket 4P im Vergleich deutlich bessere Fotos, Details bleiben erhalten und Lichtquellen überblenden weniger störend. Gleichwohl: Auch unter schwierigen Lichtbedingungen bleiben die Videos der Ace Pro 2 ebenfalls nutzbar.

Bei Videos können die Osmo Pocket 4P und Ace Pro 2 im Vergleich zur Panasonic S5-II insbesondere aus einem Grund glänzen: Sie bieten eine starke Bildstabilisierung, einmal rein elektronisch (Ace Pro 2) und einmal mit einem echten Gimbal. Das ist insofern relevant, als dass ein wackelndes Bild in der Praxis deutlich unangenehmer wirken kann als eine nicht ganz perfekte Bildqualität.

Osmo Pocket 4P
Osmo Pocket 4P
Osmo Pocket 4P
Osmo Pocket 4P
Osmo Pocket 4P
Osmo Pocket 4P
Osmo Pocket 4P
Osmo Pocket 4P
Osmo Pocket 4P
Osmo Pocket 4P
Osmo Pocket 4P
Ace Pro 2
Ace Pro 2
Ace Pro 2
Ace Pro 2
Ace Pro 2
Ace Pro 2
Ace Pro 2
Ace Pro 2
Ace Pro 2
Ace Pro 2
Ace Pro 2
Ace Pro 2
Ace Pro 2
Lumix DC-S5II
Lumix DC-S5II
Lumix DC-S5II
Lumix DC-S5II

Die Ökosysteme unterscheiden sich

Sowohl Insta360 als auch DJI bilden inzwischen eigene Ökosysteme mit einem massiven Angebot an Zubehör, welches teilweise innerhalb des eigenen Ökosystems besonders gut funktioniert. Systemkameras gehören zwar in gewisser Weise auch einem Ökosystem an (was beispielsweise bei der TTL-Kompatibilität von Blitzgeräten wirklich relevant wird), sind im Regelfall allerdings sehr universell einsetzbar. Es gibt erst einmal überhaupt die Möglichkeit, Objektive zu wechseln, und diese gibt es von verschiedenen Herstellern. In der Praxis zeigt sich dann aber relativ schnell, dass man rasch vom Hundertsten ins Tausendste kommen kann. Will man beispielsweise mit der Panasonic S5-II ein (Füll-)Licht und ein externes Mikrofon gleichzeitig nutzen, kommt man um einen Dual-Cold-Shoe-Adapter kaum herum. Soll nicht nur ein Fülllicht eingesetzt werden, läuft es schnell auf ein Rig hinaus. Das mag für viele Endnutzer nicht unbedingt sofort relevant sein, selbst günstige Funkmikrofone wie das SmallRig S70 (bei Amazon) bieten aber schon eine deutliche Verbesserung der Audioqualität, die dem Gesamteindruck eines Videos sehr zuträglich ist. Ein Vorteil ist natürlich immer: Bei der Auswahl der Zubehörteile ist man extrem frei und nicht auf ein begrenztes Portfolio eines Herstellers festgelegt.

Schmale Setup: Auch mit Zubehör sind die Insta360 oder Ace Pro 2 schlanker, die Leistung der Beleuchtung ist aber nicht ganz vergleichbar
Schmale Setup: Auch mit Zubehör sind die Insta360 oder Ace Pro 2 schlanker, die Leistung der Beleuchtung ist aber nicht ganz vergleichbar

Zum Vergleich: Die DJI Pocket 4P kommt je nach Bundle schon mit einem Fülllicht (mit wohlgemerkt begrenzter Beleuchtung), das einfach aufgesteckt wird, sowie einem DJI Mic Mini 2, einem Zusatzakku mit Stativgewinde, einem Mini-Stativ und einer kleinen Fernbedienung mit Display. Das wiegt zusammen keine 400 Gramm und ist für den Urlaub und Alltag eher schon zu viel an Ausstattung. Zur Wahrheit gehört aber auch: Dann ist erst einmal Schluss mit der Flexibilität, wenn man nicht auf Rig-Lösungen für die Osmo Pocket 4P umsteigen will, die dann aber die Mobilität deutlich einschränken. Zwei Punkte stören bei der Osmo Pocket 4P zudem: Für die Zusatzfernbedienung und das DJI Mic Mini 2 werden unterschiedliche Ladeanschlüsse verwendet. Dementsprechend müssen zwei Ladekabel mitgenommen werden, was ein wenig nervt. Zudem ist das Stativgewinde nicht an der Osmo Pocket 4P selbst, sondern in der Akkuerweiterung montiert.

