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Zierliche Smartwatch mit auffallendem Display: Garmin Lily Sport im Test

Purpurviolett. Gemusterte Displays, farbige Gehäuse und schmale Bänder: Garmin Lily dürfte all denen gefallen, denen typische Smartwatches zu groß und zu dunkel sind. GPS und NFC kamen in dem zierlichen Gehäuse offenbar nicht mehr unter. Die Software punktet dagegen mit Garmin-typischen Stärken.
Garmin Lily Sport
Prozessor
Bildschirm
1.00 Zoll , 240 x 201 Pixel 240 PPI, 16 level grayscale Full-Touchscreen, TFT (monochrome)
Massenspeicher
256 MB Flash, 0.256 GB 
Anschlüsse
Audio Anschlüsse: ⊖, Helligkeitssensor, Sensoren: Accelerometer, Pulsoximeter, Optical Heartrate, ANT+
Netzwerk
Bluetooth ja
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe (in mm): 10 x 34.5 x 34.5
Akku
Lithium-Ion
Sonstiges
Lautsprecher: ⊖, Tastatur: 1 Sensor-Button, Tastatur-Beleuchtung: ja, Lily Sport, Charging cable, documentation, Garmin Connect, 24 Monate Garantie, Corning Gorilla Glas 3; A-GPS; Waterresistance: 5 ATM, Wasserdicht
Gewicht
24 g
Preis
199 Euro
Hinweis: Der Hersteller kann abweichende Bauteile wie Bildschirme, Laufwerke und Speicherriegel mit ähnlichen Spezifikationen unter dem gleichen Modellnamen einsetzen.

 

Gehäuse und Ausstattung – Zierliche Optik zu Lasten der Hardware

In einer Zeit, in der Uhren allgemein immer größer werden, ist Garmin stolz auf seine bislang kleinste Smartwatch. 34 mm Durchmesser sind tatsächlich eine Besonderheit: Bei Samsung und Huawei kamen die Damenuhren bislang nicht unter 40 mm.

Das 14-mm-Wechselarmband passt für Handgelenkstärken zwischen 110 und 175 mm. Bei der Classic-Edition ist es aus Leder, bei der Sport-Edition aus Silikon. Letztere liegt uns für den Test vor.

Anstelle mechanischer Tasten sitzt eine Sensortaste unter dem Display, das Garmin durch Gorilla Glas 3 schützt. Dass Garmin für die Sensortaste das runde Display beschneidet, fällt im normalen Betrieb nicht auf. Um es sichtbar zu machen, haben wir die Display-Helligkeit, die sich ansonsten automatisch reguliert, manuell übersteuert.

Für die Sensortaste beschneidet Garmin das Display, kaschiert dies aber gut durch eine Überlagerung des TFT-Screens.
Für die Sensortaste beschneidet Garmin das Display, kaschiert dies aber gut durch eine Überlagerung des TFT-Screens.

Garmin kaschiert den beschnittenen Screen durch eine Überlagerung des monochromen Touch-LCD mit einem farbigen, dezent gemusterten Display. Das Muster fällt für jede der sechs Gehäusefarben anders aus und bleibt selbst bei ausgeschalteter Uhr sichtbar. Daher verdunkelt sich die Oberfläche von Lilly trotz fehlendem Always-on-Display niemals – anders als die typische Smartwatch mit schwarzem Display.

Die weitere Sensorik von Lillly ist unspektakulär und hat über die Sensoren für Herzfrequenz, Blutsauerstoff und den Bewegungssensor wenig zu bieten. Insbesondere fehlen Lily GPS und ein barometrischer Sensor für das Tracken von Routen und Höhendifferenzen. Auch NFC kam in der zierlichen Smartwatch nicht unter. 

Einrichtung und Bedienung – Garmin Lily mit Sensortaste

Für das Koppeln mit dem iPhone oder einem Android-Smartphone braucht man die App Garmin Connect. Den Download der App Connect IQ für den Garmin Store kann man sich sparen, denn Lilli unterstützt das Installieren weiterer Apps nicht. An Tools besitzt Lily über Timer, Stoppuhr oder die Telefonsuche hinaus nicht viel; Garmin konzentriert sich stattdessen auf eine gute Fitness- und Trainings-Unterstützung.

