Amazon Prime Air: Totgeglaubte Drohnenlieferung soll plötzlich 500 US-Städte erreichen

Ausgerechnet in der Woche der großen Expansionsankündigung sorgt eine Prime-Air-Drohne im US-Bundesstaat Texas für unfreiwillige Komik. Ein kurzes Video des US-Senders ABC7 News zeigt, wie ein fliegender Amazon-Bote über einem privaten Garten schwebt, die Ladeluke öffnet und das Paket zielsicher mitten in den Swimmingpool der Kundin fallen lässt. Die unfreiwillige Wasserlandung ist kein Einzelfall. Bereits im vergangenen Jahr landeten Amazon-Pakete nach starken Abwinden der Drohnen-Rotoren in Gartenteichen und Schwimmbecken. Trotz dieser nassen Rückschläge bläst der E-Commerce-Gigant nun zur beispiellosen Großoffensive im Luftraum.

Lange Zeit galt das ehrgeizige Drohnenprojekt von Amazon als teures Millionengrab. Berichte über massive Stellenstreichungen, technische Probleme und pausierte Testflüge ließen das nahe Ende von Prime Air vermuten. Doch statt das Prestigeprojekt einzustampfen, kündigt der US-Konzern jetzt eine radikale Versechsfachung seiner Flugrouten an. Von derzeit elf aktiven Standorten soll das Liefernetz bis zum Jahresende 2026 auf nahezu 500 Städte und Gemeinden in den Vereinigten Staaten anwachsen. Laut offiziellen Angaben des Unternehmens erhalten damit künftig zig Millionen Kunden direkten Zugriff auf die ultraschnelle Paketzustellung aus der Luft.
Das Flug-Angebot umfasst Millionen verschiedener Artikel aus Kategorien wie Elektronik, Medikamente oder Haushaltswaren. Die Drohnen transportieren nahezu alle Waren, die in einen handelsüblichen Schuhkarton passen und weniger als 2,3 Kilogramm wiegen. Damit deckt die wachsende Flugflotte nach Angaben von Amazon bereits über 60 Prozent der am häufigsten bestellten Produkte ab. Die Lieferung trifft in der Regel innerhalb von 30 bis 60 Minuten nach der Bestellung direkt im Vorgarten der Kunden ein. Technisch setzt das Unternehmen auf die neue MK30-Lieferdrohne, die mit einem autonomen System zur aktiven Hinderniserkennung arbeitet.
Für Prime-Mitglieder ist die schnelle Lieferung aus der Luft ab einem Bestellwert von 50 US-Dollar kostenlos. Bei kleineren Bestellungen berechnet Amazon eine Gebühr von 2,99 Dollar, während Käufer ohne Prime-Abo pauschal 4,99 Dollar zahlen. Während Behörden und Logistiker in Deutschland weiterhin über die grundsätzliche Machbarkeit von autonomen Lieferdrohnen diskutieren, treibt der US-Konzern den Masseneinsatz in Nordamerika und Großbritannien unaufhaltsam voran. Bleibt für die Kunden in Texas und Arizona nur zu hoffen, dass die verbesserte Sensortechnik der MK30-Drohne künftig heimische Schwimmbecken besser von trockenen Rasenflächen unterscheidet.
Quelle(n)
Amazon | ABC News






