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Warum wir alle schnelles Internet benötigen

Günstige Glasfaser-Internetleitung in Osteuropa (Rumänien) anno 2019 (Quelle: Eigene)
Günstige Glasfaser-Internetleitung in Osteuropa (Rumänien) anno 2019 (Quelle: Eigene)
Im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Geschwindigkeit von Internetverbindungen weltweit mit enormem Tempo weiterentwickelt. Der Fokus lag hierbei ganz klar auf mobilen Internet- und Glasfaserverbindungen. In diesem Artikel wollen wir einen schnellen Blick auf die Geschichte der Internetverbindungen werfen und uns ansehen, welche Einsatzbereiche in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ganz besonders von schnellem Internet profitiert haben, profitieren und profitieren werden.

Eine kurze Geschichte der Internetanschlüsse

Gegen Ende der 1960er Jahre, als das ARPANET-Projekt aus der Taufe gehoben wurde, entsprach die Geschwindigkeit der Verbindungen der Hardware der damaligen Zeit: 56 kbps. Ende der 90er Jahre waren bereits die ersten Internetverbindungen mit bis zu 10 Mbps für die breite Öffentlichkeit verfügbar, während die zu dem Zeitpunkt noch allgegenwärtigen Modems weiterhin auf 56 kbps eingeschränkt blieben.

1994 fand die erste Internationale World-Wide-Web-Konferenz statt. Schätzungen von 1995 ergaben, dass nur rund 0,04 % der Weltbevölkerung Zugang zum Internet hatten und weit über die Hälfte davon in den USA lebte. In weniger als zwei Jahrzehnten hat sich diese Zahl auf 41 % vervielfacht (2014). 

   Der Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee

Diverse Einsatzmöglichkeiten und ihre historische Entwicklung

Wenig überraschend bestand der Datenverkehr in den frühen 1990er Jahren zu einem Großteil aus Textinhalten. Aber schon kurz nach der Erfindung des World Wide Web explodierte die Vielfalt im Internet. Im Folgenden sind ein paar der Dienste gelistet, die das Internet auf Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg definieren und bestimmen sollten. Viele davon existieren mittlerweile entweder gar nicht mehr oder sind nur noch ein Schatten ihrer selbst.

  • Hotmail erblickte 1996 das Licht der Welt und bot einen kostenlosen E-Mail-Dienst an, der jederzeit und von überall aus erreichbar war. Nur ein Jahr später wurde der Dienst bereits von Microsoft für rund 400 Millionen US-Dollar übernommen.
  • ICQ erschien im selben Jahr und war der erste großflächig und weltweit verbreitete Messenger.
  • Zwar wurde die Firma Google erst 1998 gegründet, aber schon 1996 fand die Suchmaschine als Forschungsprojekt von Larry Page und Sergey Brin ihren Anfang und ging 1997 online.
  • Anfang März 1998 erschien der Yahoo! Pager, im Juni 1999 dann der Yahoo! Messenger.
  • Napster ging 1999 an den Start und bot seinen Anwendern die Möglichkeit, einfach und schnell Dateien auszutauschen. Da dies in den meisten Fällen illegal geschah, wurde der Dienst knapp zwei Jahre später im Juli 2001 schon wieder abgeschaltet. Er legte allerdings das Fundament für eine Vielzahl an dezentralen Peer-to-Peer-Diensten, von denen so manche selbst 2019 noch existieren, sie zum Beispiel eMule und Shareaza.
  • Facebook ging in den USA erstmals 2004 online und im Jahr drauf auch weltweit. Seitdem hat sich die Firma viele beliebte Dienste, wie Instagram und WhatsApp, einverleibt.

All diese Dienste sind aber nur Tropfen auf den heißen Stein. In den vergangenen 30 Jahren hat sich das Internet rasant entwickelt und viele beliebte Anbieter und Dienste kamen und gingen wieder.

