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Surface Pro 6 gegen Pixel Slate mit Brydge-Tastatur

Sanjiv Sathiah, Sabrina Hartmann (übersetzt von Finn D. Boerne), 06.03.2019

Apples iPad mag zwar noch immer das sich am besten verkaufende Tablet am Markt sein, aber es ist nicht für jeden Fan ultraportabler Geräte gleich gut geeignet. Microsofts Surface Pro 6 und das Google Pixel Slate sind die größten Kontrahenten des iPad Pro und haben jede Menge zu bieten. Zeit für einen direkten Vergleich der beiden Gegenspieler. Dabei setzen wir auf kompatible Brydge-Tastaturen, die anders als die sonst üblichen Tablet-und-Tastatur-Kombinationen eine Verwendung auf dem Schoß ermöglichen.

Einleitung

Für viele Anwender sind Notebooks noch immer das ultimative Arbeitsmittel für unterwegs. Tablets werden hingegen eher als Ergänzung gesehen und sitzen in der Typologie irgendwo zwischen Smartphone und Laptop. Obwohl Apple den Tablet-Markt mit seiner iPad-Serie scheinbar nach Belieben dominiert, hat die Firma weiterhin Probleme damit, die Anwender davon zu überzeugen, sich voll und ganz auf ein iPad als Notebook-Ersatz einzulassen. Der Hauptgrund für die Skepsis vieler Anwender dürfte die Tatsache sein, dass das iPad aufgrund scheinbar willkürlicher Entscheidungen Apples im Funktionsumfang sehr eingeschränkt ist. Apple bestimmt letztendlich, was in iOS - einem rein auf Touch-Bedienung ausgelegten Betriebssystem - erlaubt ist und was nicht. Die Maus muss beispielsweise draußen bleiben.

Andere Hersteller, wie Google und Microsoft, nutzen die Gelegenheit, um die Lücke zu füllen. Googles erster Ansatz waren auf Android basierende Tablets. Sogar eine spezielle Version von Android für Tablets mit großen 10-Zoll-Bildschirmen wurde entwickelt. Und obwohl alle Akteure zu Beginn recht hoffnungsvoll waren, sind Android-Tablets mittlerweile zugunsten der immer populärer werdenden und weit verbreiteten Phablets in der Nichtigkeit versunken. Der eklatante Mangel an speziell für Tablets optimierten Android-Apps war ebenfalls nicht gerade zuträglich. Selbst Google scheint dieser Meinung zu sein und hat seine auf Android basierte Tablet-Reihe mit dem Pixel C faktisch beerdigt, denn von einem Nachfolger ist weit und breit nichts zu sehen. Das neue Pferd im Stall ist das auf Chrome OS basierende Pixel Slate.

Microsofts Ansatz unterscheidet sich davon erheblich. Das Unternehmen aus Redmond hat sich von Anfang an speziell an all jene Anwender gewandt, die aus dem Business-Umfeld kommend Interesse an ultra-portablen Tablets zeigten. Somit lag der Fokus der Surface-Reihe von Anfang an auf Produktivität und Office-Anwendungen und nicht auf Multimedia-Inhalten oder Spielen. Und diese Nische besetzt und verteidigt Microsoft bis heute sehr erfolgreich. Auf das erste Surface-Tablet folgte eine ganze Reihe an Surface-Produkten, vom Surface GoSurface Book und Surface Laptop bis hin zum Surface Studio. Immer dabei: Windows 10 als Betriebssystem, das im Laufe der Zeit immer weiter entwickelt wurde, um auf möglichst all diesen Gerätekategorien das beste Benutzererlebnis zu bieten. Trotzdem haben viele Anwender seltsamerweise noch immer Zweifel ob der Tablet-Tauglichkeit von Windows 10.

