Claude-Macher Anthropic sucht den Weg weg von Nvidia

Anthropic arbeitet an einem eigenen KI-Chip und hat dafür mit Samsung gesprochen. Das berichtet das US-Branchenmedium The Information. Anthropic ist das Unternehmen hinter dem Chatbot Claude. Bisher läuft die KI-Firma fast vollständig auf fremder Hardware. Mit einem eigenen Chip will sie unabhängiger werden, vor allem von Marktführer Nvidia. Bestätigt hat Anthropic die Pläne nicht.
Das soll Samsung beisteuern
Im Gespräch ist Samsungs modernster 2-nm-Prozess samt der Advanced-Packaging-Technik. Dabei rückt der Hauptprozessor näher an die Speicherchips, was den Datenaustausch beschleunigt und Engpässe verringert. Genau darauf kommt es bei KI-Beschleunigern an. Samsung hat die Ausbeute seiner 2-nm-Fertigung zuletzt auf rund 60 Prozent gesteigert und damit an Boden gutgemacht. Der Konzern fertigt bereits Teslas Fahrchip AI6 und einen Inferenz-Chip für Nvidia. Anthropic wäre ein weiterer prominenter US-Kunde.
Warum ausgerechnet Samsung
Die beiden Firmen kennen sich bereits. Samsung stieg im Mai 2026 als strategischer Infrastruktur-Partner bei Anthropic ein, zusammen mit SK Hynix und Micron, im Rahmen einer Finanzierungsrunde über 65 Milliarden US-Dollar. Aus dieser Nähe erwächst nun die mögliche Fertigungspartnerschaft. Für Samsungs lange defizitäre Foundry-Sparte wäre Anthropic ein weiterer wichtiger Neukunde.
Entschieden ist noch nichts
Das Projekt steckt in einer frühen Phase. Ein fertiges Design gibt es laut Bericht nicht, konkrete Fertigungsschritte sind nicht gestartet, und Anthropic könnte den Plan auch wieder fallen lassen. Personell rüstet die Firma aber auf. Anfang Juni holte sie Clive Chan, der früh im Chip-Team von OpenAI mitgearbeitet hat. Gegenüber The Information stellte Anthropic zugleich klar, dass Trainium von Amazon, die TPUs von Google und Nvidias GPUs zentral für die eigene Rechenleistung bleiben. Zusätzlich verhandelt Anthropic dem Bericht zufolge über Chips von Microsoft und dem britischen Start-up Fractile. Es geht also um mehrere Standbeine, nicht um einen harten Bruch mit Nvidia.
Warum das über Anthropic hinaus wichtig ist
Nvidia beherrscht den Markt für KI-Chips, The Information schätzt den Anteil auf rund 74 Prozent. Diese Abhängigkeit ist teuer und riskant, deshalb suchen fast alle großen KI-Anbieter nach Alternativen. OpenAI entwickelt mit Broadcom einen eigenen Chip, Google setzt auf seine TPUs, Amazon auf Trainium. Reiht sich Anthropic ein, wächst der Druck auf Nvidia weiter. Für Nutzer zählt dabei vor allem der Wettbewerb. Mehr Konkurrenz bei der KI-Hardware kann die Kosten drücken und die Technik schneller voranbringen. Bis daraus ein fertiger Anthropic-Chip wird, dürften aber Jahre vergehen.




