Notebookcheck

Intel Sandy Bridge Prozessoren im Gaming Test

Florian Glaser , 10.03.2011

Die Qual der Wahl. Immer mehr Spiele schöpfen inzwischen Nutzen aus der Kraft von drei oder vier CPU-Kernen. Doch lohnt sich in Verbindung mit Mittelklasse-Grafikkarten überhaupt ein starker Prozessor? Wir haben den Praxistest gemacht und sieben Sandy-Bridge-CPUs durch vier aktuelle Spiele gejagt.

Als Basis für unseren CPU-Vergleichstest diente das 15.6-zöllige Multimedia-Notebook XMG A501 von Schenker, das mit vier GByte DDR3-Arbeitsspeicher, einem 256 GByte großen SSD-Massenspeicher und einer aktuellen Mittelklasse-Grafikkarte aus dem Hause Nvidia, namentlich der GeForce GT 540M, ausgestattet war. Das Notebook lief mit Windows 7 Home Premium 64 Bit, der GPU-Treiber (ForceWare 265.77) befand sich auf einem recht aktuellen Stand. Getestet wurden sieben Prozessoren aus Intels neuer Sandy-Bridge-Generation (siehe Liste unten), die sich denkbar einfach ins XMG A501 einbauen bzw. wechseln ließen.

Ziel war es herauszufinden, ob Gelegenheits-Gamer überhaupt von einer starken CPU profitieren, sofern nur eine Mittelklasse-Grafikkarte im Notebook steckt. Zu diesem Zweck haben wir vier Spiele aus verschiedenen Genres gewählt, die bekanntermaßen relativ prozessorlastig sind und/oder bereits auf drei respektive vier CPU-Kerne optimiert wurden. Als Auflösung kamen jeweils die nativen 1600 x 900 Bildpunkte zum Einsatz, die gewählten Grafikeinstellungen sollten zu einer spielbaren Bildwiederholrate führen und somit praxistauglich sein.

Das Testsystem

Schenker XMG A501

 

Testkonfiguration:

  • Windows 7 Home Premium 64 Bit
  • Intel HM65 Chipsatz
  • Nvidia GeForce GT 540M (1024 MByte DDR3-VRAM)
  • 15.6" HD+ LED-Display (Non-Glare)
  • 4 GByte DDR3-RAM (1333 MHz)
  • Crucial RealSSD C300 (256 GByte)
  • Einstiegspreis: 749 Euro (Gerätepreis abhängig von der Konfiguration)

Verwendete Prozessoren:

  • Core i3-2310M, 2 Kerne, 4 Threads, 2.1 GHz, 3 MByte L3-Cache, 35 Watt
  • Core i5-2410M, 2 Kerne, 4 Threads, 2.3 - 2.9 GHz, 3 MByte L3-Cache, 35 Watt
  • Core i5-2520M, 2 Kerne, 4 Threads, 2.5 - 3.2 GHz, 3 MByte L3-Cache, 35 Watt
  • Core i5-2540M, 2 Kerne, 4 Threads, 2.6 - 3.3 GHz, 3 MByte L3-Cache, 35 Watt
  • Core i7-2620M, 2 Kerne, 4 Threads, 2.7 - 3.4 GHz, 4 MByte L3-Cache, 35 Watt
  • Core i7-2630QM, 4 Kerne, 8 Threads, 2.0 - 2.9 GHz, 6 MByte L3-Cache, 45 Watt
  • Core i7-2720QM, 4 Kerne, 8 Threads, 2.2 - 3.3 GHz, 6 MByte L3-Cache, 45 Watt

Links:

Battlefield: Bad Company 2

Bad Company 2
Battlefield: Bad Company 2

Entwickler Dice ist mit Bad Company 2 ein grafisch wie spielerisch überzeugender Action-Kracher gelungen. Besonders die zerstörbare Umgebung und der fesselnde Multiplayer-Modus zeichnen den Ego-Shooter aus.

Für Notebooks stellt der aktuelle Battlefield-Sprössling eine harte Bewährungsprobe dar, die maximalen Qualitätseinstellungen werden nur von High-End-Grafikkarten flüssig befeuert. Mit einer GeForce GT 540M muss man entsprechend auf die hohe Detailstufe verzichten, wir griffen zu mittleren Details und 2x AF (anisotrope Filterung). Gebencht wurde die automatisch ablaufende Bootsfahrt am Anfang des Singleplayers bis zu Erreichen des Strandes.

Die Ergebnisse der sieben Prozessoren haben sogar uns etwas überrascht. Bis auf einen minimalen Ausreißer des Core i7-2620M (33.5 fps) siedelten sich alle Sandy-Bridge-CPUs bei 34.0 oder 34.1 fps an. Ein erstes Indiz dafür, dass die Mittelklasse-Grafikkarte derart am Limit arbeitet, das die stärkeren Prozessoren gar nicht erst zur Entfaltung kommen können.