Unsere beiden Testgeräte basieren auf Intels Core-i5-Prozessoren der 8. Generation und verfügen jeweils über 8 GB RAM und 128 GB Speicherplatz. Während das Pixel Slate auf einen Dual-Core-Prozessor der Y-Reihe setzt, steckt im Surface Pro 6 ein i5-Quad-Core der U-Reihe. Schauen wir also mal genauer hin, wie sich die beiden Kontrahenten in der Praxis schlagen.

Google Pixel Slate mit Brydge-G-Type-Tastatur (links) und Microsoft Surface Pro 6 mit Brydge-12.3-Tastatur (Bild: Notebookcheck)
Google Pixel Slate mit Brydge-G-Type-Tastatur (links) und Microsoft Surface Pro 6 mit Brydge-12.3-Tastatur (Bild: Notebookcheck)

Design und Verarbeitung

Das Pixel Slate kommt in einem sehr eleganten Design aus Glas und Metall daher. Die Verarbeitung ist sehr gut und das Gehäuse aus eloxiertem Aluminium in einem Farbton namens “Midnight Blue” wirkt sehr erfrischend. Es fühlt sich anders als das aktuelle iPad Pro, das bekanntermaßen mit ernsthaften Problemen bei der Gehäusestabilität zu kämpfen hat, ausgesprochen solide und robust an. Den Preis dafür zahlt man in Größe und Gewicht - das Pixel Slate ist laut Google bei 290 x 202 x 7 mm stolze 731 g schwer. Zum Vergleich: Das deutlich größere iPad Pro ist bei 12,9 Zoll nur 5,9 mm dick und wiegt gerade mal 633 g. Trotzdem würden wir dem Pixel Slate allein schon aufgrund der zusätzlichen zwei Stunden Akkulaufzeit und der höheren Gehäusestabilität den Vorzug geben.

Das Surface Pro 6 setzt auf das seit der ersten Generation verwendete und mittlerweile unverkennbare Design. Das Gehäuse wird aus einer robusten Magnesium-Legierung gefertigt und ist dadurch ausgesprochen stabil. Mit 292 x 201 x 8,5 mm sind die Abmessungen vergleichbar mit dem Pixel Slate, es ist allerdings rund 1,5 mm dicker und wiegt mit 770 g auch ein wenig mehr. Dadurch fühlt es sich bei Benutzung als Tablet etwas unhandlich an. Die zusätzliche Dicke hat allerdings einen technischen Grund: Da im Inneren ein vollwertiger passiv gekühlter Quad-Core-Prozessor zum Einsatz kommt, wird das zusätzliche Volumen zum Temperaturmanagement benötigt. Angesichts der Vorteile bei der Performance ein Nachteil, der nicht nur angemessen erscheint, sondern den wir auch gerne bereit sind in Kauf zu nehmen.

Im direkten Vergleich wirkt das Pixel Slate deutlich moderner und ist auch etwas kompakter und mobiler. Insbesondere Letzteres spielt in dieser Geräteklasse eine wichtige Rolle. Es ist zwar nicht das leichteste Tablet seiner Klasse, aber fühlt sich genauso hochwertig an wie das Surface Pro 6.

Beide Geräte sind hervorragend verarbeitet
Beide Geräte sind hervorragend verarbeitet

Display und Sound

Sowohl das Pixel Slate als auch das Surface Pro 6 verfügen über ein 12,3-Zoll-Display mit einem 3:2-Seitenverhältnis. Und ganz dem aktuellen Trend folgend, der einen individuellen Namen für diese Displays zu fordern scheint, haben sich beide Hersteller entsprechende Begriffe ausgedacht. Google nennt den Bildschirm des Pixel Slate ein “Molecular”-Display, Microsofts Name für den Bildschirm des Surface Pro 6 lautet “PixelSense”. Die Namen folgen Apples Tradition des Retina-Bildschirms und sagen nichts anderes aus, als dass es sich um besonders hochauflösende Bildschirme mit hoher Pixeldichte handelt. Von den beiden vorliegenden Displays ist das des Pixel Slate mit einer Auflösung von 3.000 x 2.000 Pixeln und einer daraus resultierenden Pixeldichte von 293 DPI hochauflösender und schärfer.

