Zahlen belegen: KI ruiniert Spielverkäufe

Generative KI ist in der Spieleentwicklung inzwischen weit verbreitet und wird für ganz unterschiedliche Aufgaben eingesetzt – von Concept Art und Übersetzungen bis hin zu Code-Unterstützung und internen Workflows. Auf Steam müssen Entwickler offenlegen, wenn KI im Entwicklungsprozess zum Einsatz kam. Genau dieser Hinweis könnte laut einer aktuellen Analyse jedoch für viele Spieler zum Warnsignal werden.
Game Oracle hat sich dafür 9.879 Steam-Spiele genauer angeschaut, die zwischen Januar und Oktober 2025 erschienen sind. Free-to-play-Titel, auffällige Scam- oder Spam-Veröffentlichungen und extreme Ausreißer wurden dabei bewusst außen vor gelassen. Hier eine kurze Übersicht der Ergebnisse:
Durchschnittliche Reviews im ersten Monat nach Release
• Mit KI-Hinweis: 4 (19,8 Prozent ohne Reviews)
• Ohne KI-Hinweis: 7 (15,2 Prozent ohne Reviews)
Durchschnittliche Nutzerbewertungen (mindestens 100 Reviews)
• Mit KI-Hinweis: 84,6 Prozent
• Ohne KI-Hinweis: 88,3 Prozent
Werden andere Einflussfaktoren herausgerechnet, etwa Entwicklererfahrung, Publisher, Genre und Release-Zeitpunkt, fällt das Ergebnis besonders deutlich aus. Danach kommen vergleichbare Spiele mit KI-Offenlegung auf rund 52,6 Prozent weniger Reviews als Titel ohne entsprechenden Hinweis. Vereinfacht gesagt: Ein vergleichbares Spiel ohne KI-Hinweis würde laut Studie bei 100 Reviews landen – mit KI-Hinweis wären es nur rund 47 bis 48. Da Steam keine offiziellen Verkaufszahlen veröffentlicht, nutzt die Studie die Zahl der Reviews als groben Hinweis darauf, wie gut ein Spiel ankommt.
Game Oracle betont allerdings, dass sich nicht alle wichtigen Faktoren sauber messen lassen. Dinge wie Budget, Erfahrung oder Marketing spielen ebenfalls eine große Rolle. Dass Spiele mit KI-Hinweis oft schlechter abschneiden, muss also nicht allein an der KI selbst liegen. Möglich ist auch, dass Künstliche Intelligenz besonders häufig bei Projekten eingesetzt wird, die ohnehin unter Zeitdruck, geringem Budget oder schwachem Feinschliff leiden.
Reddit-Community lehnt KI ab – aber nicht in jedem Fall
Auf Reddit lehnen viele Nutzer KI in Spielen klar ab und verbinden entsprechende Hinweise oft mit „AI Slop“, Shovelware und geringem kreativen Aufwand. Das Argument: Wenn Entwickler sich keine Mühe geben, müssten Spieler sich auch nicht bemühen, das Spiel zu kaufen. Für die meisten scheint KI daher kein Hinweis auf Innovation zu sein, sondern eher auf eingesparte Arbeit. Andere widersprechen allerdings der These, KI ruiniere automatisch Spieleverkäufe. Ein häufiger Einwand: Schlechte Spiele verkaufen sich schlecht – und viele Titel im Datensatz der Studie könnten schlicht kleine, kaum sichtbare oder lieblos produzierte Projekte sein.
Für große Teile der Community ist KI aber nicht gleich KI. Als Werkzeug für Code-Unterstützung, Debugging oder temporäre Platzhalter wird künstliche Intelligenz von vielen Spielern eher akzeptiert. Kritisch wird es vor allem bei KI-Artworks, generierten Cosmetics oder synthetischen Stimmen. Kreativität scheint der Gaming-Community also besonders wichtig zu sein: KI als Unterstützung geht für viele in Ordnung – ersetzt sie aber menschliche Künstler, folgt schnell Ablehnung.
Für Entwickler bleibt damit vor allem eine Botschaft hängen: KI kann Arbeit abnehmen, ersetzt aber keine kreative Vision und kein gutes Spieldesign. Wer damit nur schnell billige Inhalte auf Steam wirft, dürfte es zunehmend schwer haben. Wird KI dagegen sauber, sinnvoll und ohne sichtbaren Qualitätsverlust eingesetzt, muss sie nicht automatisch zum Problem werden.