Zum Bedienkonzept zählt neben Wischgesten zum Blättern zwischen den Widgets und dem Softkey, der unter anderem die Zurückfunktion übernimmt, ein Doppel-Tipp auf den Touchscreen. Er aktiviert das Display, wenn der Arm auf dem Tisch liegt und man ihn dafür nicht extra anheben möchte. Im Trainingsmodus startet er das Workout und hält es an. Zu den Widgets zählt neben Info-Screens für die Gesundheitsüberwachung, anstehende Termine, Wetterinfos, und Benachrichtigungen auch eine Remote-Steuerung für den Smartphone-Player

Eingehende Gespräche signalisiert Lili mit Namen, sofern in den Kontakten gespeichert, und bietet an, den Anruf anzunehmen oder abzulehnen. Nutzt man die Uhr mit einem Android Smartphone, kann man dem Anrufer alternativ eine vorgefertigte SMS zukommen lassen, beispielsweise, dass man in Kürze zurückruft. Nimmt man den Anruf an, muss man anschließend zum Smartphone greifen. 

Gesundheit und Fitness – Intervallgesteuerte Workouts und Wiederholungszähler

Lily ist augenscheinlich eine Damenuhr und bringt über einen Zyklus-Tracker hinaus einen von Garmin entwickelten Schwangerschaftskalender mit. Weiters sendet Lily Bewegungserinnerungen, trackt die aktiven Minuten, ermittelt den Kalorienverbrauch, protokolliert die Herzfrequenz und analysiert die Stressbelastung. Die Flüssigkeitszufuhr lässt sich im Tagesverlauf manuell protokollieren und in die tägliche Analyse durch die Smartphone-App einbeziehen.

Die eingeschränkte Hardware hinterlässt aber auch Lücken: Da die Smartwatch keinen barometrischen Sensor mitbringt, erkennt sie keine Höhendifferenzen; demzufolge weist sie keine Etagen aus, die bei anderen Fitness-Trackern zusätzlich zur zurückgelegten Distanz ein Maß für die überwundenen Höhenmeter sind. Darüber hinaus fehlt GPS. Wenn der Fitness-Tracker am Tagesende eine Distanz ausweist, ermittelt Garmin sie näherungsweise anhand der Schrittlänge, die Garmin auf Wunsch zuvor ermittelt. 

Sauerstoffsättigung (SpO2) und Schlaf-Tracking

Für das manuelle Messen der Blutsauerstoffsättigung gibt es ein Widget, das jeweils die letzte Messung in der Anzeige behält. In der Regel ist das die letzte während des Schlafens, denn nachts misst Lily sie mehrfach automatisch und übernimmt sie auch ins Schlafprotokoll. Power-Naps am Tag erfasst Garmin nicht.

Aus der Schlafqualität, respektive der nächtlichen Erholung, ermittelt Garmin einen Schlafindex, den allerdings nur die App ausweist. Aus der nächtlichen Erholung, dem Stresslevel, der Belastung durch die letzte Aktivität und der Herzfrequenzvariabilität – ein Gradmesser für die gesundheitliche Verfassung – schließt Garmin auf die Energiereserven, die Body Battery. Die Skala dient der Orientierung, wenn man unsicher ist, ob sich der Körper nach dem letzten Workout ausreichend erholt hat.

Workout und Training

Für die manuelle Trainingsaufzeichnung bietet Garmin insgesamt 13 Sportarten an, übernimmt allerdings nur sieben davon in die Trainingsauswahl der Smartwatch. Gehen und Laufen lassen sich nicht ersetzen, bleiben also noch 5 für die individuelle Belegung. Wegen des fehlenden GPS muss man beim Radfahren und Laufen im Freien zum Aufzeichnen der Route das Smartphone mitnehmen. Garmins Cardio-Training unterstützt demgegenüber mit Zyklen und Pausenzeiten intervallgesteuerte Workouts wie HIIT; im Krafttraining zählt Lily auf Wunsch die Anzahl der Wiederholungen, und man muss sie am Ende des Satzes nur noch bestätigen. Professionelles Trainieren ist auch im Schwimmbad möglich: Anders als viele andere Sportuhren misst Lily den Puls auch unter Wasser.