Das Display des Surface Pro 6 löst mit 2.736 x 1.824 auf, was eine Pixeldichte von 267 DPI ergibt. Es ist trotzdem noch immer hervorragend, insbesondere bei Videoinhalten. Microsoft hat bei der Entwicklung des Surface Pro 6 den Schwerpunkt des Displays auf einen verbesserten Farbumfang gelegt und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Interessante Nebenbemerkung: Das PixelSense-Display des Surface Pro 6 hat eine minimal höhere Auflösung als das LiquidSense-Display des 12,9-Zoll-iPad-Pro (2018). Letzteres löst mit 2.732 x 2.048 Pixeln auf, was eine Pixeldichte von 264 DPI ergibt. Müssten wir uns zwischen dem Pixel Slate und dem Surface Pro entscheiden, würden wir Ersteres bevorzugen. Insbesondere dann, wenn viel mit Texten und Dokumenten gearbeitet wird. Die zusätzliche Pixeldichte führt zu einer schärferen Darstellung, die im direkten Vergleich mit dem Surface Pro 6 durchaus auffällt. Selbst dem viel gepriesenen Display des iPad Pro würden wir es vorziehen.

Beide Tablets verfügen über nach vorne gerichtete Lautsprecher. Die hochwertigen Stereo-Lautsprecher des Pixel Slate erzeugen einen satten Klang, der besonders bei Videos zum Tragen kommt. Trotzdem überzeugte das Surface Pro 6 in diesem Fall dank seiner 1,6-W-Lautsprecher mit Dolby Audio Premium mehr. Sie sind etwas kraftvoller, was bei Meetings sehr nützlich werden kann. Ein Tablet hat somit beim Bildschirm die Nase vorne, das andere bei den Lautsprechern. Beide bieten aber mehr als nur angemessene Qualität in beiden Kategorien und liefern ein hervorragendes audiovisuelles Erlebnis. Stünden wir vor der Wahl, würden wir dem Pixel Slate den Vorzug geben. Im Alltag spielt der Bildschirm dann doch eine wichtigere Rolle als der Klang.

Das Surface Pro bietet ein überzeugendes audiovisuelles Erlebnis (Bild: Notebookcheck)
Das Surface Pro bietet ein überzeugendes audiovisuelles Erlebnis (Bild: Notebookcheck)
Das Pixel Slate ist diesbezüglich sogar noch minimal besser (Bild: Notebookcheck)
Das Pixel Slate ist diesbezüglich sogar noch minimal besser (Bild: Notebookcheck)

Chipsatz

Im Surface Pro 6 steckt ein Intel-Core-i5-8250U-Quad-Core-Prozessor der 8. Generation (Kaby Lake-R) mit einem Basistakt von 1,6 und einem Turbo-Boost von bis zu 3,4 GHz sowie 8 GB DDR4-2400-RAM. Trotz der TDP von 15 W setzt Microsoft auf eine vollständig passive Kühlung des Chips. Dank seines verhältnismäßig niedrigen Basistakts von 1,6 GHz funktioniert das recht gut. Die vier Kerne mit Hyper-Threading, also der Fähigkeit, bis zu acht Threads gleichzeitig auszuführen, erzielen eine respektable Leistung. Als Grafikeinheit verfügt die CPU über einen Intel-UHD-620-Graphics-Chip, der für eine flüssige Darstellung der Windows-10-Oberfläche sorgt und einen externen 4K-Bildschirm unterstützt. Insgesamt ist der Chipsatz des Surface Pro 6 ein echtes Arbeitstier, ohne dafür Mobilität zu opfern. Diesbezüglich also eine sehr gute Balance aus Portabilität und Performance.