Heutzutage sollte selbst eine langsame Internetleitung mit 5 bis 10 Mbps locker für das Abrufen von E-Mails, die Verwendung von Messengern oder der Recherche im Internet völlig ausreichen. Ein Großteil der Milliarden von Menschen, die tagtäglich online sind, nutzen allerdings ganz andere und viel bandbreitenhungrigere Dienste:

  • Video-Streaming, sowohl on-demand als auch interaktiv (Twitch, Amazon Prime Video, Netflix, Mixer und andere).
  • Audio-Streaming (Bandcamp, Spotify, JamendoSoundCloud, Apple Music, Deezer).
  • Video-Chat und Tech-Support mit Live-Video.
  • Filesharing. Zwar gibt es durchaus auch Torrent-Seiten mit legalen Inhalten (Legit TorrentsPublicDomainTorrents und der sehr reichhaltig gefüllte etree.org Community Bittorrent Tracker) und deutlich mehr als nur Linux-ISOs, die meisten Menschen assoziieren Filesharing allerdings sofort mit illegalen Downloads.
  • Digitale Spieledistribution wie Steam oder GOG. Aktuelle Spiele können durchaus mal 50 GB oder größer sein.
  • Heimüberwachung und Smart-Home-Interaktion von überall aus.
  • Home-Office wird Jahr für Jahr dank der allgegenwärtigen Cloud-Dienste für immer mehr Menschen zur Normalität.

All diese Szenarien benötigen schnelle Internetverbindungen, um nicht sinnlose Zeit mit dem Starren auf Ladebalken zu verschwenden. 

Modernes Home Office

Schon seit Anfang der 2000er Jahre ist eine schnelle Internetverbindung Voraussetzung für Freelancer aber auch deren Auftraggeber, auf deren Server die erledigten Aufträge, sobald sie abgeschlossen sind, hochgeladen werden.

Um 2007 herum hatte ich beispielsweise den Auftrag für ein US-Unternehmen Video-Tutorials zu erstellen. Eine schnelle Internetverbindung hat mir diese Arbeit überhaupt erst ermöglicht, da ich die fertigen Videos anschließend auf die Server des Unternehmens laden konnte. Heutzutage meldet man sich via verschlüsselter Verbindung auf einem entfernten Server an und erledigt die anstehenden Arbeiten direkt remote vor Ort ohne, dass der lokale Client auch nur einen Bit Code ausführen muss.

Statistiken des vergangenen Jahres

Im Folgenden ein paar interessante Statistiken des Jahres 2018:

  • Die durchschnittliche Geschwindigkeit eines mobilen Internetanschlusses betrug 22,82 Mbps im Downstream und 9,19 Mbps im Upstream, was gegenüber dem Vorjahr einem Zuwachs von 15,2 und 11,6 Prozent entspricht.
  • Festnetzanschlüsse lagen bei durchschnittlich 46,12 Mbps im Downstream und 22,44 Mbps im Upstream - ein Zuwachs von rund 26 % gegenüber 2017.
  • Android-Geräte waren mit 21,35 vs. 27,84 Mbps im Downstream und 8,82 vs. 10,61 im Mbps Upstream im Durchschnitt langsamer angebunden als iOS-Geräte.
  • Die fünf Ländern mit den schnellsten mobilen Internetverbindungen waren Norwegen, Island, Qatar, Singapur und die Niederlande. Diese fünf lagen im Bereich von durchschnittlich 53,42 bis 63,19 Mbps im Downstream.
  • Die schnellste durchschnittliche Festnetzanbindung gab es in Singapur (175,13 Mbps), gefolgt von Island (153,03 Mbps), Hong Kong (138,81 Mbps), Südkorea (114,67 Mbps) und Rumänien (109,90 Mbps).
  • Die höchsten Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr gab es im mobilen Bereich in Costa Rica (13,40 Mbps / 194,6 % mehr) und im Festnetzbereich in Paraguay (27,05 Mbps / 268,6 % mehr).

