Alexa+, die Lügnerin? Amazons neue Sprachassistentin ausprobiert

Alexa+, das ist die Bezeichnung von Amazons neuer und verbesserter Sprachassistentin. Das neue System basiert auf künstlicher Intelligenz und ermöglicht deutlich flexiblere Interaktionen als noch vor dem Update. Ade Auswendiglernen von Sprachbefehlen, willkommen im Zeitalter der wirklich intelligenten Assistenz - davon zeigt sich zumindest Amazon sehr überzeugt.
Und tatsächlich, wer bereits Zugang zum Early Access von Alexa+ hat, merkt recht schnell, dass jetzt vieles anders ist. Egal wie komplex die Frage auch formuliert ist, Alexa weiß in aller Regel zu antworten. Das unbeliebte
"Das weiß ich leider nicht."
scheint jetzt endgültig der Vergangenheit anzugehören. Auch "Entschuldigung, das habe ich leider nicht verstanden." bekommt man nun nicht mehr zu hören. Stattdessen fragt Alexa+ bei Unklarheiten nach und liefert im zweiten Anlauf dann oft eine recht vernünftige Antwort.
So war etwa die doch sehr komplexe Anfrage "Alexa, erstelle ein Rezept für griechisches Moussaka, aber vegetarisch, das heißt ohne Hackfleisch und stattdessen mit mehr Tomatensauce und Käsehaube." kein Problem für die neue Assistentin. Dass sie mir dann beim Rezept bei jedem Aufzählungszeichen (-) "...Du brauchst Minus 500 Gramm Kartoffeln, Minus 500 Gramm Auberginen,..." vorlas, sei ihr an dieser Stelle verziehen. Solche anfänglichen Fehler werden mit Sicherheit mit der Zeit behoben werden, auch weiß man ja in der Regel, dass negative Zutatenmengen eher unrealistisch sind.
Ein größerer Nachteil ist allerdings: Wenn sich die Sprachassistentin nun irrt, dann tut sie dies neuerdings mit inbrünstiger Überzeugung, so ausformuliert, dass man es quasi gar nicht wagen möchte, an der Antwort zu zweifeln. Auch dann, wenn Alexa vollkommen danebenliegt, was leider doch hin und wieder der Fall ist. So bekam ich kürzlich auf meine Frage, wie tief denn der Neufelder See im Burgenland (Bundesland von Österreich) sei, die Antwort, dass dieser nur wenige Meter tief wäre. Tatsächlich ist dieser jedoch 24 Meter tief und damit alles andere als seicht. Da muss Alexa den See mit dem deutlich flacheren Neusiedlersee verwechselt haben, antwortete aber trotzdem mit "Der Neufelder See ist ein sehr flacher See in Österreich und nur wenige Meter tief.". Hätte ich nicht gewusst, dass dort Tauchausflüge angeboten werden, so wäre mir diese glatte Lüge wohl niemals aufgefallen.
Tatsächlich nennt sich dieses Phänomen, das Erfinden und Generieren von völlig falscher Information, im Technik-Jargon "Halluzinieren" und ist ein typisches Problem künstlicher Intelligenz. Ebenfalls nicht ungewöhnlich ist, dass sich derartige Fehler nicht zuverlässig reproduzieren lassen. So bekam ich in der neuen Chat-Funktion der Alexa-App, welche ich für ein Beweisbild nutzen wollte, jedesmal zuverlässig die richtige Antwort.


Dass der Hase nun anders läuft, merkt der Nutzer beim Upgrade auf Alexa+ aber nicht nur an den anders anmutenden Antworten und der veränderten Stimme und Tonalität, auch ist neuerdings der Aufmerksamkeitsmodus standardmäßig aktiviert. Dieser bewirkt, dass Alexa nach einer Antwort noch einige Sekunden zuhört, um Folgefragen auch ohne Aktivierungswort beantworten zu können. So ist tatsächlich ein natürlicheres Gespräch möglich, auch dank dessen, dass sich die Sprachassistentin nun an den Gesprächsverlauf "erinnert" und so nicht jede Frage komplett neu behandelt, sondern im Kontext des geführten Gesprächs beantwortet.
Wie so vieles hat aber auch der Aufmerksamkeitsmodus seine Nachteile: Möchte man eigentlich gar kein Gespräch mit Alexa führen sondern einfach nur eine einzelne Frage beantwortet haben oder einen Befehl geben, so passiert es nun nicht allzu selten, dass Alexa auch in Gespräche anderer Personen im Raum etwas hineininterpretiert. Dazu ein Beispiel aus meinem Alltag: Beim Kochen bat ich Alexa, einen Timer zu stellen, neben mir unterhielten sich meine Eltern. Nachdem Alexa den Timer gestellt hatte und mir dies bestätigte, führte ich das Gespräch mit meinen Eltern fort. Dass die Sprachassistentin nach einigen Minuten nochmal etwas sagte, was aber im Gespräch unterging, quittierten wir mit einem Schulterzucken. Nicht so erfreulich war es dann allerdings, als mir auffiel, dass Alexa den Timer gelöscht hatte. Sie hatte wohl irgendeinen Gesprächsfetzen aufgeschnappt und sich zum Löschen bemüßigt gefühlt.
Ein letzter nennenswerter Nachteil: Zumindest auf älteren Geräten dauert die Verarbeitung auch einfacher Anweisungen nun spürbar länger. Zwar sind es absolut gemessen immer noch nur wenige Sekunden, wer eine geradezu unmittelbare Antwort gewöhnt ist, wundert sich aber dennoch oft über die nun ungewohnt lange Reaktionszeit. Hier sollen laut Amazon die Geräte der neuesten Echo-Generation Abhilfe schaffen, diese seien für Alexa+ optimiert. Das bestätigen auch die Nutzer in den Kommentaren, allerdings schlagen die neuen Geräte auch deutlich stärker zu Buche, als von früher gewohnt. So kostet die aktuelle Echo Show 8 bei Amazon beispielsweise rund 200 Euro.
Zu guter Letzt sei anzumerken, dass Alexa mit dem Update auf Plus durchaus einen Schritt nach vorne gemacht hat. Es wäre sogar falsch zu behaupten, dass es nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung wäre. Vielmehr macht die Sprachassistentin hier einen gewaltigen Sprung nach vorne - so weit, dass man teilweise über das, was eigentlich das Ziel sein sollte, schlichtweg hinausgeschossen ist.
Quelle(n)
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