Im Pixel Slate steckt zwar ebenfalls ein Prozessor der 8. Generation, allerdings in diesem Fall ein Core i5-8200Y Dual-Core der Amber-Lake-Familie mit 1,3 GHz Basistakt und einem Turbo-Boost von bis zu 3,9 GHz gepaart mit 8 GB LPDDR3-1866-RAM. Auch diese CPU ist komplett passiv gekühlt, was allerdings nicht überraschend ist. Es handelt sich schließlich um einen Prozessor der Y-Serie mit einer TDP von gerade mal 5 Watt. Da Chrome OS trotz der jüngst hinzugekommenen Fähigkeit, Android-Apps auszuführen, weiterhin ein sehr kleines und sparsames Betriebssystem geblieben ist, hat die CPU keinerlei Mühe damit, das System flott und flüssig an den Mann oder die Frau zu bringen. Auch der i5-8200Y unterstützt Hyper-Threading und kann somit bei zwei physikalischen Kernen bis zu vier Threads gleichzeitig abarbeiten. Der integrierte Grafikchip ist ein UHD 615 Graphics, der ebenfalls eine recht ordentliche Leistung ablieferte und die meisten Android-Spiele flüssig darstellen konnte. Ein externer 4K-Bildschirm wird ebenso unterstützt.

Somit ist das Surface Pro 6 das deutlich leistungsfähigere Gerät, was aber natürlich noch lange nicht heißt, dass das Pixel Slate schwach wäre. Für ein Chrome-OS-Gerät war es ausgesprochen flott, litt aber auch unter dem aktuellen Entwicklungsstand des Betriebssystems. Mehr dazu im folgenden Abschnitt.

Im Surface Pro 6 mag zwar ein Quad-Core stecken, das 8,5 mm dicke Gehäuse reicht zur passiven Kühlung aber aus (Bild: Notebookcheck)
Im Surface Pro 6 mag zwar ein Quad-Core stecken, das 8,5 mm dicke Gehäuse reicht zur passiven Kühlung aber aus (Bild: Notebookcheck)
Das Pixel Slate ist ebenfalls passiv gekühlt und nur 7 mm dick, die CPU ist dafür aber auch sehr viel sparsamer (Bild: Notebookcheck)
Das Pixel Slate ist ebenfalls passiv gekühlt und nur 7 mm dick, die CPU ist dafür aber auch sehr viel sparsamer (Bild: Notebookcheck)

Betriebssystem und Anwendungen

Windows 10 braucht wahrlich keine einleitenden Worte mehr. Verglichen mit seinem Vorgänger, Windows 8, ist es in der Bedienung und Benutzung ein deutlicher Schritt nach vorne und wieder deutlich näher an Windows 7 gerückt. Gleichzeitig ist es schneller und stabiler geworden als seine Vorgänger. Im Desktop-Modus funktioniert es erwartungsgemäß sehr gut. Es gibt unzählige Anwendungen für den Desktop-Modus und das Surface Pro 6 hat dank schnellem Quad-Core-i5-Prozessor und 8 GB RAM keine Mühe mit Büro-Anwendungen oder anderer Produktivitätssoftware. Lediglich bei 3D-Anwendungen, wie zum Beispiel Spielen, wird es durch seine integrierte Intel-GPU ausgebremst.

Wo Windows 10 aber dann deutliche Schwächen zeigt, ist im Tablet-Modus. Und das liegt noch nicht mal an der Umsetzung des Tablet-Modus, ganz im Gegenteil. Windows 10 ist genauso gut geeignet für den Betrieb auf einem Couch-Tablet wie auf einem Arbeits-Notebook. Das Problem liegt an ganz anderer Stelle: Quantitativ gibt es im Microsoft Store eine große Anzahl an für Tablets optimierten Anwendungen, qualitativ lassen diese allerdings häufig zu wünschen übrig. Auch sind nicht allzu viele wirklich interessante Anwendungen dabei. Eine vergleichbare Situation war letztlich der Auslöser für den Untergang der Windows-Phone-Plattform. Glücklicherweise hängt das Überleben von Windows 10 aber nicht von Windows-10-Tablets ab und die wenigen tatsächlich nützlichen auf Tablets optimierten Windows-10-Anwendungen, wie zum Beispiel die Netflix-App, sind eine wahre Freude. Schade nur, dass es davon so wenige gibt.

