Studie zeigt: Garmin-Smartwatch misst ein Gesundheitsparameter nur mit großen Abweichungen

Die Herzfrequenzvariabilität gibt an, wie stark sich der Abstand zwischen zwei einzelnen Herzschlägen ändert. Damit muss die Erfassung der Herz- oder Pulsschläge mit erhöhter, zeitlicher Auflösung erfolgen können. Die Herzfrequenzvariabilität wird beispielsweise von Garmin genutzt, um etwa eine Aussage über den Erholungszustand zu treffen. Direkt und akut medizinisch relevant ist die bei Garmin-Uhren optisch erfasste Herzfrequenzvariabilität nicht unbedingt, dementsprechend gibt es diesbezüglich auch keine Zertifizierung als Medizinprodukt.
In einer wohlgemerkt aktuell noch im Stadium des Preprints befindlichen Studie zeigt sich, dass die schon recht alte Garmin Vivosmart 4 im Alltag die Herzfrequenzvariabilität nicht ohne Probleme bestimmen kann. Der Versuchsaufbau ist dabei vergleichsweise einfach: 62 Probanden trugen insgesamt über 900 Stunden sowohl eine Garmin Vivosmart 4 als auch ein EKG-Gerät. Nach einer Datenbereinigung blieben pro Proband im Durchschnitt noch 179 5-Minuten-Zeitfenster übrig. Bei der Studie zeigte sich, dass die aktuelle Herzfrequenz und auch die Ruheherzfrequenz von der Garmin Vivosmart 4 robust messbar sind, die Güte der Messung also weniger von den Bedingungen wie Bewegung abhängig. Bei der Herzfrequenzvariabilität sieht das deutlich anders aus: Diese Messung ist nicht sonderlich robust, ist also fehleranfälliger. Der Einfluss solcher Fehler kann dabei vereinfacht gesagt den angezeigten Wert stärker beeinflussen als eine (kleine) Änderung der Herzfrequenzvariabilität. Wenn die Fehler den eigentlichen Messwert überlagern, ist eine Messung im Prinzip nicht mehr sinnvoll möglich.
Dabei ist die Messung der Herzfrequenzvariabilität den Forschern zufolge keineswegs unbrauchbar. Allerdings sollten sich Nutzer auf Messungen konzentrieren, die bei keiner oder nur geringer Bewegung aufgenommen wurden, beispielsweise nachts. Dabei weisen die Forscher letztlich auch auf Limitationen hin: So gibt es bei Garmin keinen Zugang zu den Rohwerten. Damit können Nutzer und auch Wissenschaftler kaum nachvollziehen, welche unter welchen Umständen erhobenen Werte denn beispielsweise zur Bestimmung von Mittelwerten genutzt werden, eine eigene Bereinigung von Daten etwa auf Grundlage einer eigens angefertigten Kalibrierung ist nicht möglich.

Quelle(n)
Sinichi, Amin & Gevonden, Martin & Krabbendam, Lydia & van der Mee, Denise. (2026). Right Place, Right Time: Validation of a Consumer-Grade Wearable for Heart Rate and Heart Rate Variability Across Sleep-Wake Cycles, Physical Activity, and Postures in an Ambulatory Study [Preprint], auf Researchgate, Abbildung unter CC BY 4.0-Lizenz, Teaserbild: Inge Schwabe, Notebookcheck

