Nicht ganz durchdacht: Für Mic und Fernbedienung gibt es unterschiedliche Ladekabel
Nicht ganz durchdacht: Für Mic und Fernbedienung gibt es unterschiedliche Ladekabel

Der Insta360 Ace Pro 2 ist ihre Herkunft als Actioncam deutlich anzusehen, was einen großen Vorteil hat: Es gibt eine magnetisch geführte, stabile Schnellspann-Adapterplatte auf den typischen 2-Pin-Actioncam-Anschluss für Zubehör – in der Version 2.0 auch mit Stativgewinde, womit sich neben Stativen auch verschiedenste Halterungen anbinden lassen. Die Schnellspann-Halterung ist auch mit dem Pro-Grip kompatibel. Der Pro-Grip bietet dabei auch einen Cold-Shoe – beispielsweise für das Blitz- und Fülllicht, welches sogar wasserdicht ist. Bei der Kopplung von Audioequipment geht Insta360 sogar noch einen Schritt offener vor: So lassen sich quasi beliebige Bluetooth-Ohrhörer anschließen.

Gleichwohl bietet Insta360 inzwischen drei verschiedene Funkmikrofone an. Das Insta360 Mic ist erst kürzlich veröffentlicht worden und bietet eine interne Speicherfunktion auf einer microSD-Karte sowie 32-Bit-Float. Die direkte Kopplung auch mit der Ace Pro 2 ist möglich, was auch einen Preisvorteil hat, da im Grunde damit nur ein Mikrofon und nicht der Empfänger gekauft werden muss. Gegenüber den DJI-Mikrofonen bieten zumindest die beiden Modelle Mic und Mic Pro ein E-Ink-Display. Das ist erst einmal ein Gimmick, kann aber die Zuordnung erleichtern. In der Praxis funktionierte das Insta360 Mic problemlos. Wie auch deutlich beworben, dürfte ein Übersteuern und damit eine unbrauchbare Aufnahme sehr unwahrscheinlich werden - ich konnte es zumindest durch Flüstern, Schreien und Lärm nicht provozieren. Der Empfänger bietet dabei neben einem Klinkenaus- und -eingang ein Feature, das für Nutzer einer größeren Kamera sehr interessant sein dürfte, und zwar einen Cold-Shoe auf der Oberseite – damit lässt sich die Kombination aus Dauerlicht und Mikrofon an einer DSLR dann eben doch ohne Rig oder Adapter bewerkstelligen. Die Praxisrelevanz der Audioaufnahme im ganz privaten Bereich ist natürlich ein wenig diskutabel, allerdings vermiest schlechter Sound ein Video sehr deutlich. Und ein kleines Mikrofon ans Revers zu klemmen, um beispielsweise zu beschreiben, wo man gerade ist, ist nicht sehr aufwendig.

Die Ace Pro 2 lässt sich einfach montieren, etwa an eine Fahrradhalterung oder auch ein Stativ
Die Ace Pro 2 lässt sich einfach montieren, etwa an eine Fahrradhalterung oder auch ein Stativ
Das Insta360 Mic unterstützt die direkte Verbindung zu verschiedenen Insta360-Produkten
Das Insta360 Mic unterstützt die direkte Verbindung zu verschiedenen Insta360-Produkten
Ein Cold Shoe ist nutzbar, was auch an einer DSLM einen großen Vorteil darstellen kann
Ein Cold Shoe ist nutzbar, was auch an einer DSLM einen großen Vorteil darstellen kann

Im Vergleich zur DJI Osmo Pocket 4P lässt sich bei der Ace Pro 2 auch die Vorsatzlinse auswechseln. Einerseits lassen sich so starke Beschädigungen der Linse wirkungsvoll und relativ kostengünstig beheben. Zudem gibt es auch weitere Vorsatzlinsen, etwa für Aufnahmen im Makrobereich oder Filmaufnahmen mit einem Seitenverhältnis von 2,35:1. Bei der Osmo Pocket 4P gibt es zwar ND-Dichtefilter, aber nicht etwa einen offiziellen Telekonverter. Der direkte Konkurrent der Pocket 4P, die Insta360 Ultra Luna, bekommt einen solchen Telekonverter. Es würde mich nicht wundern, wenn sowohl Insta360 bei seinen Actioncams als auch DJI bei den Gimbal-Kameras in Zukunft deutlich weiter in diese Richtung gehen, zumal es im Bereich der Actioncams mit der GoPro Mission 1 Pro ILS schon ein Vorbild gibt. Diese unterstützt Wechselobjektive, und zwar mit Micro-Four-Thirds-Bajonett – und nur manuellem Fokus.