Chrome OS dürfte den meisten Lesern mittlerweile ebenfalls vertraut sein. Aus der Idee eines Ultraleichtgewichts für den schnellen Zugang zum Internet heraus geboren, setzt es als Bedienoberfläche auf den Chrome-Browser. Im Kern des Systems stehen sogenannte Web-Applikationen - ein Prinzip, dem andere (inklusive Microsoft) gefolgt sind. Ein großer Vorteil von Web-Apps ist die Tatsache, dass die rechenintensiven Bestandteile der Anwendungen auf kraftvolle und mächtige Server ausgelagert werden können. Logischerweise steht und fällt dieses Thin-Client-Konzept mit der Verfügbarkeit einer Breitband-Internetleitung, die glücklicherweise in den vergangenen Jahren immer alltäglicher geworden ist. Selbst rechenintensive Anwendungen wie 3D-Spiele werden mittlerweile in der Cloud gerendert und über die Internetleitung und einen Webbrowser oder eine Thin-Client-Gaming-Konsole zum Anwender gebracht. Das Hauptproblem von Chrome OS war lange Zeit, dass es dieser Entwicklung voraus war. Google sah sich daher im Laufe der vergangenen Jahre dazu gezwungen, immer mehr und mehr Offline-Fähigkeiten nachzuliefern, die der allgemeinen Nützlichkeit von Chrome-OS-Geräten sehr zuträglich waren.

Die jüngste dieser Offline-Fähigkeiten ist die Möglichkeit, auch Android-Apps endlich nativ auf Chrome OS auszuführen. Ursprünglich war die ausschließlich für 2-in-1-Geräte wie das Samsung Chromebook Plus oder Pro gedacht. Diese Geräteklasse hat so ganz nebenbei den Chrome-OS-Tablets den Weg geebnet, deren erste Generation in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres auf den Markt kam. Bis heute gibt es hier nur eine Handvoll Geräte, die noch dazu meist über langsame ARM-Prozessoren verfügen und sich primär auf den Bildungssektor konzentrieren. Folglich sind sie entsprechend günstig und langsam. Das Pixel Slate ist das erste sehnsüchtig erwartete High-End-Chrome-OS-Tablet.

Die Gründe, warum Google sich entschieden hat, Android auf Tablets durch Chrome OS zu ersetzen, sind recht eindeutig. Es gibt sogar Gerüchte, dass das mittlerweile eingestellte Pixel C ursprünglich mit Chrome OS anstelle von Android hätte kommen sollen. Das größte Problem bei der tagtäglichen Arbeit mit Büroanwendungen auf Apples iPad Pro ist das Fehlen der Bedienung per Maus und die halbgaren Multitaskingfähigkeiten, also das Ausführen mehrerer Anwendungen gleichzeitig. Chrome OS hat diese Fähigkeiten bereits eingebaut, ist aber analog zu iOS ein kleines, schnelles und robustes Betriebssystem geblieben - eine Grundvoraussetzung für den Einsatz auf schlanken und sparsamen Tablets. Und mit der kürzlichen Integration von Android-App-Support stehen jetzt eine Unmenge an für Touch-Eingabe optimierten Anwendungen zur Verfügung. Der Erfolg von Chrome OS auf Tablets hängt also genauso wie schon zuvor bei den Android-Tablets von deren Verfügbarkeit und Qualität ab.

Wir haben Anlass zur Hoffnung, dass sich der Markt durch die Einführung der faltbaren Geräte und hoffentlich weiterer Chrome-OS-Tablets in naher Zukunft positiv entwickeln wird. Entwickler könnten durchaus mit der Tablet-Optimierung ihrer Apps punkten, statt wie bisher einfach nur auf größere Versionen ihrer auf Smartphones ausgerichteten Apps zu setzen. Schon jetzt gibt es für Chrome OS mehr auf Touch-Eingabe optimierte Apps als für Windows, wenngleich diese nicht immer auch für Tablets gemacht sind. Mit dem zum Testzeitpunkt aktuellen Chrome OS 72 war der Einsatz als Android-Tablet aber noch ziemlich unausgegoren und konnte nicht mal ansatzweise mit der Eleganz von iOS auf einem iPad Pro mithalten. Hoffentlich wird sich dieser Umstand möglichst bald verbessern. Die Kritik der frühen Tests können wir durchaus nachvollziehen: Das Pixel Slate ist noch nicht wirklich massentauglich.

