Wer zur Ifa vom S-Bahnhof Messe Nord geht, der wird in der Regel den orangefarbenen Zugangstunnel zum Messegelände nutzen. Doch dieser ist besonders unangenehm, denn in der Regel sind viele Leuchtmittel kaputt, fast alle Rolltreppen kaputt oder inaktiv und die Fahrstühle funktionieren sowieso nicht. Alternativen gibt es nur über Umwege, denn oberirdisch ist eine Straßenkreuzung ohne Fußgängerüberwege.
Aufgrund des dreckigen und oft auch unangenehm riechenden Zustands wird der die Passage mittlerweile in Berlin "Tunnel des Grauens" genannt. Mehrere Begehungen von Notebookcheck.com zeigten, dass in der Regel die Anlage nicht gepflegt wurde. In einem Fall hat eine Presseanfrage erst Reparaturen veranlasst. Wir berichteten ausführlich zu der Situation. Zum runden Jubiläum der Ifa, die feierte 100 Jahre Bestehen, hat sich das Land Berlin nicht bemüht, etwas gegen das Problem zu tun.
Doch das soll sich nun ändern. Wie der Berliner Tagesspiegel (Paywall) berichtet, wird die Anlage nun doch nicht geschlossen, sondern tatsächlich saniert und im Betrieb gelassen. Zunächst soll die Anlage zu einer Sportstätte umgebaut werden, was mehr Leben durch Menschen in der denkmalgeschützten Anlage bedeutet. Zudem soll die Anlage nur noch zu großen Publikumsmessen geöffnet werden.
Allerdings kann sie weiterhin nicht geschlossen werden, da die darüberliegende Kreuzung dafür erst umgebaut werden muss. Einen Zeitplan gibt es laut Tagesspiegel noch nicht. Erfahrungsgemäß kann das Jahre bis Jahrzehnte dauern, da der Stadt planerisches Personal fehlt. Das zeigt sich auch an den ursprünglichen Schließungsplänen. 2018 wurde der Beschluss gefasst, die Anlage dichtzumachen und die Kreuzung darüber zu öffnen, wie der Tagesspiegel seinerzeit berichtete. Passiert ist in den letzten sieben Jahren allerdings fast nichts, zumal die Anlage schon die Jahre davor kaum gepflegt wurde. Immerhin wurde laut Tagesspiegel nun erstmals LED-Beleuchtung angebracht. Allerdings um die Leuchten herum, statt Retrofit-LEDs mit Starteraustausch einzusetzen. Letztes Jahr sagte die Senatsverwaltung Notebookcheck.com noch, dass dies nicht geplant sei. Laut Tagesspiegel hat die Umrüstung 45.000 Euro gekostet.
2018 kostete die spärliche Pflege der Anlage 345.000 Euro im Jahr. Im Gegenzug bringen insbesondere internationale Messebesucher der Stadt Berlin viel Geld. Laut der Kongressstatistik 2023 (PDF) profitierte Berlin durch einen besonders hohen Anteil internationaler Messebesuche. Die Gruppe der Kongressteilnehmer allgemein (national wie international) lässt pro Person und Tag im Durchschnitt 350 Euro in der Stadt. Das ist deutlich mehr als ein typischer Tourist, der nur etwas mehr als 200 Euro pro Tag ausgibt. Neben der Ifa gehört auch die Eisenbahntechnikmesse Innotrans zu den größten Messen in der Stadt, für dessen Besucher der "Tunnel des Grauens" ein wichtiger Zugangsweg ist.
Die Ifa selbst wird noch bis mindestens 2033 in der Stadt Berlin verbleiben.