Workflow zwischen modern und klassisch

Die beste Aufnahme bringt wenig, wenn sie auf einer Speicherkarte oder einem internen Speicher versauert. Beim Workflow ergeben sich drastische Unterschiede: Tatsächlich sind die DJI Osmo Pocket 4P und die Ace Pro 2 ganz erheblich flexibler. Grundsätzlich gilt: Auch mit den kompakteren Kameras lassen sich RAW-Aufnahmen und beispielsweise Videos mit D-Log-Farbprofil aufnehmen, die dann fein säuberlich am PC in Photoshop und DaVinci nachbearbeitet und gegradet werden. Bei der Panasonic Lumix S5-II und in einem gewissen Umfang auch anderen, größeren Kamerasystemen ist das zumindest bei der Videobearbeitung auch Pflicht. Sie unterstützt zwar WLAN und Bluetooth, in der Praxis macht das aber nur Sinn, um mal schnell ein paar Fotos auf ein Smartphone zu verschieben. Mit Frame.io gibt es noch eine dann deutlich im Profi-Bereich anzusiedelnde Möglichkeit zum Hochladen und zur Bearbeitung im Team. Die Speicherung über WiFi auf einem PC wurde bei der Lumix S5-II im durch ein Software-Updates entfernt.

Bei den kompakteren Kameras muss kein Laptop aufgeklappt werden, der Workflow ist komplett hotelbetttauglich: So sind doch recht umfangreiche Bearbeitungen am Handy und mit den entsprechenden Apps möglich. Damit lässt sich der Urlaubsgruß an die Daheimgebliebenen, der Instagram-Post oder auch die Messeberichterstattung sehr schnell, komfortabel und ohne viel Aufwand erstellen. KI-Funktionen sollen beim Schnitt und der Anordnung helfen, nutzen muss man diese nicht. Als extrem praktisch hat sich zudem bei der DJI Osmo Pocket 4P die Möglichkeit zur Speicherung in der Google Cloud herausgestellt, die auch automatisiert werden kann. Bei der Ace Pro 2 ist für ein halbes Jahr sogar ein 200 Gigabyte großer Speicher bei Insta360 enthalten – auch über die Insta360 Studio-App am Desktop und in der Smartphone-App lässt sich dann komfortabel darauf zugreifen.

Insta360 Studio bietet auch Cloud-Synchronisation, was die Bearbeitung über Gerätegrenzen extrem einfach macht
Insta360 Studio bietet auch Cloud-Synchronisation, was die Bearbeitung über Gerätegrenzen extrem einfach macht
Klassischer Workflow: Arbeit mit Katalogen in ON1 Photo Raw
Klassischer Workflow: Arbeit mit Katalogen in ON1 Photo Raw

Fazit

Ein Fazit zwischen den drei Kamerasystemen zu ziehen, ist natürlich nicht trivial. Positiv überrascht hat durchaus die Ace Pro 2. Diese dürfte – auch angesichts des günstigen Preises – für aktive Familien und nicht nur für Extremsportler insbesondere durch die robuste Ausführung sehr attraktiv sein, da sie sich auch am Strand und beim Schnorcheln nutzen lässt. Der günstige Preis geht dabei im Vergleich zur Osmo Pocket 4P aber auch mit einer deutlich schwächeren Bildqualität im Foto-Bereich einher. Die Osmo Pocket 4P ist meiner Meinung nach durchaus schon als Alternative zu einer DSLM tauglich – zumindest, wenn auf schnelle Serienbilder verzichtet werden kann. Wenn es rein um Videos geht, ist die Osmo Pocket 4P eine uneingeschränkte Empfehlung.

Eine große DSLM hat ihre Vorteile dann, wenn es um maximale Flexibilität bei der Aufnahme geht. An einigen Stellen wirkt zumindest die Panasonic S5-II aber auch etwas angestaubt – sei es beim Workflow, der das Hantieren mit Desktop-Programmen erforderlich macht, oder der zwar riesigen Auswahl an Zubehör über Herstellergrenzen hinweg, bei der aber eine direkte Integration etwa von Funkmikrofonen fehlt. Preislich spielen solche großen Kameras natürlich in einer ganz anderen Liga als insbesondere die Ace Pro 2.

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Autor: Silvio Werner,  1.11.2026 (Update:  1.11.2026)