Auf dem Desktop ist Windows 10 hervorragend, aber die Auswahl an Tablet-optimierten Apps ist gering (Bild: Notebookcheck)
Auf dem Desktop ist Windows 10 hervorragend, aber die Auswahl an Tablet-optimierten Apps ist gering (Bild: Notebookcheck)
Chrome OS bietet Multitasking und eine reichhaltige Auswahl an Touch-Apps (Bild: Notebookcheck)
Chrome OS bietet Multitasking und eine reichhaltige Auswahl an Touch-Apps (Bild: Notebookcheck)

Brydge-Tastaturen

Eine Besonderheit unseres heutigen Tests ist die Tatsache, dass wir anstelle der offiziellen Tastaturen von Microsoft und Google Aluminium-Tastaturen des Herstellers Brydge verwendet haben. Im Falle der G-Type-Tastatur für das Pixel Slate hat Brydge mit Google zusammengearbeitet. Folglich wird die Tastatur von Google auch als offizielles Zubehör angeboten. Im Falle des Surface Pro 6 gab es zwar keine offizielle Zusammenarbeit mit Microsoft, die Tastatur ist dadurch aber nicht weniger durchdacht oder gar schlechter.

Die Firma hinter den Tastaturen, Brydge, existiert seit 2012. Als erstes Produkt brachte das Start-up eine Kickstarter-finanzierte Aluminium-Tastatur für das iPad auf den Markt, da es von Apple zu dem Zeitpunkt keinerlei Bestrebungen gab, eine solche für das hauseigene Tablet anzubieten. Die BrydgeAir-Tastatur, mittlerweile umbenannt in Bridge 9.7, war das Kickstarter-Produkt mit den meisten Unterstützern dieses Jahres und machte aus dem iPad ein MacBook mit Touchscreen. Aktuell hat die Firma damit begonnen, Vorbestellungen für die neue iPad-Pro-2018-Tastatur anzunehmen. Was die Tastaturen im Vergleich zur Konkurrenz so besonders macht, ist die Tatsache, dass jedes Modell individuell und spezifisch entwickelt wird, um der Designsprache des Tablets, für das es entwickelt wird, möglichst harmonisch gerecht zu werden.

Im Gegensatz zu den offiziell von Google und Microsoft angebotenen Tastaturen für die Tablets verwandeln die Brydge-Tastaturen die Tablets in Geräte, die problemlos und komfortabel auf dem Schoß verwendet werden können. Damit sind sie insbesondere für all jene Benutzer interessant, die den Formfaktor eines Tablets bevorzugen, aber nicht auf den Komfort eines Laptops verzichten wollen. Also all jene, die quasi das Beste aus beiden Welten abgreifen möchten und neben der Leistungsfähigkeit eines Laptops auch ein Tablet für die Freizeit haben möchten, ohne dafür mehrere Geräte einsetzen zu müssen.

Die Brydge 12.3 genannte Tastatur für das Surface Pro 6 wurde nicht in Zusammenarbeit mit Microsoft entwickelt, sieht aber nichtsdestotrotz danach aus. Sie folgt Microsofts kantigem Design und passt sich dem Surface-Tablet sehr gut an. Die vollwertige Chiclet-Tastatur mit dreistufiger Hintergrundbeleuchtung ist viel angenehmer zum Tippen als Microsofts TypeCover. Das Trackpad aus Glas ist reaktionsfreudig und trotz drahtloser Verbindung via Bluetooth 4.1 fühlt es sich in der Benutzung so an, als würde es kabelgebunden mit dem Surface Pro 6 kommunizieren. Der Akku soll laut Hersteller mehrere Monate lang halten und es gibt auch Modelle mit eingebautem Speicher (128 oder 256 GB). Das Gewicht liegt bei 652 g.

