Auf der Suche nach der grünen KI

Insbesondere der enorme Strom- und Wasserverbrauch machen künstliche Intelligenz zu einer der Anwendungen mit dem größten Ressourcenverbrauch unserer Zeit. Auch Notebookcheck berichtete kürzlich über die Schattenseiten des KI-Booms. Nur naheliegend also, dass sich viele Menschen vehement gegen die Nutzung von KI einsetzen. Doch nicht immer kann oder will man auf die Unterstützung der digitalen Assistenten verzichten, sei es aufgrund beruflicher Vorgaben oder einfach nur deshalb, weil man die Unterstützung zu schätzen begonnen hat.
In diesem Fall stellt sich vermutlich die Frage nach einem Kompromiss: Wie lässt sich künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit, bestenfalls auch noch ein verbesserter Datenschutz, kombinieren?

Viele Anbieter?
Wie so oft startet die Suche mit einer Internet-Recherche. Wer bei Google nach grüner oder nachhaltiger KI sucht, erhält Ergebnisse in Hülle und Fülle. Bei mir ist das erste Ergebnis der "Grünerator", eine KI zum Verfassen von Pressemittelungen und ähnlichem für grüne Politik. Das ist zwar ein Ansatz, ist jedoch nicht das, was wir an dieser Stelle suchen. Viel interessanter ist da schon die oftmals empfohlene KI-Suche der nachhaltigen Suchmaschine Ecosia. Sie ist absolut kostenlos, läuft zu 100% mit erneuerbarer Energie und verwendet besonders effiziente, also kleine, Modelle.
Was das in der Praxis heißt, zeigte sich beim Ausprobieren aber leider recht schnell. Während einfache Anfragen noch recht zuverlässig beantwortet wurden, stieß das Modell bei komplexeren Prompts schnell an seine Grenzen. Insbesondere bei etwas tieferen Rechercheaufgaben lieferte die KI nicht mehr zuverlässig das richtige Ergebnis oder verstand die Fragestellung nicht. Schade eigentlich, ist die Idee hinter Ecosia doch sehr lobenswert, bei einer für die Web-Suche entwickelten KI ist derartiges Verhalten aber natürlich ein No-Go.
Weiter also mit unserer Suche nach möglichen Anbietern. Beim Lesen verschiedenster Blogs, Foren und Firmen-Webseiten stellt sich recht schnell heraus: Anbieter, die auf den Zug "nachhaltiger" KI aufspringen wollen, gibt es genug. Exemplarisch möchte ich an dieser Stelle auf zwei "Arten" von Plattformen eingehen.
Verspricht viel, aber erklärt wenig
Auf der einen Seite wären da jene Anbieter, welche zwar mit Nachhaltigkeit werben, aber nicht viele Informationen bereitstellen, wie diese erreicht werden soll. Zu nennen sei hier etwa Viro. Auf der Webseite liest man hier, dass man mit den Einnahmen nachhaltige Energieformen unterstütze. Zudem zeige man ganz transparent auf, wie viel Strom während des Chats mit der KI verbraucht worden sei. Weiter unten liest man dann, dass man bisher rund 14.000 kWh erneuerbarer Energie finanziert hätte.
Das ist zwar eine große Zahl, aber im Kontext von Rechenzentren eine verschwindend geringe Energiemenge. In Österreich, einem Land mit global betrachtet recht hohen Strompreisen, liegt der Energiepreis für 14.000 kWh Grünstrom bei ungefähr 2.000 bis 3.000 Euro. Das ist kein großes Investment für ein Unternehmen, das mit Nachhaltigkeit wirbt. Zudem ist es paradox, dass Viro ausgerechnet die KI-Modelle ChatGPT, Gemini oder Claude verwendet - also jene der nicht gerade nachhaltigen IT-Riesen.
Positiv anzumerken ist nur, dass Viro generell kostenlos ist. Man finanziert sich durch Werbung oder bietet alternativ ein Abonnement um 1$.
Wirklich transparente Anbieter
Auf der anderen Seite gibt es Anbieter, die mehr Informationen zu ihren grünen Versprechen offenlegen. GreenPT hostet alle KI-Modelle auf europäischer Infrastruktur, die mit 100 Prozent erneuerbarem Strom betrieben werden und vollkommen DSGVO-konform sind. Auch sind die Rechenzentren primär luftgekühlt, wodurch der Wasserverbrauch erheblich sinkt. Zudem nutzt der Anbieter Open-Source-Modelle, unabhängig von bekannten Datenkraken wie Google und Co. Dafür verlangt man aber auch ein monatliches Abonnement, das mit 4,50 bis 17,50 Euro monatlich zu Buche schlägt.
Eine kurze Recherche zeigt, dass GreenPT auf die Server von Scaleway setzt. Für Nutzer mit technischem Vorwissen bietet sich hier ein noch direkterer Weg: Wer nicht genug Anfragen stellt, damit sich ein monatliches Abonnement rechnet, kann direkt Scaleways API (Programmierschnittstelle) nutzen. Hier zahlt man nur für den tatsächlichen Verbrauch. Auch stehen hier extrem leistungsstarke Modelle wie glm-5.2 zur Verfügung, welche bezüglich Intelligenz (zumindest im Bereich des aktuell möglichen) keine Wünsche offen lassen sollten. Ähnliche Vorteile bietet die Nutzung eines Routers wie Requesty, sofern hier gezielt Server mit hohem Ökostromanteil ausgewählt werden.
Fazit
Nachhaltigkeit versprechende Möglichkeiten gibt es viele. Wie ressourcenschonend es dann aber wirklich wird, geht stark auseinander, je nach eigener Präferenz und Zahlungsbereitschaft.
Quelle(n)
eigene Recherche









