Shigeru Miyamoto: Nintendos "ewiger Rivale" war nie Sony oder Sega, sondern dieses Spielzeug

Der legendäre Nintendo-Spieledesigner Shigeru Miyamoto, Schöpfer von Mario, Zelda, Donkey Kong und Star Fox, hat seit seinem Aufstieg zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten der Branche zahllose Fragen beantwortet. Immer wieder ging es dabei darum, gegen wen Nintendo im Wettstreit der Konsolenhersteller oder in der Spielebranche insgesamt eigentlich antrat.
Als das N64 im Jahr 1996 mit der PlayStation und dem Sega Saturn konkurrierte, schienen Sony und Sega die naheliegenden Antworten zu sein. Miyamotos ewiger Rivale ist jedoch weder ein Entwickler noch ein Hersteller von Heimkonsolen.
Miyamoto hat sich im Abstand von drei Jahren zweimal öffentlich dazu geäußert und dabei weder Sega noch Sony genannt. Shmuplations hat am 15. Juli 2026 eine englische Übersetzung eines Gesprächs zwischen Shigeru Miyamoto und dem Entwickler Kenji Eno aus dem Jahr 1996 veröffentlicht. Darin bezeichnet Miyamoto den Zauberwürfel als seinen ewigen Rivalen.
Die breite Masse oder ein bereits etabliertes Spielepublikum ansprechen?
Der Grund ist einfach und knüpft an Miyamotos Eingeständnis an, dass Nintendo mit dem GameCube kein breiteres Publikum erreicht hat. Seine Rivalität mit dem Zauberwürfel führt er auf seinen Hintergrund im Industriedesign zurück. Gegenüber Eno erklärte er, Nintendos Arbeit an Produkten zu messen, die Nicht-Spieler mit einem "Wow, das können Computerspiele also auch?" überraschen, statt sich ausschließlich an eine bestehende Fangemeinde zu richten.
In einem Gespräch mit Segas Toshihiro Nagoshi aus dem Jahr 1999 hat Miyamoto nahezu wortgleich denselben Standpunkt vertreten. Shmuplations hat dieses Interview 2023 übersetzt. Damit handelt es sich nicht um eine einmalige, neu entdeckte Aussage, sondern um einen Gedanken, auf den Miyamoto wiederholt zurückgekommen ist.
Die Angaben stammen aus einem Gespräch, das Kenji Eno und Miyamoto im Juli 1996 in Nintendos Büros in Kyoto geführt haben. Es war das erste einer Reihe von Interviews, die Eno als "Cross-Talk" bezeichnete und die später in einer Sonderausgabe von Game Hihyou unter dem Titel The Book of Kenji Eno zusammengefasst worden sind. Shmuplations, ein von Fans betriebenes und über Patreon finanziertes Archiv für bislang nicht übersetzte Interviews mit japanischen Entwicklern, hat die englische Fassung im Juli 2026 veröffentlicht.
Im Interview erläutert Miyamoto, warum Nintendo weiterhin neue Spieler gewinnen will, statt vor allem langjährige Fans zufriedenzustellen. Diesen Ansatz führt er auf seine eigene Ausbildung zurück. Miyamoto sagte:
"Da ich ursprünglich aus dem Industriedesign komme, betrachte ich den Zauberwürfel als meinen ewigen Rivalen. Eine bestimmte Art von Produkt ist mir sehr wichtig. Es geht nicht um Dinge, die erfahrene Entwickler nach jahrelanger Arbeit an Computerspielen speziell für Spieler erschaffen, sondern um Produkte, bei denen die Menschen erkennen: 'Wow, das können Computerspiele also auch?!' Produkte zu entwickeln, die Nicht-Spieler überraschen, das ist unsere große Herausforderung."
Miyamotos Aussagen stehen allerdings in einem gewissen Widerspruch zu einer späteren Bemerkung aus demselben Gespräch von 1996. Auf Nintendos Produktportfolio angesprochen, räumte er ein: "Wenn die Leute darauf hinweisen, dass wir nichts anderes als Fortsetzungen entwickeln, haben sie vollkommen recht."
Ungeachtet von Miyamotos Haltung musste sich Nintendo letztlich an den Verkaufszahlen des N64 im Vergleich zur PlayStation und zum Sega Saturn messen, nicht am Zauberwürfel, der wenig überraschend noch nie einen Quartalsbericht vorgelegt hat. Möglicherweise ist das ein Grund dafür, dass Miyamoto den Vergleich immer wieder herangezogen hat.