Die Tastatur für das Pixel Slate nennt sich G-Type und funktionierte im Test ebenfalls hervorragend. Es handelt sich hierbei um die jüngste Neuvorstellung von Brydge, wodurch die Erfahrungen aller vergangenen Modelle mit eingeflossen sind. Beispielsweise sind die Scharniere deutlich kleiner und weniger auffällig. Obwohl sie dünner ist als die Brydge-12.3-Tastatur des Surface Pro 6, zeigt die Waage mit 700 g ein noch höheres Gewicht an. Damit ist die Kombination aus Surface Pro 6 und Brydge 12.3 um insgesamt 9 g leichter als das Pixel Slate mit Brydge G-Type. Die Chiclet-Tastatur kommt mit vollwertigem Chrome-OS-Support, verfügt über eine dreistufige Hintergrundbeleuchtung und ebenfalls angeblich bis zu sechs Monaten Akkulaufzeit. Subjektiv fühlte sich die Tastatur sehr natürlich an und das Glas-Trackpad war groß genug für Gesten.

Trotzdem war im Fall der Brydge G-Type nicht alles Gold, was glänzt. Zwei der vier Puffer an der Unterseite, die das Gerät minimal vom Tisch abheben und die Oberfläche schützen sollen, lösten sich während des Testzeitraums. Dadurch fing die Tastatur nicht nur an, verdächtig zu wackeln, sondern nahm auch optischen Schaden durch Kratzer. Außerdem wurde der Farbton, obwohl in Zusammenarbeit mit Google entwickelt, nicht zu 100 % getroffen. Letzteres ist zwar nur eine Kleinigkeit, kann aber auf so manchen Benutzer optisch unruhig und dadurch störend wirken. Positiv anzumerken wäre der schnelle und unkomplizierte Support durch Brydge, die uns schnell und unbürokratisch Ersatz-Puffer für die Unterseite zuschickten. Bezüglich des Farbtons ist man allerdings machtlos. Möglicherweise liegt es einfach daran, dass das eingesetzte Metall sich minimal von dem des Pixel-Slate-Gehäuses unterscheidet.

Insgesamt waren beide Brydge-Tastaturen sehr gute mobile Begleiter und bestens zur Erweiterung des Funktionsumfangs ihres jeweiligen Tablets geeignet. Wem zusätzlich zur Einsatzfähigkeit auf dem Schoß auch maximale Mobilität wichtig ist, der kommt um die offiziellen Tastaturhüllen allerdings nicht herum.

Die Brydge-12.3-Tastatur für das Surface Pro 6 sieht aus, als wäre sie von Microsoft gemacht (Bild: Notebookcheck)
Die Brydge-12.3-Tastatur für das Surface Pro 6 sieht aus, als wäre sie von Microsoft gemacht (Bild: Notebookcheck)
Die G-Type-Tastatur für das Slate ist in Zusammenarbeit mit Google entwickelt worden (Bild: Notebookcheck)
Die G-Type-Tastatur für das Slate ist in Zusammenarbeit mit Google entwickelt worden (Bild: Notebookcheck)

Konnektivität

Weder das Surface Pro 6 noch das Pixel Slate verfügen über ein reichhaltiges Portfolio an Anschlüssen. Das Surface Pro 6 hat einen vollwertigen USB-A-3.0-Port, einen 3,5-mm-Kopfhörerausgang, einen Mini-DisplayPort und einen microSDXC-Kartenleser. Drahtlose Kommunikation erfolgt über 802.11ac und Bluetooth 4.1. Am Pixel Slate finden sich dagegen nur zwei USB-C-3.1-Ports und weder ein Kartenleser noch ein analoger Audioausgang. Auf den ersten Blick mag das nervig wirken, in der Praxis ist der USB-C-Anschluss aber sehr vielseitig. Microsoft spendiert diesen immerhin seinem jüngsten Spross der Surface-Familie, dem Surface Go. Beide Tablets sind in der Lage, externe Massenspeicher anzusprechen, dem iPad Pro fehlt diese Fähigkeit trotz seines USB-C-Ports. Drahtlos kommuniziert das Slate über 802.11ac (Dual Band) und Bluetooth 4.2.