CPU-Vergleich Battlefield: Bad Company 2
CPU-Vergleich Battlefield: Bad Company 2

Colin McRae: Dirt 2

Dirt 2
Colin McRae: Dirt 2

Obwohl Colin McRae: Dirt 2 jetzt schon mehr als ein Jahr auf dem Markt ist, zählt die Rally-Simulation optisch noch immer zu den attraktivsten Titeln. Besonders die DirectX 11-Effekte sind ein wahrer Leckerbissen, fordern Mittelklasse-Grafikkarten jedoch auch einiges ab. Wir haben uns für mittlere Details und 4x AA (Antialiasing) entschieden. Komfortablerweise verfügt Dirt 2 über einen integrierten Benchmark.

Im Vergleich zu Bad Company 2 waren die Abweichungen der Bildwiederholrate zwar geringfügig höher, mehr als ein mageres Frame pro Sekunde betrug der Unterschied aber nie. Wie Sie in der Vergleichsgrafik sehen, lagen schwächere CPUs zum Teil über ihren stärkeren Kollegen. Dieser Umstand ist damit zu erklären, dass der integrierte Benchmark nicht jedes mal exakt gleich abläuft. Das Rennen ist nicht vorberechnet, sondern entwickelt sich dynamisch.

CPU-Vergleich Colin McRae: Dirt 2
CPU-Vergleich Colin McRae: Dirt 2

Call of Duty: Black Ops

Black Ops
Call of Duty: Black Ops

Trotz Innovationsarmut und im Kern veraltetem Spieldesign gehört die Call of Duty-Serie, die abwechselnd von den Studios Infinity Ward und Treyarch entwickelt wird, seit Jahren zu den absoluten Verkaufsschlagern.

Technisch tritt der Ego-Shooter ebenfalls auf der Stelle, bis auf Details hat sich seit Modern Warfare nicht allzu viel an der Grafik getan. Entsprechend kommen auch Mittelklasse-Systeme ordentlich mit dem neusten Ableger Black Ops zurecht. Intels Sandy-Bridge-Prozessoren mussten sich im kubanischen Straßenkampf (erste Mission) in hohen Details, 2x AA und 2x AF beweisen.

Bei Black Ops handelte es sich um den einzigen Titel in unserer Übersicht, bei dem gewisse Performanceunterschiede zu Tage traten. So skalierte die Bildwiederholrate vom Core i5-2410M zum Core i7-2720QM relativ linear, 39 bis 40.9 fps entsprechen einer Differenz von knapp 2 fps. Der Core i3-2310M, der auf den praktischen Turbo-Modus verzichten muss, fiel mit 37 fps derweil etwas zurück.

CPU-Vergleich Call of Duty: Black Ops
CPU-Vergleich Call of Duty: Black Ops

Anno 1404

Anno 1404
Anno 1404

Das wunderschöne Aufbau-Strategiespiel aus deutschen Landen wurde von den Entwicklern mit einer hervorragenden Mehrkern-Unterstützung versehen. Moderne und halbwegs leistungsfähige Grafikkarten müssen sich nicht vor Anno 1404 verstecken, die GeForce GT 540M reicht beispielsweise schon für eine gute Optik aus. Als Benchmarksequenz musste die Kampagnenmission der Demo herhalten, die wir mehrere Minuten in hohen Details und 2x AF laufen ließen.

Die Bildwiederholrate offenbarte sich ein weiteres mal als recht konstant, alle sieben Sandy-Bridge-Prozessoren performten zwischen 34.2 und 35.3 fps. Da sich die Vierkerner nicht von ihren zweikernigen Geschwistern distanzieren konnten, ist wiederum von einer Limitierung durch die Grafikkarte auszugehen.

CPU-Vergleich Anno 1404
CPU-Vergleich Anno 1404

Fazit

Nach Abschluss aller Tests lassen sich zwei Rückschlüsse ziehen. Zum einen ist Intels Sandy-Bridge-Architektur derart effizient und leistungsstark, dass sich schon das Einstiegsmodell Core i3-2310M tadellos zum Spielen eignet. Zum anderen stoßen Mittelklasse-Grafikkarten bei halbwegs anspruchsvollen Titeln so schnell an ihre Grenzen, dass der verbaute Prozessor kaum noch Einfluss auf die Bildwiederholrate hat. In drei von vier Spielen trennten die getesteten CPUs nur ein einziges fps, lediglich in Call of Duty: Black Ops betrug der Abstand zwischen dem günstigsten und dem teuersten Prozessor immerhin 4 fps.

Gelegenheitsspieler, die sich an einem Mittelklasse-Notebook interessiert zeigen, müssen beim Prozessor also nicht extra den Geldbeutel zücken. Mit einer Grafikkarte auf Niveau der GeForce GT 540M würden wir den Core i5-2410M oder maximal den Core i7-2630QM empfehlen, die im Gegensatz zum Core i3-2310M über die automatische Übertaktung Turbo-Boost verfügen und unserer Ansicht nach das beste Preis-Leistungsverhältnis bieten. Teurere Vierkerner oder hochgetaktetere Zweikerner lohnen sich jedenfalls erst bei waschechten Gaming- und High-End-Notebooks mit Grafikkarten ab der GeForce GTX 460M oder Radeon HD 5870.

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Autor: Florian Glaser (Update:  6.06.2013)