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Die Schattenseiten der KI

Googles neues Rechenzentrum in Österreich wird auf 50 Hektar Fläche 100 Arbeitsplätze schaffen, mit dem Stromverbrauch einer Großstadt.
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Googles neues Rechenzentrum in Österreich wird auf 50 Hektar Fläche 100 Arbeitsplätze schaffen, mit dem Stromverbrauch einer Großstadt.
An künstlicher Intelligenz führt momentan kein Weg vorbei. Viele Hersteller in der Technik-Branche versuchen mit der KI-Welle mitzuschwimmen, zu verlockend sind die schier unendlichen Vorteile von Automatisierung und Assistenz durch KI. Doch nicht alles, was glänzt, ist auch durch und durch Gold.

Wer auch nur hin und wieder Nachrichten sieht oder Zeitung liest, weiß: Der momentane Boom künstlicher Intelligenz ist der Treiber vieler negativer Entwicklungen. Ein Beispiel dafür ist der extrem gestiegene Preis von RAM (Arbeitsspeicher), Grafikkarten und anderen IT-Bauteilen, welcher leistungsstarke PCs, Notebooks oder Smartphones für viele Privatanwender geradezu unleistbar macht.

Viel gravierender ist aber der extreme Ressourcenhunger der KI-Rechenzentren. Um den Strombedarf zu decken, reicht den IT-Riesen erneuerbare Energie längst nicht mehr: Immer öfter werden mit den Rechenzentren auch gleich Gaskraftwerke errichtet (zu nennen seien hier etwa Microsoft oder X.ai von Elon Musk). Wenn das noch zu wenig ist, sichert man sich gleich Atomstrom: Durch den Bau eigener Reaktoren (z.B. Amazon) oder durch den Abschluss von jahrzehntelangen Verträgen mit bestehenden Atomkraftwerken, welche diese noch länger am Netz halten, auch wenn diese schon längst durch andere Energieträger hätten ersetzt werden sollen (so macht es u.a. Meta, der Mutterkonzern von Facebook und Co.).

Dass diese Praktiken langfristige, negative Auswirkungen auf die Umwelt haben, versteht sich von selbst. Aber auch kurzfristig bekommt man als Privatperson die Auswirkungen zu spüren: Durch gestiegene Preise für Strom und andere Energieträger. So löste beispielsweise kürzlich die Bekanntgabe von Google, ein erstes Rechenzentrum in Österreich errichten zu wollen, Diskussionen aus, ob dieses Vorhaben nicht unmittelbare Auswirkungen auf den Strompreis im ganzen Land hätte. Schließlich könnte das Datacenter Schätzungen zufolge ungefähr 5 bis 6 Prozent des Stroms Österreichs verbrauchen, das wäre fast doppelt soviel wie die Stadt Graz.

Die auf dem Dach des Rechenzentrums geplante Photovoltaikanlage wird wohl nur einen Bruchteil des Energiebedarfs decken können.
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Die auf dem Dach des Rechenzentrums geplante Photovoltaikanlage wird wohl nur einen Bruchteil des Energiebedarfs decken können.
Besonders viel Rechenleistung benötigt die Generierung von Bildern und Videos wie diesem.
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Besonders viel Rechenleistung benötigt die Generierung von Bildern und Videos wie diesem.

Doch genug von den Auswirkungen auf die (Umwelt-)Kosten, hin zu einer deutlich banaleren Kehrseite. Gilt künstliche Intelligenz in gewissen Kreisen fast schon als Demokratisierung von Wissen, so sind derartige Ideen doch sehr mit Vorsicht zu betrachten. Natürlich eröffnet ein LLM (Large Language Modell = KI-Modell im klassischen Sinne) dem Nutzer den Zugang zum gesamten Wissensschatz des Modells, welcher heute meist unvorstellbar umfangreich ist. Andererseits benötigt man aber überhaupt erst einmal Zugang zu der KI selbst. Dieser ist in ärmeren Haushalten / Gegenden / Kulturen oftmals schlichtweg nicht gegeben, ist doch zumindest ein Internetanschluss und ein passendes Endgerät Voraussetzung für die Interaktion.

Dass nicht alle Menschen KIs nutzen können, mag im ersten Augenblick nicht sonderlich schwerwiegend erscheinen, konnten wir das doch bis vor wenigen Jahren auch nicht. Gleichzeitig ist aber auch zu beachten, dass sich die Welt in der Zwischenzeit verändert hat. Unternehmen und Selbstständige ohne KI-Einsatz verlieren an Wettbewerbsfähigkeit durch niedrigere Produktivität, Schüler und Studierende ohne Zugang zu KI-Tutoren und Lernhilfen geraten im Vergleich zu privilegierteren Gleichaltrigen ins Hintertreffen, am Arbeitsmarkt werden KI-Kompetenzen vorausgesetzt und so weiter und so fort. Zumindest im kleinen Maßstab macht sich heute sogar schon oft der Unterschied zwischen Personen bemerkbar, die sich den Zugriff auf kostenpflichtige (Pro-)Versionen von LLMs leisten können und jenen, die auf kostenlose Modelle angewiesen sind.

Ebenfalls ein Problem ist, dass jene, die den Umgang mit KI nicht gewohnt sind, deutlich größere Schwierigkeiten damit haben, Deepfakes und KI-generierten Content zu erkennen. Damit sind diese Anwender Desinformation und Propaganda deutlich mehr ausgesetzt, als andere. Zugegebenermaßen wird es aber auch für darin geübte Personen zunehmend heikler, da KI-generierte Bilder und Videos immer besser und realistischer aussehen.

Sieht täuschend echt aus, oder? Tatsächlich hat aber keines der Dinge auf dem Bild jemals existiert.

Ein letzter Nachteil, bevor wir endgültig deprimiert sind, ist auch die Tatsache, dass künstliche Intelligenz unsere Problemlösungskompetenzen mindert und uns in unseren Vorurteilen bestätigt. Wer sich zu sehr auf den allwissenden Gesprächspartner verlässt, der für jedes Problem eine Lösung weiß, verliert über kurz oder lang den Antrieb, selbst einen passenden Ausweg zu finden. Schade ist es nicht um den Antrieb, sehr wohl aber um die Übung und damit die Fähigkeit des Problemlösens. Darüber hinaus ist künstliche Intelligenz nicht neutral - sie wurde mit menschlichen, voreingenommenen Daten trainiert. Diese Vorurteile übernimmt die KI und verstärkt sie womöglich sogar noch.

Was lernen wir aus dem Ganzen? An künstlicher Intelligenz führt heute kein Weg mehr vorbei, denn wer nicht mit der KI-Welle mitschwimmt, kann in vielerlei Disziplinen schlichtweg nicht mehr mithalten. Gleichzeitig wäre es aus vielerlei Gründen eigentlich das Beste, auf KI zu verzichten. Wie so oft im Leben wird es daher ein Mittelweg sein müssen - nichts Halbes und nichts Ganzes.

Manche KI-Bilder muten ein bisschen eigenartig an, sind aber irgendwie auch passend.

Quelle(n)

eigene Recherche; Google Blog, ORF, Der Standard

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Autor: Bernhard Rotter, 29.06.2026 (Update: 29.06.2026)