Das Slate verfügt somit zwar über die moderneren Anschlüsse, das Fehlen des 3,5-Zoll-Audio-Ports ist aber wie auch beim iPad Pro ein Ärgernis. Der microSD-Leser des Surface Pro 6 ist sehr praktisch, im Gegenzug kann das Slate mit jedem beliebigen 45-W-USB-C-Ladegerät geladen werden. Beim Surface Pro 6 setzt Microsoft weiterhin auf den proprietären Surface Connector, was ähnlich ärgerlich ist wie das Fehlen des analogen Audio-Ausgangs am Slate. Wir wollen doch sehr hoffen, dass das Surface Pro 7 endgültig den Schwenk zu USB-C vollziehen wird.

Fazit

Microsofts Surface Pro 6 ist ein hervorragendes mobiles Arbeitstier. Windows-User finden darin ein sehr gutes und äußerst beliebtes Arbeitsgerät. Es bietet mehr als ausreichend Rechenpower, um die Vorteile von Windows 10 vollends auskosten zu können. Für einen Preis von rund 960 Euro ist es ein gutes Angebot, obwohl darin die Tastatur noch gar nicht enthalten ist. Zumindest ist man dadurch nicht festgelegt und kann, falls gewünscht, direkt zur 130 US-Dollar teuren Brydge-Tastatur greifen. Angesichts des Mangels an hochwertigen und nützlichen Tablet-Anwendungen für Windows 10 ist eine gute Tastatur zwingend notwendig, um das Maximum aus dem Surface Pro 6 herauszuholen. Aus Sicht der Mobilität ist der Tablet-Formfaktor weiterhin vorteilhaft, auch wenn das Gerät als reines Tablet nicht sein volles Potenzial entfalten kann.

Ganz im Gegenteil dazu steht das Pixel Slate. Die Unterstützung für Android-Apps unter Chrome OS bedeutet, dass das Slate direkt und auch ohne Tastatur ein sehr gutes Tablet darstellt. Wer dennoch eine Tastatur wünscht oder benötigt, ist mit der Brydge-G-Type-Tastatur sehr gut bedient. Nicht zuletzt, weil sie rund 50 US-Dollar günstiger ist als Googles hauseigene Pixel-Slate-Tastatur. Bei einem Kaufpreis von knapp 1.000 US-Dollar verfügt das Slate, das derzeit noch nicht offiziell in Deutschland vertrieben wird, nicht unbedingt über das beste Preis-Leistungsverhältnis. Trotzdem ist die Kombination aus vollwertiger Unterstützung für die Maus und Multitasking auf der einen Seite und die große Auswahl an auf Touch-Eingabe optimierten Tablet-Apps auf der anderen sehr verlockend. Das gilt auch dann, wenn das ganze Erlebnis einen ziemlich ungehobelten und verbesserungswürdigen Eindruck hinterlässt.

Wer einen ultra-portablen PC für maximale Produktivität benötigt, fährt mit dem Surface Pro 6 deutlich besser. Abenteuerlustige Naturen können hingegen zum vielversprechenden Pixel Slate greifen. Die derzeitigen Probleme sind ausschließlich auf Unzulänglichkeiten in der Software zurückzuführen. Dadurch besteht die realistische Chance, dass diese in naher Zukunft vollständig ausgebügelt sein werden und das Slate in Kürze die beste Kombination aus Portabilität, Produktivität und Entertainment darstellen wird.

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Autor: Sanjiv Sathiah,  6.03.2019 (Update: 10.03.2019)