Wer schon ein Garmin-Wearable besitzt, kennt unter Umständen bereits den LiveTrack: Über einen Einladungslink per Mail oder die sozialen Netzwerke können Freunde ein Training über eine Trackingseite in Garmins Portal mit verfolgen – vorausgesetzt, die Smartwatch ist über das Smartphone mit dem Internet verbunden.

Da es keine Taste für den Start, eine Pause oder das Ende des Workouts gibt, übernimmt das ein Doppel-Tipp auf das Display. Das hat im Test mindestens so gut funktioniert wie sonst das Beenden mit Hilfe einer Seitentaste. Nach Ende des Workouts blieb die Anzeige im Test allerdings für einige Sekunden aus, bevor der Doppel-Tipp es wieder aktivieren konnte. Eine weitere Schwäche betraf die gelegentlich unterbrochene Bluetooth-Verbindung. Um dann beispielsweise das GPS des Smartphone nutzen zu können (Connected GPS) musste Lily öfter manuell wieder verbunden werden. Das ist über das Aktionsmenü möglich, beansprucht aber unnötig Zeit. Die Helligkeit und die automatische Regulierung ließen im Freien nichts zu wünschen übrig. 

Akkulaufzeit

Laut Garmin hält der Akku bis zu fünf Tage durch. Die Laufzeit verkürzt sich, wenn man die automatische Bewegungserkennung Move IQ aktiviert und nachts die automatische Messung des Blutsauerstoffs. In diesem Szenario und mit täglich mehreren Interaktionen wie dem Ablesen von Health-Infos und Benachrichtigungen lief Lily knapp zwei Tage. Ohne die automatische Bewegungserkennung waren es bei ansonsten immer noch reger Nutzung 3 Tage. Das Laden dauerte im Test für die halbe Kapazität eine halbe Stunde, für die volle 1 Stunde 20 Minuten.

Fazit

Testgerät zur Verfügung gestellt von Garmin
Testgerät zur Verfügung gestellt von Garmin

Mit der Damenuhr ist Garmin ein guter Wurf gelungen: Lily hebt sich optisch vom Gros aktueller Smartwatches ab, unterstützt eine aktive und gesunde Lebensführung und punktet beim Sport mit der Unterstützung von Intervall-Trainings, die seit Längerem im Trend stehen. 

Das gemusterte farbige Display und die Fitness- und Gesundheitsfunktionen für Frauen machen Lily besonders.  

Ohne GPS fehlt der Sportuhr etwas Wesentliches. Wer beim Joggen zum Musikhören ohnehin das Smartphone mitnimmt, wird es zwar kaum vermissen; insgesamt ist die Hardware-Ausstattung gegenüber preislich vergleichbaren Wearables aber schwächer. Im Plus ist Lily hinsichtlich des SpO2-Sensors, den Garmin bestmöglich nutzt. Dass die Smartwatch die Sättigung nur nachts automatisch erfasst und tagsüber manuell, ist ein Kompromiss, um den Akku nicht übermäßig zu belasten. Das handhaben andere Fitness-Tracker bestenfalls genauso oder schlechter. 

Preis und Verfügbarkeit

Die UVP von Lily liegt bei 249,99 Euro für die klassische Edition mit Lederband, die Sport-Edition mit Silikonband kostet 199,99 Euro. Bis Testende hielten sich die Preise weitgehend stabil. In ausgesuchten Farben bekommt man die Sport-Edition bei Cyberport und Amazon um 10 Euro günstiger.

Preisvergleich

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Autor: Inge Schwabe, 18.02.2021 (Update: 18.02.2021)
Inge Schwabe
Anders als viele Techies fand ich nicht durch einen C64 oder dergleichen zur Technik; mich hat vielmehr der letzte Meter Kupferdraht fasziniert, über den ein Freund am anderen Ende der Leitung so glasklar zu hören war. Ich studierte Informatik und verfolgte danach über viele Jahre begeistert die Entwicklung des Telefons zum Smartphone. Aktuell werden Innovationen weniger, ihnen auf den Grund zu gehen aber bleibt spannend und interessant.