Die Entwicklung des mobilen Internets, von 1G bis 5G (Quelle: TechSpot)

Zukünftige Herausforderungen und Erwartungen

  • Virtual Reality und Augmented Reality werden den Bedarf an schnellen Internetleitungen in den kommenden Jahren weiter antreiben.
  • Die Zunahme der Auflösung von Streaming-Inhalten ist ebenfalls einer der Hauptantriebe für den Bedarf an immer schnelleren Internetleitungen, gleichzeitig aber auch einer der Motoren hinter neuartigen Diensten wie Stadia.
  • Spracherkennung und durch künstliche Intelligenz getriebene virtuelle Assistenten werden immer besser und Mobilgeräte werden immer schnelleres Internet benötigen. Natürliche Sprache zur Interaktion mit dem eigenen Telefon und sämtlichen darauf laufenden Anwendungen wird allgegenwärtig sein.
  • Der Umbruch von Live-TV hin zu nicht selten exklusiven On-Demand-Streaming-Inhalten führt zu einem Einbruch bei den klassischen Kabelanschlüssen und einem erheblichen Zuwachs bei Anbietern wie Netflix. Konsumenten sind nicht selten willens für exklusive Inhalte extra zu bezahlen.
  • Smart Home und autonomes Fahren wird allgegenwärtig werden und die Verfügbarkeit von 5G antreiben.

Smart-Home-Ökosystem

Das sogenannte “Internet of Things” wird sich weiter ausbreiten und sich auf Dinge wie Smart Clothing ausweiten. Die Anzahl an Sensoren, die uns alles mögliche an Informationen liefern, wird außerdem drastisch zunehmen und die Lebensqualität deutlich verbessern. Man denke beispielsweise an Schutzkleidung mit eingebauten Herzfrequenz- und Blutdrucksensoren, die im Notfall automatisch einen Notruf absetzen können, wenn der Träger vom Fahrrad stürzt und nicht innerhalb weniger Sekunden wieder aufsteht. Natürlich wird es hier auch Datenschutzbedenken geben, aber in vielen Fällen überwiegen die Vorteile.

Immer mehr Aufgaben, die bis vor kurzem noch exklusiv von Desktop-Computern mit Festnetzanschlüssen erledigt werden mussten, werden in die mobile Sphäre abwandern. Mobile Apps, die vollständig auf entfernten Servern laufen, werden allgegenwärtig sein (siehe vorangehendes Beispiel mit dem digitalen Home Office und der Verweis auf Google Stadia).

Wer die Nachrichten nicht verfolgt hat sollte wissen, dass Google Stadia - ehemals unter dem Namen Project Stream bekannt - nichts weniger verspricht als die nächste große Revolution zu werden, die die Onlinewelt komplett auf den Kopf zu stellen gedenkt. Der Dienst erlaubt es seinen Anwendern Spiele vollständig in der Cloud zu installieren und zu spielen. Dadurch ist es möglich auch solche Spiele zu genießen, die auf dem eigenen Computer mangels entsprechender Hardware nicht laufen und so ganz nebenbei auch noch die eigene Stromrechnung zu senken. Immerhin ist das Abspielen eines Video-Feeds, selbst eines interaktiven, deutlich weniger anspruchsvoll als das Ausführen des dahinter laufenden Videospiels das nicht selten die Hardware ans Limit treibt.

Google Stadia kann Spiele mit bis zu 4K und 60 FPS streamen, daher setzt es eine sehr schnelle Internetleitung mit niedrigen Latenzen voraus. Andere große Namen im Bereich des Cloud-Based-Gaming sind Sonys PlayStation Now, das bereits seit 2014 verfügbar ist, und Microsofts noch für dieses Jahr angekündigtes Project xCloud.

Fazit

Das Lesen von E-Mails und Nachrichten kann noch immer mit einer dünnen Leitung und einem Traffic von weniger als 1 GB pro Monat erledigt werden. Die meisten Dinge, die man heutzutage im Internet so erledigt, beinhalten allerdings multimediale Inhalte und setzen erheblich schnellere Leitungen voraus. Und das beinhaltet nicht nur Freizeitelemente wie Gaming und Video Streaming, denn auch Bereiche wie das Steuern von Smart-Home-Appliances oder das Handeln mit Aktien setzen eine stabile und schnelle Internetanbindung voraus.

Wie ist eure Geschichte der Verwendung des Internets und der Geschwindigkeiten eurer Anbindungen? Seid ihr zufrieden mit der aktuellen Geschwindigkeit? Welchen Einfluss wird die Bandbreite der Anschlüsse auf die Entwicklung des Internets eurer Meinung nach haben? Wir würden uns über einen Kommentar freuen, schließlich bietet das Thema jede Menge Diskussionspotenzial.

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Autor: Codrut Nistor, 12.08.2019 (Update: 15.08.2019)