Als wir uns Dreadmyst Anfang dieser Woche zum ersten Mal angesehen haben, handelte es sich noch um ein relativ ruhiges Indie-Projekt, das sich auf seinen „ersten echten Test“ am 9. Januar vorbereitete. Zu diesem Zeitpunkt war das Interesse mit etwas mehr als 1.200 Followern noch moderat, während das Spiel auf der Wishlist-Aktivitätsskala auf Platz 326 kletterte.
Wir stellten damals infrage, ob das Versprechen, „wirklich kostenlos“ zu sein, Bestand haben würde, und fragten uns, wie die maßgeschneiderte Engine mit der Belastung durch gleichzeitig aktive Spieler umgehen würde. Nun, da die Tore geöffnet sind, hat das Spiel zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels einen Spitzenwert von 5.915 gleichzeitigen Spielern erreicht. Bei den ersten paar hundert Rezensionen hält es eine Bewertung von „Größtenteils Positiv“ (74 %).
Zur Erinnerung: Dreadmyst ist ein isometrisches Tab-Target-MMORPG, das auf einer eigenen C++/OpenGL-Engine basiert. Diese wurde entwickelt, um auf praktisch jeder Hardware zu laufen, selbst auf Systemen ohne dedizierte Grafikkarte. Das Spiel bietet vier Basisklassen – Paladin, Magier, Waldläufer und Kleriker – mit jeweils eigenen Waffensets und festen Rollen innerhalb des traditionellen „Trinity“-Systems aus Tanks, Heilern und DPS.
Das Gameplay konzentriert sich auf anspruchsvolle Instanzen für 4 Spieler sowie kleine 1v1- oder 2v2-PvP-Arenen, wobei der Fokus eher auf „präziser, reaktionsschneller Steuerung“ als auf Action-basiertem Zielen liegt. Der Entwickler verfolgt ein „Non-Profit“-Modell: Das Spiel startete ohne Cash-Shop, ohne bezahlte Inhalte und ohne aktuelle Pläne für eine Monetarisierung.
Doch das Narrativ des „Herzblut-Projekts“ wird durch eine Reihe von Kontroversen erschüttert. In einem Thread auf r/MMORPG wird das völlige Fehlen von Nutzungsbedingungen (ToS) oder einer Datenschutzerklärung thematisiert – sowohl auf der offiziellen Website als auch im Steam-Client. Das Fehlen dieser rechtlichen Dokumente ist besonders besorgniserregend, da Spieler für den Zugang einen Account bei einem Drittanbieter registrieren müssen.
Darüber hinaus bringt die Community den Entwickler (Xjum) mit „Gummy52“ in Verbindung. Dieser ist dafür bekannt, in der Vergangenheit den World-of-Warcraft-Privatserver „Felmyst“ abrupt abgeschaltet zu haben. Vorwürfe, Bots eingesetzt zu haben, um negative Reddit-Kommentare zu unterdrücken, sowie der mutmaßliche Diebstahl von Skill-Icons und Sound-Assets aus dem im Jahr 2008 erschienenen MMO Aion, gießen zusätzlich Öl ins Feuer.
Trotz des Dramas um das Spiel ist die technische Umsetzung überraschend stabil. Der Build ist kompakt und der Entwickler hat bereits Hotfixes veröffentlicht, um Serverabstürze am ersten Tag sowie Eingabefehler zu beheben. Zocker, die das Spiel von der Vergangenheit des Entwicklers trennen können, loben es als „16-Bit WoW Classic“, das sich für die Arbeit eines Einzelentwicklers sehr ausgereift anfühlt.
Nun bleibt abzuwarten, ob Dreadmyst seine rechtlichen und rufschädigenden Hürden übersteht oder als weitere Randnotiz in die MMO-Geschichte eingeht. Vieles wird davon abhängen, ob diese Bedenken im kommenden Inhalts-Update am 17. Januar adressiert werden.














